Züri isst | Pascal Grob bloggt

Street Food Festival: Zenit überschritten

«Züri isst»-Blogger Pascal Grob fragt sich, ob sich der Weg zur Stadionbrache Hardturm überhaupt noch lohnt.

30. Mai 2018

Wenn halb Zürich wieder zur Stadionbrache Hardturm pilgert, kann das nur eines bedeuten: Das Street Food Festival ist im vollen Gange. Bunte Lichterketten spannen sich über den Köpfen der Besucher. Ein Zelt, dessen Grösse auch der Familie Knie imponieren würde, schützt vor einem potenziellen Platzregen. Und über 100 Anbieter buhlen um die Gunst des Publikums mit Burger-Kreationen, Tacos, «Kottu Rotti» oder dampfenden Nudelsuppen. Keine Frage – die Macher probieren dem Besucher eine einzigartige Atmosphäre zu bieten. Was die Stimmung jedoch gehörig dämpft: Das Street Food Festival lockt mit einem Versprechen, das es nicht mehr einhalten kann. Während sich der Reiz des Neuen längst verflüchtigt hat, sinkt die Qualität der angebotenen Gerichte von Ausgabe zu Ausgabe. Zurück bleibt nur die totale Ernüchterung.

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Ein kleiner Lichtblick: Die Kokosmakronen von «Royal Dutch Cocos».

Auf dem Grill vergessene Poulet-Spiesse vollbrachten das Kunststück gleichzeitig weich und ausgetrocknet zu sein, übersalzen und dennoch ohne nennenswerten Geschmack. Angelockt von einer langen Warteschlange, enttäuschten gefüllte Teigkugeln, die höchstens deine Zunge verbrennen, statt sie zu bezirzen. Ein Kimchi-Pfannkuchen überraschte vorallem damit, dass der verwendete Kohl wohl noch nie in Berührung mit irgendwelchen Milchsäurebakterien kam. Und beim Biss in einen Burger, dessen streng riechendes, trockenes Rindfleisch bitter schmeckte, befürchtete ich gar eine Lebensmittelvergiftung einzufangen. Einzig die Kokosmakronen von «Royal Dutch Cocos» und der Hotdog des «Buenos Aires Street Grill» vermochten zu überzeugen. Die Wurst gleicht einer Chorizo und erhält durch Chimichurri-Mayonnaise, einem Relish aus Essiggurken, Tomaten-Salsa und Röstzwiebeln eine gute Balance.

Das Restaurant Mythos serviert köstliches Fleisch vom Drehspiess direkt am Stauffacher.
Eine deftige Portion Griechenland: Gyros im Pitabrot mit Pommes frites, Zwiebeln, Tomaten und Tzatziki.

Den besseren «Street Food» findest du ausserhalb des Festivalgeländes. Du sehnst dich nach Falafel oder frittierten Auberginen? Dann nichts wie hin zum «Palestine Grill». Du bevorzugst stattdessen die griechische Variante mit Gyros? Das Restaurant «Mythos» beim Stauffacher wird dein neues Stammlokal. Dein Herz schlägt für japanisches Curry und Onigiri? Schau im Take-Away-Juwel «Putput» beim Helvetiaplatz vorbei. Wer die Tacos von «Fuego Y Hielo» vermisst, markiert sich den Mittagstisch am Dienstag im «Rosi» am besten gleich rot im Kalender. Und wer gerne Ramen schlürft, schnappt sich einen der Tische im «Ikoo». Für die besten «Fried Chicken» der Stadt sorgt Kenny Thomson im «Exer» jeden zweiten Mittwoch. Und das alles ohne die begrenzte Dauer eines Street Food Festivals.

«Shoyu» Ramen
«Shoyu»-Ramen sind – wie eine Pizza Margherita – für Puristen.
Sitzplätze im IKOO
Das «Ikoo» macht Ramen-Fans seit 10 Jahren zu schlürfenden Wiederholungstätern.

 

Kontakt

Street Food Festival Nr. 8
Stadionbrache Hardturm
Hardturmstrasse 269
8005 Zürich
http://www.street-food-festival.ch/
Auf Google Maps anzeigen

 

Öffnungszeiten

Dauer: 24. Mai bis 10. Juni 2018
Montag bis Donnerstag, 17.00 bis 22.00 Uhr
Freitag, 17.00 bis 23.00 Uhr
Samstag, 11.00 bis 24.00 Uhr
Sonntag, 11.00 bis 22.00 Uhr