Fotos: Adrian Bretscher

Wie stolz sind Ihre Eltern, dass Sie auch als Hotelier so erfolgreich sind?
Meine Eltern haben am 11. September 1976, also fast auf den Tag vor 50 Jahren, im «Bären» in Gonten geheiratet. Das «Appenzeller Huus», das heute aus den Häusern «Bären», «Löwen» und «Quell» besteht, ist also auch für sie ein sehr besonderer Ort. Entsprechend gerührt waren sie, als ich das Schild für das «Hotel des Jahres» entgegennehmen durfte. Meine Mutter hatte Tränen in den Augen, als sie mit meinem Vater und mir auf der Bühne stand. Dass ich vom Fintech-Bereich einmal in die Hotellerie wechseln würde, hätten meine Eltern sicher nicht gedacht. Bild oben: Jan Schoch mit seinen Eltern Erich und Marlies.

Was bedeutet die Auszeichnung als «Hotel des Jahres» für das «Appenzeller Huus»?
Sie ist beste Werbung für uns, aber vor allem auch eine wunderschöne Bestätigung für alle 137 Mitarbeitenden, die zu diesem Erfolg beigetragen haben. Allein kann man in der Hotellerie nichts bewegen. Für ein Erlebnis, das den Gästen in Erinnerung bleibt, braucht es ganz viele Rädchen, die ineinander greifen. Dazu zählen auch unsere Partner ausserhalb des Resorts, die Brauerei Locher in Appenzell zum Beispiel oder die Chrüterei in Stein. Die allerwichtigste Person ist aber unsere Hotelmanagerin Alexa Stoschek. Bei ihr laufen alle Fäden zusammen. 

Auffällig viele Schlüsselpositionen im «Appenzeller Huus» sind mit jungen Leuten besetzt. 
Auch darauf sind wir sehr stolz. Was sie alle verbindet, ist die Begeisterungsfähigkeit. Sie bewegen sich nicht auf ausgetretenen Pfaden, sondern sind neugierig und ehrgeizig. So entsteht der ganz eigene «Appenzeller Huus»-Geist. Hans Rhyner, der den Weinkeller aufgebaut hat und mit enormer Expertise kuratiert, ist mit seinen 71 Jahren der mit Abstand Älteste im Team, passt aber dank seinem jungen Geist wunderbar ins Ensemble. Auf den Weinkeller sind wir alle mächtig stolz. Auch weil man dort die besten Tropfen von 135 Schweizer Produzentinnen und Produzenten findet.

General Manager Alexa Stoschek mit Jan Schoch Inhaber - 24.08.2026 - Hotel des Jahres 2027 - Apenzeller Huus -

Der Chef und seine Managerin: Jan Schoch ist begeistert von der Arbeit von Alexa Stoschek.

Was macht das «Appenzeller Huus» unverwechselbar?
Die Mischung aus Traditionsbewusstsein und Innovationsgeist – und die traumhafte Kulturlandschaft, in die wir eingebunden sind. Das beginnt bei der traditionellen Strickbauweise und reicht bis zur Mini-Siedwurst von Metzgermeister Wetter auf der Frühstückskarte. Am allerwichtigsten sind aber die Menschen. In meiner Zeit bei Leonteq war ich sehr viel unterwegs und wusste beim Aufwachen oft nicht, in welchem Land und auf welchem Kontinent ich war. Viele Hotels waren komplett austauschbar, ohne Identität. Ich habe mir geschworen, genau das Gegenteil zu machen. Die Gäste sollen bei uns das Appenzellerland spüren, es geradezu einatmen.

Welche Attraktionen des Resorts nutzen Sie selbst am häufigsten?
Die Longevity-Einrichtungen im Spa. Noch mehr als die hyperbare Sauerstoffkammer, wo man 99 Prozent reinen Sauerstoff einatmet, hat es mir die Kryo-Kammer angetan. Bei bis zu minus 110 °C regeneriert sich die Muskulatur dort in wenigen Minuten. So eine Session lässt sich problemlos in den Tag einbauen, auch wenn der Terminkalender voll ist.

Teamfoto Appenzeller Huus - 24.08.2026 - Hotel des Jahres 2027 - Apenzeller Huus -

Hotellerie ist Teamwork: Die guten Geister hinter dem Erfolg des «Appenzeller Huus».

Mit Michael Gollenz haben Sie einen sehr passionierten jungen Chef eingestellt. Was hat er seit seiner Ankunft vor einem halben Jahr bewegt?
Eine ganze Menge – und längst nicht nur auf dem Teller. Er hat einen frischen, unheimlich positiven Geist in die Küche getragen, der auch auf den Service ansteckend wirkt. Früher hatten wir Schwierigkeiten, richtig gute Leute für die Küche zu finden, dank Michael ist das nun ganz anders. Die «Bärenstobe» hat unter seiner Ägide einen grossen Schritt nach vorne gemacht. Das Menü bietet nun neben Finesse und exzellentem Handwerk auch Einblick in den kulinarischen Reichtum der Region. Es gibt Appenzeller Weiderind, Wachteleier aus Gonten, Ribelmais-Perlhuhn vom Alpstein und vieles mehr.

Seit ein paar Wochen wird in der «Bärenstobe» statt eines Pre-Desserts ein Shot serviert, der das Thema des Desserts aufgreift. So rücken Küche und Bar zusammen.
Genau! Unsere Bar, das «Botanicum», ist ja eine weitere grosse Attraktion, für die wir möglichst viele Geniesserinnen und Geniesser begeistern möchten. Elmir Medunjanin und sein Team mixen aus lokalen Zutaten die verrücktesten Drinks. Der Fokus auf das, was es um uns herum gibt, verbindet sie mit der Küche von Michael Gollenz.

Es geht im «Appenzeller Huus» aber ja längst nicht nur um Fine Dining. Auch die bodenständige Küche in der «Löwenstobe» ist sehr wichtig.
Die «Löwenstobe» ist unsere direkteste Verbindung zum Dorf. Man kann dort für 23 Franken Chäshörnli mit Appenzeller Käse, Röstzwiebeln und Apfelmus essen. Auch wenn mit dem «Huus Quell» nun ein 5-Sterne-Hotel zum Resort gehört, wollen wir für alle zugänglich sein und auf gar keinen Fall abgehoben wirken. Wir verstehen uns als Teil des Dorfs und werden von den Einheimischen zu meiner grossen Freude auch so wahrgenommen. Die Vereinigung «Zukunft Gonten» stiftet uns als Anerkennung in diesem Jahr die Weihnachtsbeleuchtung. Das berührt mich sehr!

Michael Gollenz, Küchenchef, Appenzeller Huus, 12. Mai 2026 und Inhaber Jan Schoch

Zwei, die sich verstehen: Jan Schoch hat in Michael Gollenz die ideale Besetzung für die Küche gefunden.

Wie neugierig sind die Menschen in der Region auf das «Huus Quell»?
Sehr neugierig! Wir sind nun zwar schon fast ein Jahr geöffnet, aber es kommen noch immer viele Einheimische vorbei, um sich alles anzusehen oder in der Bar etwas zu trinken.

Gonten liegt auf rund 900 Meter über Meer. Ein Standortvorteil in Zeiten mit so heissen Sommern?
Ich denke schon. Diesen Sommer war es bei uns oben konstant um die 5 Grad kühler als in den grossen Schweizer Städten. Man ist hier umgeben von viel frischer Luft. Und: Gonten ist ein Kraftort. Der Jakobsweg führt an unserem Resort vorbei.

Wie zufrieden sind Sie mit den Buchungen? 
Wir sind sehr gut im Fahrplan. Seit der Eröffnung des «Huus Quell» liegt die Auslastung zwischen 50 und 60 Prozent. Ich hatte mit 35 Prozent gerechnet. Auch in diesem Business geht nichts von heute auf morgen, umso glücklicher bin ich über das bisher Erreichte.

Was sind die nächsten Meilensteine?
Das erste der vier neuen Häuser, die neben dem «Huus Quell» entstehen, dürfte in drei Monaten bezugsbereit sein. Das letzte bis Mitte 2027. Mit den Häusern «Seealpsee», «Kronberg», «Himmelberg» und «Altenalp» erweitern wir unser Angebot um Serviced Apartments, welche die Besitzer auch als Suiten vermieten können, Ferienwohnungen und Festwohnsitze. Der Verkauf der Einheiten geht bestens voran, im «Seealpsee» sind alle Wohnungen verkauft, im «Altenalp» ist gerade noch eine frei.

Letzte Frage: Haben Sie eigentlich auch schon im «Huus Quell» übernachtet?
Natürlich! Und ich habe ausgezeichnet geschlafen. Das «Quell» ist ein Ort der Entschleunigung – und ideal für Digital Detox. Da es aus Holz gebaut ist, schirmt das Haus alle Strahlen von Handyantennen ab. Das WLAN in den Zimmern lässt sich per Knopfdruck ausschalten. Man ist also rundum geschützt vor jeglichem äusseren Einfluss.