Laura Schälchli von Slow Food Youth Schweiz mit La Flor und Sobre Mesa
Züri isst | Pascal Grob bloggt

Laura Schälchlis Hotspots in Zürich

Die Slow-Food-Botschafterin schwärmt vom Helvetiaplatz-Markt und zeigt Touristen den Vorderen Sternen.

12. April 2018

Einkaufstipp? Der Bachsermärt verkauft Produkte von Leuten, die ihr eigenes Ding durchziehen. Wie das geräucherte Fleisch von Patrick Marxer (Das Pure) oder die Milchprodukte von RegioFair, deren Quark mich immer wieder umhaut. Ich könnte in meinen Gedanken durch die Regale streifen und endlos Dinge aufzählen. Auch das Sortiment an Brot ist super: Es stammt von fünf verschiedenen Bäckereien. Ausserdem hat der Bachsermärt neben dem Tritt Käse einer der besten Käse-Theken in Zürich. Mir bereitet es manchmal Schwierigkeiten ein Lokal zu finden, das gute Produkte verwendet und für mich im bezahlbaren Rahmen bleibt. Deshalb kaufe ich grundsätzlich mehr ein und koche zuhause, als dass ich auswärts essen gehe.

Bachsermärt an der Kalkbreite in Zürich
Der Bachsermärt an der Kalkbreite verkauft Gemüse, Früchte und Kräuter in Bio- und Demeter-Qualität.

Lieblingsort? Mein «Hangout Spot» ist der Markt auf dem Helvetiaplatz. Im Unterschied zum Grosshändler wird er zu einem Teil deines sozialen Lebens. Ich treffe immer Leute, die ich bereits kenne, mache aber gleichzeitig auch immer wieder neue Bekanntschaften. Da ich Blumen in meinem Alltag als wichtig erachte, kaufe ich oft welche bei Isler aus dem Zürcher Oberland – sie verkaufen einheimische, selbstgezogene Blumen. Dieselbe Philosophie vertreten auch die Biobauern Dani und Judith Aebi, die vorallem aus eigener Zucht verkaufen – keine Zitronen.  Und natürlich liebe ich den Marktstand der Familie Fiechter, die jeweils freitags vor Ort sind.

 

Restaurant-Tipp? Marlene Halter hat den nötigen Respekt vor Tieren. Ich mag es, wie sie mit Tieren umgeht, das Fleisch verarbeitet und danach kocht mit ihrem simplen Kochstil. Dabei kommt in ihrem Restaurant Metzg an der Langstrasse auch das Gemüse nicht zu kurz. Oft kriegst du Fleisch in einem Restaurant und die Beilage wird zur Nebensache. Hier kriegen alle Zutaten dieselbe Aufmerksamkeit. Ich liebe die humoristischen Details wie die Hundeguetzli, die sie verkauft oder ihre Osterwürste, die sie mit unseren Kakao-Nibs von La Flor angereichert hat. Ausserdem finde ich die lockere Atmosphäre im Restaurant sehr ansprechend – vorallem abends. 

Aussenfassade der Restaurant Metzg von Marlene Halter an der Langstrasse in Zürich Kreis 4
Restaurant «Metzg» an der Langstrasse: Trotz Fokus auf Fleisch kommt hier auch das Gemüse nicht zu kurz.

Lieblingsimbiss? Wenn ich am Bellevue vorbeikomme, stellt sich mir immer die Frage, ob ich eine Bratwurst im Vorderer Sternen holen soll. Es geht mir dabei nicht um die Qualität der Bratwurst, sondern um das Gefühl an diesem Ort. Ich kann nie so genau bestimmen, was mich eigentlich daran fesselt. Aber genau das fasziniert mich in der Gastronomie: die unerklärliche Magie eines Lokals. Du sitzt neben Gymischülern, Touristen, Alkis, Leuten von der Goldküste – ich liebe diesen Mix. Hinzu kommt, dass Bratwürste und Cervelats unser einziger, traditioneller «Street Food» darstellen. Oft gehe ich mit Touristen dorthin, um ihnen danach das Altstadtquartier zu zeigen.

 

Gemütliches Café? Nach einem Besuch auf dem Helvetiaplatz-Markt schnappe ich mir meistens noch einen Kaffee in der naheliegenden Sport Bar. Cappuccino oder Cortado – eigentlich bestelle ich einfach einen Kaffee mit Milch und das Personal weiss zum Glück gleich, was sie mir servieren müssen. Dazu lese ich die Tageszeitung, weil ich selbst leider kein Abonnement besitze. Mein Lieblingsplatz befindet sich hinten an der Bar und stellt sowas wie mein Rückzugsort dar. Da hast du gute Aussicht auf den vorderen Teil des Lokals und die grossen Fenster, wo du die Leute vorbeigehen siehst. Wie auf dem Markt treffe ich auch hier oft auf Leute, die ich kenne.

 

>> Laura Schälchli ist Mitgründerin von Slow Food Youth Schweiz und veranstaltet mit «Sobre Mesa» Begegnungen rund um Essen und Trinken. Dazu gehören Marktbesuche auf dem Helvetiaplatz, Kurzlehrgänge über Wein oder Hülsenfrüchte und Pop-Ups wie «Libertine Kitchen». Nun widmet sie sich als Geschäftsführerin und Mitgründerin ihrem neusten Herzensprojekt: «La Flor» – einer Schokoladen-Manufaktur, die von der Bohne bis zur Tafel alles in Zürich verarbeitet. Erhältlich bei Berg und Tal, Bachser Märt, Schwarzenbach und online.