Das Seefeld wird jünger. Zumindest gastronomisch. Lange verliess sich das Quartier auf seine Klassiker und die Gäste, die seit Jahren aus der Nachbarschaft und vom See an dieselben Tische zurückkehren. Nun kommen Restaurants dazu, die ebenso selbstverständlich im Kreis 3 oder 4 stehen könnten. Der neuste Hotspot heisst «Chaat». Direkt an der Seefeldstrasse, wenige Schritte von der Tramhaltestelle Feldeggstrasse entfernt, gibt es indische Küche in einem angenehm ungezwungenen Rahmen. Ockerfarbene Wände, eine karierte Polsterbank mit blauen Kissen, dunkle Holzstühle. Über den kleinen Tischen hängt eine grosse geflochtene Leuchte, an den Wänden eine lose Sammlung gerahmter Bilder. Der lange Holztresen mit heller Steinplatte ist ebenfalls zum Essen gedeckt und bleibt frei für spontane Gäste ohne Reservation. Brockenhausfunde geben dem Raum etwas Wohnliches. Drei Köche aus Nordindien stehen am Herd, entsprechend liegt dort der Schwerpunkt der Karte. Sauber gekochte Klassiker, dazu ein paar eigene Ideen.

Chaat Zurich

Auch ohne Reservation: Der lange Holztresen ist zum Essen gedeckt und bleibt für spontane Gäste frei.

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Süss-salzig, herzhaft: «Rösti Chaat» mit Joghurt, Chutneys und Granatapfelkernen. Dahinter die «Yogurt Bombs».

Schon der Name macht Appetit. «Chaat» bezeichnet eine ganze Familie indischer Snacks. Der Name geht auf das Hindi-Verb «chaatna» zurück. Frei übersetzt: zum Fingerabschlecken. Bei diesen Gerichten kommen Süsse, Säure, Würze und unterschiedliche Texturen auf engem Raum zusammen. Etwa in den «Yogurt Bombs»: hohle, knusprige Teigkugeln mit gewürzten Kartoffeln, Kichererbsen, Joghurt sowie Tamarinden- und Minzchutney. Die Tamarinde bringt süssliche Säure, die Minze Frische, der Joghurt verbindet alles. Am besten verschwindet die ganze Kugel auf einmal im Mund. Die «Rösti Chaat» überträgt dieses Prinzip auf eine sehr vertraute Grundlage: goldbraune Rösti, darüber Joghurt, Chutneys, Masala-Gewürze und Granatapfelkerne. Süss-salzig, herzhaft, ein ausgesprochen guter Crossover. Dann übernimmt der Tandoor, der heisse indische Tonofen. Für das «Tandoori Chicken Tikka» werden ausgelöste Pouletstücke mit Joghurt und «Degi Mirch», rotem Chilipulver, mariniert und im Ofen geröstet. Die Lammkoteletts umhüllt eine dicke Marinade aus Joghurt, Ingwer, Knoblauch und Kashmir-Chili. Das Fleisch ist butterzart, die Marinade brennt an den Rändern leicht an und liefert so die erwünschten Röstaromen. Dazu Granatapfel-Raita, eine kühlende Joghurtsauce. Das Naan kommt aus demselben Ofen: frisch gebacken, nature, mit Butter, Knoblauchbutter oder Käse. Ein Brot, das man auch für die Currys aufsparen sollte.

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Kleine Schalen, die satt machen: «Butter Chicken» vorne, «Palak Paneer» und «Fish Moilee» dahinter.

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Alessio Feser und Zuri Min haben das «Chaat» im Zürcher Seefeld vor drei Monaten eröffnet.

Die kleinen Curryschalen sind eine optische Täuschung. Sie sehen nicht nach viel aus, machen dann aber gründlich satt. Ein Schälchen pro Person reicht als Hauptgang locker. Das «Old Delhi Butter Chicken» bleibt klassisch, schmeckt deutlicher nach Tomate als andere Varianten in der Stadt. Butter und Rahm geben der Sauce ihren herzhaften Charakter, «Kasoori Methi», getrocknete Bockshornkleeblätter, steuern eine herbwürzige Note bei. Das «Fish Moilee» führt aus dem Norden in den Süden Indiens. Der Kabeljau wird mit «Degi Mirch» und Salz mariniert und frittiert, bevor er in eine Sauce aus Kokosmilch, Curryblättern, Kurkuma, grünen Chilis und Tomaten kommt. Cremig, süsslich und etwas pikanter als die anderen Gerichte. Beim «Palak Paneer» steckt indischer Frischkäse in einer Spinatsauce mit Ingwer, Knoblauch, grüner Chili und Rahm. Hinter dem «Chaat» stehen Zuri Min und Alessio Feser, beide in Zürich aufgewachsen. Zuletzt lebten sie gemeinsam in Bangkok, wo Feser im Hotelbetrieb arbeitete. Nach ihrer Rückkehr in die Heimatstadt eröffneten sie ihr eigenes Restaurant. Er bringt Erfahrung aus Restaurants und Hotels mit, sie aus der Gestaltung von Gastronomieräumen und der Entwicklung von Restaurantkonzepten. Vermisst hatten sie in Zürich einen unkomplizierten Ort für die indische Küche, die sie lieben: vertraute Currys, dazu die kleinen Snacks, die sie auf Reisen entdeckt haben. Dazu passt die Weinkarte, die klassische Flaschen genauso ernst nimmt wie Naturwein. Wer Bekanntes sucht, findet etwas. Wer neugierig ist, auch.

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Ockerfarbene Wände, karierte Polsterbank und Brockenhausfunde: ein wohnliches Esszimmer an der Seefeldstrasse.

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Aus dem Tandoor: frisch gebackenes Naan, «Tandoori Chicken Tikka» und butterzarte Lammkoteletts.

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Kontakt
Chaat
Seefeldstrasse 96
8008 Zürich
chaat.ch
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Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag 12 bis 14 Uhr und 18 bis 22 Uhr
Samstag, 18 bis 22 Uhr

 

Preise 
Vorspeisen 10-24 CHF, Hauptgänge 28-42 CHF

 

Empfehlungen
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