Fotos: David Birri

26 Stühle & ein vierbeiniger Gast. Für die Winzerinnen und Winzer beginnt die Garden Party schon am Samstagabend. Mit einem freundschaftlichen Dinner, zu dem alle einen besonderen Tropfen von ihrem Gut mitgebracht haben, den es auch am Sonntag zu trinken gibt. Der «Tatort»: ein langer Tisch mit 26 Stühlen mitten in den Rebbergen oberhalb von Maienfeld. Die Gastgeber: Winzer Patrick Adank und Geny Hess, Präsident der GaultMillau-Weinjury. Alle Gäste werden lautstark begrüsst. Von Bella, Genys siebenjähriger Schweisshund-Dame. Bella hat eine bewegte Vergangenheit: Am GaultMillau-Golfturnier 2019 in Engelberg bekam sie einen gewaltigen Knochen geschenkt, das Bild sorgte auf dem GaultMillau Channel für Furore! Bild oben: Die Swiss Wine-Winzerinnen und Winzer die die Gäste an der Garden Party 2026 verwöhnten.

Winzer bei Patrick Adank.

Ein Prosit auf den Schweizer Wein: Die Winzerinnen und Winzer an der langen Tafel in Maienfeld.

Der Grill wird mit alten Rebstöcken eingefeuert. Nach einem erfrischenden Schluck «Adank Brut» grilliert Mathilde Hug vom Weingut Wegelin auf dem mit alten Rebstöcken eingefeuerten Green Egg «Rind pur»-Würste von der Metzgerei Kellenberger in Bad Ragaz und Pfirsiche für den Apéro. Kurz darauf machen Patrick und Geny mit grossen Silberplatten die Runde. Es gibt zweierlei geröstetes Brot – einmal mit Sardellenbutter, einmal mit den grillierten Pfirsichen, Gorgonzola dolce, Bündnerfleisch, gerösteten Haselnüssen und Rosmarin.

«Zücht wie a Schwii.» Mathilde und Rafael Hugs Beitrag zur Winzerparty im Rebberg: Frassa 2022. «Der Wein stammt von der kargeren und kühleren unser beiden Chardonnay-Lagen. In warmen Jahren wie 2022 spielt er seine Stärken voll aus», erklärt Rafael. Oder auf Bündner Dialekt: «Zücht wie a Schwii.» Das Weingut Wegelin ist zum zweiten Mal nach 2019 bei der Garden Party dabei, für Mathilde ist 2026 gleichwohl eine Premiere, sie wurde vor sieben Jahren Mutter. Ihr Mann sagt: «Die Garden Party ist genial für uns, auch weil wir so viele fantastische Schweizer Weine probieren können.» «Du musst dieses Jahr allein ausschenken, und ich mache die Runde», witzelt Mathilde.

Winzer bei Patrick Adank.

Am Fuss der Berge: Die Loaction des Dinners ist spektakulär.

Winzer bei Patrick Adank.

Weinexperte und Crack am Herd: Geny Hess in Aktion.

Winzer bei Patrick Adank. Melonen Gazapcho Aemmeshirmp

Vorspeise Nummer 2: Melonen-Gazpacho mit Aemme-Shrimps.

Räuschling, der Perfect Match zu Fisch. Alain Schwarzenbach vom gleichnamigen Weingut in Meilen am Zürichsee setzt auf Frische – mit dem Räuschling Seehalden 2024. Der saftige Weisse mit salziger Mineralität und straffer Struktur macht bei den sommerlichen Temperaturen richtig Spass! Und er ist ein super Match zu Fisch. «Jung würde ich ihn zu gebratenen Felchen servieren, wenn er fünf, sechs Jahre gereift ist, zu Seeforelle oder Lachs», erklärt Schwarzenbach. Da trifft es sich gut, dass Geny Hess und Patrick Adank als zweite Vorspeise confierten Lostallo-Lachs mit Beurre Blanc und Saiblingsrogen servieren.

Ein Chasselas mit unzähligen Facetten. Die Frau für den Chasselas heisst an diesem Wochenende Laura Paccot. «Unser Marchandes Elevage sur Lie 2022 repräsentiert das emblematische Terrain von Féchy. Er ist nicht mehr jung, aber auch nicht so alt wie man Chasselas bisweilen trinkt. Es geht hier noch mehr um den Ort als um die Rebsorte», erklärt die junge Winzerin von der Domaine La Colombe. «Dieser Wein lag ein wenig länger auf der Hefe, ist sehr komplex und lädt ein, all seine Facetten zu entdecken.»

Gwendolina Rampazzi und Ettore Biraghi

Stolz auf den Ascona Riserva – und das zu Recht: Guendalina Rampazzi, die Direktorin der Cantina alla Maggia, und ihr Chefönologe Ettore Biraghi.

Ein stolzer Merlot & Hirschbäggli aus Engelberg. Ettore Biraghi, das önologische Mastermind der Cantina alla Maggia, hätte zum Garden-Party-Termin eigentlich in den USA sein sollen, verschob seine Reise aber, um mit den Kolleginnen und Kollegen im Rebberg und mit der GaultMillau-Community im Grand Resort Bad Ragaz feiern zu können. «Es ist mir eine Ehre, hier zu sein», sagt er. Biraghi hat den Spitzenmerlot Ascona Riserva (Jahrgang 2021) mitgebracht. «Unsere beste Selektion. Ein Wein wie ein eleganter, natürlicher und stolzer Herr. Unsere ganze Leidenschaft fliesst in den Ascona Riserva.» Wein dieser Qualität verlangt nach einer Essensbegleitung aus der Champions League. Für die sorgt Geny Hess an der Winzerparty mit Engelberger Hirschbäggli an traumhafter Sauce. Dazu gibt’s Fläscher Polenta und Bundrüebli.

Sensationeller Syrah. Die Walliser Starwinzerin Valentina Andrei schenkt ihren Syrah 2024 aus. Der Wein bringt perfekt zum Ausdruck, wie die Meisterschülerin von Marie‑Thérèse Chappaz arbeitet: selektive Lese, natürliche Hefen, Ausbau im Fass. Er ist konzentriert, ebenso elegant wie vielschichtig in der Nase und am Gaumen kräftig, tanninreich, aber auch geschmeidig mit feiner Struktur. Kurzum: ein aufregender Tropfen, der mit rotem Fleisch und Grilladen wunderbar harmoniert.

Winzer bei Patrick Adank. Geny Hess und Patrick Adank

Die Gastgeber der Party vor der Party: Winzer Patrick Adank (r.) und Geny Hess, Präsident der GaultMillau-Weinjury.

Romanée-Conti? Jean-Pierre Pellegrin! Der Pinot Noir «P» Les Planay 2023 von Jean-Pierre Pellegrin aus Satigny schmeckt nicht nur aussergewöhnlich gut, sondern erzählt auch eine aussergewöhnliche Geschichte. Im Hitzesommer 2003 waren die beiden damaligen Önologen von Romanée-Conti bei Pellegrin zu Besuch. Fast alle Weinberge in der Region hatten schwer gelitten, doch der Genfer Winzer hatte Trauben einer noch aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg stammenden Selektion. Diese waren exzellent. Die Besucher animierten ihn, sie nach den Prinzipien von Romanée-Conti zu verarbeiten – ein voller Erfolg, Sieg beim Pinot-Noir-Cup inklusive! Der 2023er schreibt dieses Märchen fort, brilliert mit Ausdruck, Tiefe und Spannung.

Winzer bei Patrick Adank. - Jean-Pierre Pellegrin

Er macht einen der besten Pinots in Europa: Jean-Pierre Pellegrin aus Satigny bei Genf.

Der Kanton Neuenburg im Glas. Auch Charlotte Burgat von den Caves de Chambleau in Colombier hat einen Pinot Noir im Gepäck, den Pur Sang 2023. «Unser Spitzenwein hat uns über die Neuenburger Kantonsgrenzen hinaus bekannt gemacht. Die kleinen Trauben stammen von drei sehr kleinen Parzellen, die nahe beieinander liegen. Es sind Klone aus dem Burgund und aus Cortaillod am Neuenburgersee», erklärt sie. «Besonders ist auch die Vinifizierung, wir verwenden für den Pur Sang je nach Jahrgang zwischen 70 und 80 Prozent ganze Trauben.» Nach einem Jahr im Barrique entsteht ein komplexer, dichter, aber auch frischer Pinot, der Kraft und Finesse vereint.

Zapfenstreich vor Mitternacht. Um Punkt 23 Uhr ist Zapfenstreich an der Winzerparty. «So sind alle für die Garden Party topfit. An der ersten Auflage unseres Treffens vor fünf Jahren kamen einige erst gegen 4 Uhr morgens ins Bett, weil sie den Austausch unter Freunden – und den guten Wein – so sehr genossen», erklärt Geny Hess.

Martha und Daniel Gantenbein mit ihren Nachfolgern Andreas & Ulrike Hütwohl

Alles geregelt: Martha und Daniel Gantenbein (l.) stossen mit Ulrike und Andreas Hütwohl auf die Zukunft ihres Weinguts an.

Die Gantenbeins sind da! Und tatsächlich: Am grossen Garden-Party-Tag sind die Winzer taufrisch und bester Laune. Gut so! Sie haben alle Hände voll zu tun und sind die perfekten Botschafter für den Schweizer Wein. Die Gäste sind trotz tropischen Temperaturen heiss auf feine Schweizer Tropfen. Zwei ganz Grosse der hiesigen Wein-Szene ergänzen das Line-up: Martha und Daniel Gantenbein. Die beiden stehen zusammen mit Andreas und Ulrike Hütwohl am Stand. Aus gutem Grund: Das Paar aus der Pfalz ist nach Fläsch gezügelt, übernimmt immer mehr Verantwortung. Die Nachfolge ist geregelt. Für die Garden-Party-Gäste steht das Beste vom Besten bereit: Chardonnay und Pinot Noir, Jahrgang 2018.