Fotos: Alessia Rauseo
Im Schlaraffenland. An einem Tag bei zwei Dutzend Spitzenköchen (231 GaultMillau-Punkte) vorbeigehen und zum Schnäppchenpreis ihre Kreationen probieren, diese einmalige Chance bietet der Mercato del Gusto in Ascona seit nunmehr vier Jahren. Das hat sich herumgesprochen, entsprechend gross war der Publikumsandrang am Sonntag in den Terreni alla Maggia. Es kamen laut vorsichtiger Schätzung von «Terreni»-Chefin Guendalina Rampazzi 5000 Gäste. Neuer Rekord! Der 85 Hektaren grosse landwirtschaftliche Vorzeigebetrieb versorgt das Jahr über das benachbarte Castello del Sole und die Restaurants und Hotels der Luxus-Kollektion «The Living Circle» mit Getreide, Mais und Reis. Am Mercato del Gusto bot das idyllische Areal reichlich Platz für die Kochstationen der 21 Starchefs, 30 regionale Spezialitätenhändler und die Heerscharen Hungriger von nah und fern. «Die Tessiner sind sehr stolz auf ihre Produkte und ihre Küche, der Mercato wirkt da als Magnet», sagt Jürg Schmid. Der ehemalige Direktor von Schweiz Tourismus ist jetzt Präsident des Verwaltungsrates von «The Living Circle». Schmid war wie die meisten Gäste und auch «Living-Circle»-CEO Marco Zanolari einen der Strohhüte, die die 60 Helfenden als Sonnenschutz an die Leute verteilten. Am Regiepult des beeindruckenden Food-Happenings: Die «Castello del Sole»-Direktoren Simon & Gaby Jenny. Grosses Bild oben: Das gutgelaunte Team vom «Castello del Sole» um Starchef Mattias Roock (in Weiss) am Risotto-Stand.

Die gut geschützten Köpfe von «The Living Circle»: CEO Marco Zanolari (l.) und VRP Jürg Schmid.

Das Gastgeber-Trio: Guendalina Rampazzi, Direktorin «Terreni alla Maggia» (l.) mit dem Direktorenpaar vom «Castello del Sole», Simon und Gabriela Jenny.
In zwei Stunden «ausverkauft». Der Andrang der Foodies war nicht nur gross, sondern auch rasant. Um 13 Uhr, zwei Stunden nach Beginn der Open-Air-Party, waren die ersten Stationen ausverkauft. Zuerst leergefuttert war Arturo Fragnito vom «Meta» in Lugano (16 Punkte), sein Thunfisch mit grünem Apfel, Alge und Kaviar war der Publikumsliebling. Gleich danach war finito bei Marco Campanella vom «La Brezza» im Eden Roc, Ascona (19 Punkte). Er hatte 800 Portionen Tatar vom Holzen-Beef mit Tomaten-Variationen vorbereitet, um die sich das Publikum riss. «Jetzt habe ich einen Moment Zeit für meine Familie», freute sich der Chef und spazierte mit seiner Frau Sara und Tochter Enola davon. Als nächstes konnte Marco Veneruso vom «I Due Sud» im Splendide Hotel Lugano (16 Punkte) den Stand aufräumen. Sein Kabeljau mit Mandeln und Bärlauch war ein Hit.

Vom «Widder» in Zürich: asiatische Bao Buns mit Ente und Koriander aus dem «Soï28».

Tino Staub, «Boucherie AuGust», mit Fleischkäse und Pâtissière Irene Mason.

Irene Masons süsse Schnitte aus Vanille-Mousse, Aprikosen-Gelée und Honig-Espuma.
Schlange stehen für Schnäppchen-Teller. Der Eintritt zum Mercato war wie gewohnt gratis. Alle Teller bei allen Starchefs kosteten sieben Franken. Die Gäste kauften an den Eingängen Coupons, lange Schlangen liessen sich aber auch mit diesem bargeldlosen System nicht verhindern. Geduld brauchte es an den Stationen des «Widder»-Team aus Zürich um Chef Stefan Heilemann. Er servierte am Stand von «Soï28» Bao Buns mit Ente gefüllt und Koriandercreme getoppt. Bei André Siedl, Chefpatissier im «Widder», waren Waffeln mit Salzkaramell und Passionsfrucht im Angebot. Irene Mason hatte Süsses kredenzt, Vanille, Aprikose, Honig in Schnitten. Und Tino Staub von der Boucherie AuGust servierte den Signature Dish Fleischkäse! Rückstau gabs auch am Stand von Valentin Sträuli, dem Jung-Genie und Caminada-Alumni vom Igniv Andermatt (16 Punkte). Er hatte mit seiner Crew 550 Portionen eines coolen Kingfish-Ceviche mit Zwiebel, Rhabarber, Erdbeere und Rande vorbereitet, «ein One-Bite aus elf Komponenten. Das meiste am Morgen frisch zubereitet.» Viel Volk staute sich auch bei Kira Ghidoni, dem «New Kid on the Block» und GaultMillaus «Entdeckung des Jahres im Tessin», von der Osteria Bisnona in Contone (14 Punkte). Sie servierte gebratene Loto-Reis-Gnocchi mit Safran, Pilzen, einer Luganighetta-Creme und Sbrinz-Schaum. «Den Sbrinz habe ich von Res Gut von der Chieneren-Alp. Die telefonische Verständigung zwischen Nidwaldner Mundart und Italienisch war schwierig, aber ich wollte unbedingt seinen Käse – und habe ihn schlussendlich bekommen.»
Die coole Neue im Club: Kira Ghidoni von der «Osteria Bisnona» in Contone, mit Risotto-Gnocchi, Luganighetta-Sauce und Alpsbrinz-Schaum.
400 Kilo vom Risotto-Chef. Gedränge herrschte auch bei Local Hero Mattias Roock vom Castello del Sole (18 Punkte). Roocks Team hatte am Logenplatz im Baumschatten 400 Kilo Risotto, bildschön angerichtet in zwei 40-Kilo-Sbrinz-Laiben, parat, immer fein frisch zubereitet. «Ich bin der Einzige, der den Luxus einer Grossküche in der Hinterhand hat. So kann ich laufend liefern lassen.» Rund 1500 Portionen Loto-Risotto mit hauseigenem Yuzu-Essig und Kräutern aus dem Garten gingen von Roocks Station aus weg. Eine Portion der heimischen Spezialität – hier wächst der nördlichste Reis Europas, seit 29 Jahren – zubereitet vom Risotto-King, wollte sich niemand entgehen lassen. Auch nicht bei 33 Grad im Schatten.
www.thelivingcircle.ch
www.cantinaallamaggia.ch
www.castellodelsole.com


