«Ciao!» Die Meldung ist kurz und knapp: Unter dem Titel «Ciao» teilen die beiden Gastronomen Valentin Diem und Nenad Mlinarevic in ihrem Newsletter mit: «Das Kapitel SÜD geht zu Ende.» Noch bis Ende August wird das Restaurant im Südtrakt des Zürcher Hauptbahnhofs vom stadtbekannten Duo weiterbetrieben – «bevor wir das Restaurant SÜD ab September in neue Hände übergeben und es nahtlos von einem neuen Gastgeber weitergeführt wird.» Der neue Betreiber ist das Gastronomieunternehmen Candrian, das mit dem HB Zürich seit den 1980er Jahren eng verbunden ist und lange für das «Bahnhofbuffet» verantwortlich war. Die Familienfirma mit rund 1200 Angestellten betreibt eine Reihe von Restaurants sowie ein Catering und ist ausserdem am Swiss Deluxe Hotel Suvretta House in St. Moritz beteiligt. 

Brasserie Süd

Prestigeprojekt der SBB: die Brasserie SÜD kurz vor der Eröffnung im Dezember 2023.

«The Counter» bleibt. Wie Valentin Diem auf Anfrage mitteilt, werde das ganze Team vom «SÜD» durch die Candrian Gastronomie übernommen. «Es war uns wichtig, unsere Verantwortung gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wahr zu nehmen», sagt er. Ob Küchenchef Andrea Vailati in seiner Funktion bleibt, ist allerdings offen. Das 18-Punkte-Restaurant The Counter mit Küchenchef Mitja Birlo wird weiterhin von Valentin Diem und Nenad Mlinarevic betrieben. Zur Gruppe gehören ausserdem die Trattoria Neumarkt und die «Bauernschänke» im Niederdorf sowie die «Neue Taverne» auf der anderen Seite der Limmat. 

Mitja Birlo The Counter

Erfolgreich: Mitja Birlo führt «The Counter» (18 Punkte, zwei Sterne).

Andrea Vailati

Zukunft offen: Küchenchef Andrea Vailati («SÜD»).

Eine Nummer zu gross. Noch im Herbst 2025 hatten Diem und Mlinarevic mit einem neuen Konzept versucht, die Brasserie auf Erfolgskurs zu bringen. «Wir haben uns den Standort am Hauptbahnhof vielleicht etwas zu einfach vorgestellt», sagte Nenad Mlinarevic damals. Mit mediterraner Küche, Pasta und Chef Andrea Vailati sollte die Wende eingeleitet werden. Am Ende war das Projekt aber für ein junges Gastronomieunternehmen wohl eine Nummer zu gross.

Huptbahnhof Süd

An bester Lage: der Südtrakt des Zücher Hauptbahnhofs während der Bauphase 2023.

Risse in der SBB-Strategie. Mit dem Verkauf des «SÜD» an bester Lage zeigen sich auch erste Risse in der Strategie der SBB. Der aufwendig renovierte Südtrakt des Hauptbahnhofs sollte ab Ende 2023 mit jungen und angesagten Zürcher Gastronomen eine neue Ausstrahlung bekommen: statt «Nordsee» und «Burger King» lässige Bistro-Küche, Fried Chicken, Smash Burger und neapolitanische Pizza. Hinter vorgehaltener Hand bereuen einige der neu eingezogenen Restaurantbetreiber den Schritt in den Hauptbahnhof. Die strengen Vorgaben der SBB in Bezug auf die Öffnungszeiten in Kombination mit hohen Mietkosten und stark schwankenden Gästefrequenzen stellen die Jungunternehmer vor grosse Herausforderungen. Dass Valentin Diem und Nenad Mlinarevic jetzt die Konsequenzen gezogen haben, ist auch ein Signal dafür, dass das Konzept der Bundesbahnen nicht wie auf Schienen läuft.

Fotos: Lukas Lienhard, Olivia Pulver, HO


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