Fotos: Sedrik Nemeth
Vom Tellerwäscher zum Chef. Die kleinste Küche in Zermatt? Ein paar wenige Quadratmeter im malerischen Weiler «Zum See»! Mittendrin der Held des Bergrestaurants: Adelino Martins Pinto aus Portugal, seit 33 Jahren schon im Haus; seine rechte Hand Jorge bringt’s auch schon auf 23 Dienstjahre. Tellerwäscher-Karriere kann man wörtlich nehmen. Hausherr Markus Mennig: «Mein Vater Max hat ihm das Kochen beigebracht und jeden Gang auf unserer Karte erklärt. Adelino hat schnell gelernt, ist für uns längst unverzichtbar.» Stressresistent ist der stille Mann auch. Im Winter drängen schon mal 300 Gäste ins kultige Bergrestaurant. Adelino liefert. Schnell und auf gutem Niveau (14 GaultMillau-Punkte).
Der Mennig-Clan. Hinter der beeindruckenden Erfolgsgeschichte steht ein Familienclan: Die Mennigs. Max Mennig war Küchenchef im «Pollux», kriegte dann von Kult-Gastgeber Enzo Andreatta («Da Enzo», Ponte Brolla) den heissen Tipp: «Das Zum See ist zu haben.» Max und sein Frau Greti zogen Richtung Berg, übernahmen 1984 den Betrieb. Im Winter 2021 übernahmen Sohn Markus und seine Frau Marion. Sie kehrten aus New York zurück nach Zermatt. Keine Sehnsucht nach der grossen Welt? Markus Mennig: «Die Welt kommt zu uns. Wir haben interessante Gäste und nach der Wintersaison genügend Zeit, um zu reisen.» Manchmal leisten sie sich auch während der Saison ein paar Ferientage. Dann übernehmen Max und Greti («sie sind noch topfit») das Restaurant. «The Seniors are back» vermelden die Stammgäste aus Übersee unten im Dorf.

Der ganze Weiler ist eine Beiz! «Zum See», Top-Adresse oberhalb von Zermatt.

Freundliche Gastgeber mit eisernen Nerven: Markus & Marion Mennig.
Meergetier am Matterhorn. Wer erstmals hoch spaziert «Zum See» staunt, was da alles auf der Karte steht. Ganze Meerfische (Wolfsbarsch, Seezunge) werden an der Gräte gegart. Die Bouillabaisse ist ein Bestseller. Die Pasta (hausgemachte Tagliatelle mit Kalbsbolognese) ist erstklassig. Innereien (Milken, Nierli) haben einen Fixplatz auf der Karte. Die Logistik im Haus? Mennig bestellt, Bianchi liefert, pünktlich und zuverlässig. Morgens um 08.30 wird der Fisch unten in der Talstation auf einen uralten «Schilter» (Baujahr 1980) verladen, Mennig karrt ihn hoch auf den Berg. Dann übernimmt Chef Adelino.

Sommer-Vorspeise: Siedfleisch mit herzhafter Vinaigrette.

Die Tagliatelle sind hausgemacht. Mit Gambas & Zucchetti.

Das Signature Dessert «Zum See»: Die Kult-Crèmeschnitte.
Brennnesseln & Bio-Garten. Auch nicht gerade selbstverständlich: Die Mennigs jäten, wässern und ernten im eigenen Bio-Garten auf 1766 Metern über Meer! «Alle Salate sind von uns», sagt Marion Mennig stolz. Gezupft werden auch Brennnesseln, die rings um den Weiler wachsen: Adelino packt sie zusammen mit Ricotta in seinen Ravioliteig. Die Homemade-Tortelloni sind nicht die einzige Überraschung auf der Karte: Auch Wachteln werden ausgelöst, unaufgeregt gebraten und serviert. An der legendären Crèmeschnitte führt danach kein Weg vorbei. Adelino bereitet sie meterweise zu, bringt sie auch mit, wenn die Mennigs an Foodfestivals auftreten (etwa an der «Zermatt Kitchen Party vom 4. September). Marion Mennig: «Reisen wir ohne Crèmeschnitte an, sind die Gäste schwer enttäuscht.»
Held der Arbeit! Chef Adelino in der kleinsten Küche von Zermatt.
Das Swiss-Wine-Paradies. Beeindruckend ist im Bergrestaurant, gelegen zwischen den Flüssen Zmuttbach und Gornere, auch die Weinkarte. Star ist der Walliser Winzer Simon Maye. Von ihm gibt’s alle Rebsorten, in allen Formaten. Auch andere Schweizer Top-Winzer sind gut vertreten. «Zum See»-Besonderheit: Vor allem im Winter kreisen die Grossflaschen und carven die Gäste so spät wie möglich ins Tal. Übrigens: Auch die selbstgemachten, geschmacksintensiven Glacen sind prima. Die saftigen Aprikosen dazu hat Winzer Maye geerntet und hochgeschickt. Walliser halten zusammen.



