Gamper – Fussball für Leute, die heimlich lieber essen

Vom 9. Juni bis 12. September verwandelt sich das Restaurant Gamper während drei Monaten wieder in die «Wermuteria». «Die WM nicht schauen zu können, darf nicht der Grund sein, nicht zu kommen», sagt «Gamper»-Chef Marius Frehner. Also stellt er zwei Fernseher auf, die aber nicht das gesamte Lokal einnehmen. Einer hängt beim langen Tisch an der Wand, ein zweiter auf der anderen Seite des Lokals. Wer schauen will, schaut. Wer essen will, isst. Die Qualität des Essens bleibt «Gamper», auch wenn der Rahmen lockerer ist. Schön marmoriertes, knochengereiftes Côte de bœuf vom Grill. Ofenreis mit Tomaten, Artischockenherzen, Aubergine, grünen Bohnen und Peperoni – quasi eine Gemüseversion von «Arroz al horno». Dazu Tapas aus der Vitrine: Salzmandeln, Pan con tomate, Albondigas, geröstete Zucchini, Zwiebeln oder Gilda mit Guindilla, Sardellenfilet und Olive. Als WM-Special gibt es den «Coupe du monde», einen wechselnden Dessertcoupe. «Natürlich zeigen wir auch das Finale am Sonntag, 19. Juli», so Frehner.

Café Boy – zum glatten Köbi

Im «Café Boy» ist während der WM das Zürcher Kultformat «Zum glatten Köbi» zu Besuch. Gezeigt wird jedes Spiel, drinnen und draussen – für die Nachtspiele gibts im Keller auf Voranmeldung ebenfalls eine Lösung. «Wir haben insgesamt 19 Screens», sagt Luca Grandjean vom «Café Boy». Dazu kommen bei grösseren Anlässen eine grosse Bar draussen, Musik, Live-Bands und Künstlerinnen und Künstler, die die Fensterfronten bespielen. Auch technisch wird nichts dem Zufall überlassen: Die Verbindung läuft über Satellit und Glasfaser, mit Backup-System, falls etwas ausfällt, damit der Treffer nicht dreissig Sekunden später ankommt als der Jubel. Ums Essen kümmert sich das «Café Boy»-Team: Dirty Fries mit Pulled Pork oder vegetarisch. Dazu Hotdog deluxe, etwa mit Käsesauce, Jalapeño und Kimchi. Auch bei den Getränken wird nicht einfach Bier hingestellt und fertig: Es gibt eine Länderbier-Auswahl, die erstklassige Weinkarte bleibt vom «Café Boy» kuratiert. Von Montag bis Freitag läuft der Mittagstisch weiter, am Wochenende gibts ab 12 Uhr WM-Food.

Lindenhofkeller – WM trifft auf feinbürgerliche Küche

Der «Lindenhofkeller» ist nicht der erste Ort, den man mit Public Viewing in Verbindung bringen würde. Sebastian Rösch, gebürtiger Franke, kombiniert hier seine Herkunft mit Handwerk: bayrisch grundiert, aber nie schwerfällig, ausgezeichnet mit 16 GaultMillau-Punkten. «Wir machen die WM so, wie wir bei uns sonst die Champions-League-Abende machen», sagt Rösch. Die Fussballfans sitzen drinnen am Tresen, wer nicht wegen Fussball kommt und das normale Menü möchte, bekommt bei schönem Wetter einen Platz auf der Terrasse. Das Public-Viewing-Essen bleibt natürlich «Lindenhofkeller», nur etwas lockerer. «Mal gibt es Leberkässemmel, mal Brotzeit, mal Schnitzel oder unseren Wurstsalat», sagt Rösch. Letzterer ist ein Klassiker des Hauses. Wenn das Wetter kippt, verschiebt sich das Setup: draussen werden Schirme aufgespannt, der Fernseher steht dann draussen, alle anderen Gäste sitzen drinnen. Eine Reservation ist nicht zwingend nötig, spontane Besuche sind möglich. Auch spätere Spiele werden gezeigt, nur die Partien mitten in der Nacht nicht. Im Zweifel kurz anrufen.

Ziegelhütte – Copa im kleinen Idyll

Die «Ziegelhütte» ist eigentlich nicht ein Ort, sondern viele: Beiz, Buurestube, Terrasse, Biergarten, Kegelbahn, Paradiesli, Blumenwiese, Trinkhalle. Ein kleines Idyll am Stadtrand, das während der WM nicht zur Fanzone umgebaut wird, aber Fussball trotzdem ernst nimmt. «Welche Spiele laufen, steht auf unserer Website und wird laufend kommuniziert, am Spieltag jeweils auch morgens via Instagram. Grill und Bar öffnen ab 18 Uhr», sagt Geschäftsführer Andrea Pünchera. Geschaut wird dort, wo es zur Grösse des Spiels passt. Kleinere Partien laufen unten im Garten, Schweizer Spiele natürlich an mehreren Orten. Im Biergarten stehen Beamer und Fernseher, das Paradiesli bekommt ein kleines Zelt, dazu kommt das «Chiringuito», eine Gartenbar für bis 70 Leute. Nochmals 60 bis 80 finden im «Paradiesli» Platz, der Biergarten fasst deutlich mehr. Drinnen wird es eher festhüttenhaft. Draussen etwas entspannter und es riecht nach Grill: Bio-Burger und Würste von der Zürcher Metzgerei Reif in drei Varianten. Dazu hausgemachte Falafel im Pitabrot und Taboulé-Salat mit Feta. Ab zehn Personen lässt sich ein Tavolata-Menü für 50 Franken für den Tisch reservieren: Spareribs, Brisket, Tomaten-Bohnen-Salat, Quetschkartoffeln. In der Beiz herrscht währenddessen Normalbetrieb mit der regulären Karte, ohne Screens. Auch das ist eine gute Lösung: früh kommen und richtig essen, dann pünktlich zum Schweiz-Spiel rüber in den Biergarten.

169 West – WM-Corner für Naturwein-Fans

Das kleine Wein-Wohnzimmer beim Lochergut hat sich vom Insidertipp zum Quartiertreff entwickelt, ohne seinen entspannten Charakter zu verlieren. Die Weinkarte gehört zu den spannenderen der Stadt: kleine Weingüter, naturbelassene Tropfen, laufend wechselnd auch im Offenausschank. Bei Espresso und Cappuccino gilt derselbe Anspruch, mit Spezialitätenkaffee, der Herkunft und Charakter in den Vordergrund rückt. Dazu gibt es kleine Happen: Kimchi-Käse- oder Coppa-Toast, Croissants und Bananenkuchen von «Boma». Für die WM richtet Inhaber Kai Keong keinen grossen Fanbereich ein, sondern eine kleine Lösung, die zum Lokal passt. «Es gibt eine Mini-WM-Corner auf der Terrasse, wo wir die Spiele auf der Haslerstrassen-Seite zeigen», sagt Keong. «Die Weststrassen-Seite bleibt WM-frei. So können jene schauen, die schauen wollen, und jene, die lieber nicht wollen, haben weiterhin einen Platz wie gewohnt.»

169 West

Vor dem «169 West» an der Haslerstrasse: kleine Terrasse, ruhiger Apéro – und während der WM eine Mini-Corner für Fussballfans.

Bunzai – Smashburger statt Stadionwurst

Auch bei Zürichs bestem Smashburger lassen sich die WM-Spiele verfolgen. Mao Heng stellt in seinem Lokal am Lochergut einen Fernseher auf, das Menü bleibt wie gewohnt. Wer die «Bunzai»-Burger kennt, weiss: Die Fleischportion ist grosszügig, das Verhältnis stimmt schon in einfacher Ausführung, während andere Smashburger erst als Doppeldecker funktionieren. Dazu das Bun, der heimliche Star: fluffig, leicht, aber stabil genug, um alles zusammenzuhalten. Die Klassiker der Karte: Der «Classic» kommt mit Salat, Tomate und «Secret Sauce», der «Bibimchi» mit koreanischem Speck, Kimchi und Gochujang-Mayonnaise. Ein Geheimtipp ist der «Oklahoma»: hauchdünn geschnittene Zwiebeln, die direkt auf die heisse Kochplatte gepresst werden und geschmacklich mit dem Fleisch verschmelzen. Um das Menü zu vervollständigen: Smashed Potatoes statt Tiefkühlpommes, hausgemachtes Craft-Cola aus über zehn Gewürzen, ein Bier oder ein Glas Wein aus dem Offenausschank.

Fotos: Pascal Grob, Adrian Bretscher, Lukas Lienhard, Clara Neugebauer, Handout