Das «Zebra Bistro» ist eine Quartierbeiz, wie sie in Zürich selten geworden ist. Ein Ort ohne Lärm und ohne das Bedürfnis, sich erklären zu müssen. Ein Raum ohne visuelle Ablenkung: Warmes Licht, Holztäfelung in Salbeigrün, gefleckter Steinboden, ein Holztresen mit Marmorplatte, der das spontane Abendessen gerne um ein Glas verlängert. Dazu eine stilisierte, pink-grasgrüne Auster sowie eine skizzenhafte, gerahmte Apéro-Szene an der Wand. Draussen leuchtet «Zebra» als rote Neonschrift in Grossbuchstaben. Drinnen verspricht die übersichtliche Menükarte Qualität vor Quantität. Französische Bistroküche als Grundlage, Produkte aus der Umgebung, oft auch vom Markt am Helvetiaplatz ums Eck. In der Küche wird nichts abgekürzt, nichts beschönigt. Was hier überzeugt, ist die Ruhe und Präzision, mit der das junge, ambitionierte Küchenteam seine Teller präsentiert. Als wüsste es, dass gute Gerichte auch ohne Tamtam auskommen. Das kürzlich eröffnete «Zebra Bistro» fühlt sich nicht neu an – und genau darin liegt der Reiz des Lokals vis-à-vis der Bäckeranlage.

Das kürzlich neu eröffnete «Zebra Bistro» befindet sich vis-à-vis der Zürcher Bäckeranlage.

Französische Bistroküche ist die Grundlage: Nüsslisalat mit Blumenkohlpüree, Rindstatar mit Sauce hollandaise und pochiertes Entenei in einer Velouté.
Die Karte ist klassisch aufgebaut. Drei Vorspeisen, etwa ebenso vielen Hauptgänge – kein Sharing-Konzept. Zum Start ein Bio-Nüsslisalat mit Kürbiskernen an einer Verjus-Vinaigrette, hochgeschichtet auf einem cremigen, herzhaften Blumenkohlpüree. Das Rindstatar kommt vom Omoserind von «Jumi», fein geschnitten, darauf eine Sauce hollandaise und karamellisierte Eschalotten, die etwas Süsse beisteuern. Das pochierte Entenei von der Entlebucher Alp liegt in einem Velouté aus saisonalem Wurzelgemüse und Pilzen, ein paar Croutons setzen den Kontrast. Auch bei den Hauptgerichten bleibt die «Zebra»-Küche ihrer französischen Linie treu. Bœuf bourguignon, wie es sein soll, butterzart, dunkel, dicht und konzentriert, klassisch mit Kartoffelstock. Oder Choux farci mit Bio-Alpschwein, begleitet von cremiger Polenta und überzogen von einer Tomatencreme, die das Gericht nicht fotogener macht, aber schmackhafter.

Bœuf bourguignon, wie es sein soll: butterzart, dunkel, dicht und konzentriert mit Kartoffelstock.

Team «Zebra Bistro»: Melih Akyildiz, Mino Luck, Laura Meister, Sédona Theillaud, Julia Lerch, Thomas Zollinger und Alban Muret (v.l.).
Aufzuhören wäre nun möglich. Empfohlen ist es nicht. Das erstklassige Millefeuille besteht aus hausgemachtem Blätterteig, geschichtet mit Crème pâtissière und getoppt mit karamellisierten Walnüssen. Der gebackene Apfel, im Ofen immer wieder mit Butter und Karamell bestrichen, kommt auf hausgemachtem Brioche, begleitet von Heidelbeerkompott und Crème chantilly. Das alles passiert nicht aus Versehen. Diese Geradlinigkeit hat zwei Namen. Melih Akyildiz kochte mehrere Jahre in der «Bärengasse», danach in den Restaurants «Drei Stuben» und «Helvetia». Kürzlich half er Jungstar Esu Lee bei der Eröffnung von dessen Restaurant Orson in Paris, bevor er als Küchenchef ins Zebra Bistro kam. Seine Souschefin heisst Julia Lerch. Sie begann ihre Lehre im «Spitz» und schloss sie im «Gamper» ab. Danach folgten Stationen im «555+», bei Rebecca Clopath und Dominik Flammer sowie ein Auslandspraktikum in Bangkok. Zwei Laufbahnen, die zusammenfinden – und eine Küche, die davon profitiert.

Ein Holztresen mit Marmorplatte bietet Platz für ein spontanes Abendessen, das sich gerne um ein Glas verlängern kann.

Erstklassiges Dessert: Millefeuille aus hausgemachtem Blätterteig mit Crème pâtissière und karamellisierten Walnüssen.
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Kontakt
Zebra Bistro
Stauffacherstrasse 147
8004 Zürich
Tel. +41 77 401 96 13
zebra-bistro.ch
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Öffnungszeiten
Dienstag und Samstag, 17 bis 23 Uhr
Preise
Vorspeisen 17-22 CHF, Hauptgerichte 35-39 CHF, Desserts 15-16 CHF
Empfehlungen
Salade croquante, Œuf poché, Bœuf bourguignon, Millefeuille


