Murphy’s Coffee – Verschnaufpause am Triemli

Das Triemli war nie ein Ort, wo man guten Kaffee erwartet hat. Spital, Endstation, Bus, Tram, Pendlerinnen, Wege nach oben auf den Üetliberg und wieder zurück. Dazwischen dieses kleine Häuschen aus den Siebzigern mit Glasfronten, grauem Rahmen, Blick auf Gleise und Bäume. Jetzt steht Dennis Cobarrubias darin und macht Kaffee – mit mehr Herzblut, als viele grosse Cafés auf doppelt so viel Fläche unterbringen. Cobarrubias kommt auch von der Barseite. Vor rund fünfzehn Jahren arbeitete er im «La Stanza», später als Barista im Schwarzenbach im Niederdorf, danach eröffnete er «Robin’s Coffee». Beim «Murphy's» wollte er wieder näher dran sein bei Ort und Gast. Er setzt auf lokale Röstereien wie «Balloon» oder «Aila» aus Zürich, mal darüber hinaus. Klassisch und zugänglich auf der einen Seite, fruchtig und modern auf der anderen. Filterkaffee kommt dank automatisierter Brühmaschine zügig über die Theke. Dazu gibts Brot, Gipfeli, Bananenbrot und Früchtebrötli von «Stadt Land Brot».

Juni & Mops – Kaffee aus dem Tramhäuschen

Zwei Kaffeefenster, zwei Wartehäuschen, ein Prinzip: Zürich wartet nicht mehr nur aufs Tram, sondern bestellt noch kurz einen Cortado to-go. «Juni» sitzt direkt am Paradeplatz, wo früher ein Kiosk war. Rechts die VBZ-Tür, links Kartons, in der Mitte La Marzocco, Becherstapel, Pick-up-Schild. Kein Café zum Verweilen, sondern ein Kaffeefenster, das gut zu diesem Platz passt, wo niemand wirklich lange herumsteht. Auch das «Mops» beim Kunsthaus hat diesen Charakter: ein altes Wartehäuschen mit Schieferdach, Uhr im Giebel, Säulen und dunklem Holz. Hinter den beiden Orten stehen This Schälchli und Sheila Lopardo. Er führt seit bald vier Jahren das «Hegifret» am Hegibachplatz, sie prägte früher die «Acid Bar» an der Langstrasse und betreibt heute mit dem «Nude» eines der schönsten Sommeridyllen Zürichs direkt an der Limmat. In die Mühle kommt Kaffee von Dritta, single origin, für Spezialitätenkaffee-Fans eher dunkel geröstet, aber ohne die verbrannten Röstaromen, die viele Espressi ruinieren. Dazu heisse Schoggi von «La Flor», Matcha, Dirty Chai, Cold Brew, Mango-Matcha-Latte. Nicht verpassen: den «Tiramisu Crunch» – Cookie, kalter Milchschaum, Espresso, Kakaopulver. Etwas kleines Süsses zum Zvieri. Das Gebäck kommt aus der eigenen Bäckerei «Stadt Land Brot» in Egg ZH hinter der Forch. Dort arbeiten mit Jens Schawaller und Lucas zwei frühere John-Baker-Leute mit viel Know-how.

Mame Gertrud – fast zu gut für eine kurze Pause

Eigentlich passt die neue «Mame»-Filiale an der Gertrudstrasse nur halb in diese Liste – weil der Kaffee zu gut ist, um ihn bloss im Vorbeigehen zu trinken. Das Lokal unweit des Locherguts wirkt hell und ruhig: Holzstühle mit runden Lehnen, eine lange Bar, helle Wände, Holzpaneele an der Decke, dazu diese leuchtenden Schlaufenlampen. In der Mitte steht die Filterbar und wird zur Bühne. Hinter «Mame» stehen Emi Fukahori und Mathieu Theis – zwei Namen, die in der internationalen Kaffeeszene Gewicht haben. Sie ist Weltmeisterin im «Brewers Cup», er erreichte den dritten Platz der Barista-Weltmeisterschaft. Der Kaffee ist aber auch grosse Klasse, wenn die beiden nicht selbst hinter der Bar stehen: «Mame» röstet selbst, kauft herausragende Rohkaffees ein und brüht ausschliesslich eigene Bohnen. Nach oben gibt es fast kein Limit: Auf der Karte stehen teils «Competition»-Filterkaffees für bis zu 100 Franken pro Tasse. Wer will, kann auch gleich ein Päckchen Bohnen mit nach Hause nehmen.

Another – Café mit Concept-Store-Charakter

An der Feldstrasse, nahe Bäckeranlage, liegt das Café hinter einer Altbaufassade mit rosa Markise und orangem Schriftzug auf dem Fenster. Draussen Schatten von Bäumen, drinnen weisse Wände, warme Lampen, Chrom, Beton, zwei türkise Spaghetti-Stühle und eine Theke, die eher nach kleinem Concept Store aussieht als nach klassischem Café. Ein paar Sitzplätze, ein Regal mit Bohnen, Kaffee-Equipment für ambitionierte Heimbaristas. Dahinter stehen Gianmarco Flace und Melih Celik, der mit «Coffee Addict» am Stauffacher bereits eine verlässliche Adresse für Spezialitätenkaffee betreibt. Im «Another» ist alles etwas verspielter. Die Espressogetränke basieren auf Kaffeebohnen der Zürcher Rösterei Aila: Cortado, Cappuccino, Flat White, Americano. Darunter Matcha Latte, Mokka, Kakao. Für Filter stehen auch internationale Röstereien zur Auswahl wie La Cabra, Nomad oder Tanat. Dazu kommt Feingebäck von «Le Petit Marais».

Miró Kreuzplatz – grünes Licht für Spezialitätenkaffee

Am Kreuzplatz hat Zürich nun ein grünes Kaffeefenster: eine leuchtende Fläche im alten Tramhäuschen, eingerahmt von Holz, Plakaten und Stein. Draussen warten Leute aufs Tram, drinnen stehen Bohnen, Gebäck und Maschine in einer hübschen Anordnung, die typisch nach «Miró» aussieht, auch wenn der Raum kaum grösser ist als eine Garderobe. Daniel und David Sanchez haben «Miró» von einem mobilen Stand vor der ETH zu einer festen Grösse der Zürcher Kaffeeszene gemacht. Das Flagship an der Brauerstrasse bei der Bäckeranlage, wo Kaffee und eigene Rösterei unter einem Dach zusammenfinden, bildet das Herzstück. Heute beliefert «Miró» zahlreiche Gastrobetriebe, betreibt Standorte am Zürcher Hauptbahnhof und ist dank Partnerschaft mit Swiss sogar in der Luft angekommen. An allen Standorten gibts hausgemachtes Gebäck aus der Produktion an der Brauerstrasse: Marble Cake, Coffee Cake, Bananenbrot, Cookies, Brownies.