Lange hat sich eine Neueröffnung in Zürich nicht mehr so schnell so richtig angefühlt. Das «Et cetera» an der Ecke Berta- und Goldbrunnenstrasse ist gerade mal eine Woche offen, wirkt aber schon jetzt, als hätte nicht nur das Quartier auf diesen Ort gewartet: Ein helles Lokal mit viel Holz, hohen Fenstern, warmen Wandlampen, Vintage-Stühlen von Børge Mogensen und einer Terrasse unter der Glyzinie, die den Sommer schon mal anteasern. Mittwochs bis sonntags öffnet das «Et cetera» um neun Uhr morgens und bleibt bis spätabends eine Adresse für fast jede Tageszeit. Kaffee, Zmorge, Zmittag, Apéro, Znacht, Absacker. Ein Tag, viele Gründe, immer wieder aufzutauchen – und zum Schluss länger sitzen zu bleiben, als geplant. Was auf dem Teller landet, ist sorgfältiger zubereitet und abgeschmeckt, als die unaufgeregte Menükarte suggeriert. In Zürich eröffnen viele neue Lokale. Viele wollen gleich szenig sein. Das «Et cetera» hat andere Stärken, ist ruhig, klar, unkompliziert. Nichts wirkt gesucht, vieles selbstverständlich – und genau darin liegt seine Qualität. Ein neuer Ort, der sich nicht neu anfühlt.

Et cetera Zurich

Das «Et cetera» besticht durch viel Holz, hohen Fenstern, warmen Wandlampen und Vintage-Stühlen von Børge Mogensen.

Et cetera Zurich

Funktionieren als Snacks oder Vorspeise: grillierte Peperoni mit Twarog und Linsenhummus oder Caponata mit Stracciatella.

Die Küche im «Et cetera» beginnt dort, wo gute Küche beginnen sollte: bei guten Zutaten. Keine Selbstverständlichkeit in Zürich. Das zeigt sich bereits beim Sauerteigbrot aus einem Mehlmix der Altbachmühle im Fricktal, das als Snack mit aufgeschlagener Butter auf den Tisch kommt – und zu allem passt, was danach folgt. Ein simpler Frühlingssalat mit geraffeltem «Après Soleil» von Jumi und Birnel-Vinaigrette, eine Caponata mit Aubergine, San-Marzano-Tomaten, Stracciatella, Bärlauch- und Chiliöl. Dann die grillierten Peperoni auf Linsenhummus: süss, rauchig, hübsch angerichtet mit hausgemachtem Twarog – einem polnischen Frischkäse – und Peperoniöl, das den Geschmack nochmals intensiviert. Eines dieser Gerichte, das mehr Tiefgang zeigt als erwartet. Dasselbe gilt für die Schweineschulter von «Das Fleisch». Auf der Karte werden bloss die Zutaten gelistet. Auf dem Teller landet eine mit Anis, Fenchel, Koriander marinierte und auf dem Grill mit Molke glasierte Schulter. Bärlauch-Mayonnaise, Sauerampfer und fermentierter Bärlauch setzen den Kontrast. Die grillierten Kartoffeln mit geräucherter Butter und Kartoffelschaum aus Molke und Buttermilch sind die ideale Beilage, funktionieren aber auch solo wunderbar.

Et cetera Zurich

Gerichte, die mehr Tiefgang zeigen als erwartet: Schweinsschulter mit Bärlauch-Mayonnaise und grillierte Kartoffeln mit geräucherter Butter und Kartoffelschaum.

Et cetera Zurich Lea Hürlimann Aurelia Stirnimann & Maria Horwaska

Die «Et cetera»-Crew: Mitinhaberinnen Aurelia Stirnimann und Lea Hürlimann mit Küchenchefin Maria Horwaska (v.l.).

Dass im «Et cetera» alles so selbstverständlich wirkt, kommt nicht von ungefähr. Dahinter stehen Aurelia Stirnimann und Lea Hürlimann, die zwei Saisons lang in der Casa Alpina Belvedere auf der Alp Grüm gezeigt haben, was es bedeutet, mit wenig viel zu machen: konsequent regional, reduziert, produktfokussiert. Diese Haltung zieht sich durch die ganze Karte, vom Znacht bis zum Zmorgen: Granola mit Rhabarberkompott, eine Omelette mit Mangold, Sauerteigbrot mit aufgeschlagener Butter, Käse, Konfi und Wachsei oder getoasteter Zopf mit Stracciatella, Aubergine und Tomaten. In der Küche steht Maria Horwaska, die aus einer Familie kommt, in der Essen immer eine zentrale Rolle spielte: der Grossvater mit eigenem Hof, der Onkel Käser, Wildgerichte für grosse Familienrunden am Wochenende. Ursprünglich als Grafikerin ausgebildet, hat sie über Umwege in die Küche gefunden, zuletzt mit Stationen im «Gül», «Char» und bei der «Collective Bakery». Man merkt schnell, dass hier jemand kocht, der Produkte versteht – und weiss, was möglich ist in einer kleinen Küche. Aus diesem Mix entsteht im «Et cetera» eine ruhige, aber bestimmte Art, die sich nicht erklären muss.

Et cetera Zurich

Das Lokal an der Ecke Berta- und Goldbrunnenstrasse in Zürich-Wiedikon strahlt eine warme, ruhige und unkomplizierte Atmosphäre aus.

Et cetera Zurich

Unter dem grillierten Kohlblatt verstecken sich Austernseitlinge und ein vegetarischer Jus aus Lauch, Karotten, Zwiebeln und weiteren Pilzen.

 

Kontakt
Et cetera
Bertastrasse 76
8003 Zürich
etcetera.ch
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Öffnungszeiten
Mittwoch und Donnerstag, 9 bis 22 Uhr
Freitag, 9 bis 23 Uhr
Samstag, 10 bis 23 Uhr
Sonntag, 10 bis 18 Uhr

 

Preise 
Vorspeisen 9-16 CHF, Hauptgerichte 18-25 CHF, Desserts 12 CHF

 

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