Cafe Boy
Züri isst | Pascal Grob bloggt

Cafe Boy: Unkomplizierte Küche, gutes Niveau

Das Restaurant beim Lochergut überzeugt mit einer gutbürgerlichen Küche und spannenden Weinen.

26. April 2017

In Zeiten, wo «Street Food», «Pop-Up» und «New Nordic Cuisine» in aller «Foodie»-Munde sind, erscheinen gutbürgerliche Schweizer Spezialitäten wie ein Relikt aus der Vergangenheit. Leider. Doch das Cafe Boy an der Kochstrasse im Zürcher Kreis 4 ist ein willkommener Lichtblick. Seine unkomplizierte Küche agiert auf sehr gutem Niveau und kommt weder altbacken noch langweilig daher. Der erste Happen der perfekt geschmorten Lammhaxe ist wie die Begegnung mit einem in dieser Stadt verloren geglaubten Freund.

Stefan Iseli

Stefan Iseli

Gedeckter Tisch im Cafe Boy

Gedeckter Tisch im Cafe Boy

Das Cafe Boy im Quartier zwischen Bullingerplatz und Lochergut ist für alle da: Es eignet sich gleichermassen für ein Tête-à-Tête, den Business-Lunch, oder das Abendessen mit der ganzen Familie inklusive Grosseltern. Die Aufgabenverteilung im Restaurant ist klar: Jann Hoffmann steht am Herd, während Stefan Iseli edle Tropfen auftischt. Iselis Wein-Auswahl ist stets spannend: Gerne überrascht er seine Gäste mit einem Wein aus Moldawien, nimmt ihnen die Angst vor Naturweinen, oder denkt sich spontan eine Weinbegleitung für die «Küchen-Es(s)kapade» aus, das Menü mit drei Überraschungs-Gängen. Hoffmann und Iseli sind ein eingespieltes Duo und kennen sich gegenseitig bereits länger als ihre Ehefrauen.

Grüne Spargeln, Romesco und Frühlingssalat im Cafe Boy
Carne Cruda, Kalbsmilken-Knusperli, Eschalotten, Mönchsbart im Cafe Boy
Grüne Spargeln, Romesco und Frühlingssalat im Cafe Boy
Carne Cruda, Kalbsmilken-Knusperli, Eschalotten, Mönchsbart im Cafe Boy
Grüne Spargeln, Romesco und Frühlingssalat im Cafe Boy
Carne Cruda, Kalbsmilken-Knusperli, Eschalotten, Mönchsbart im Cafe Boy
Grüne Spargeln, Romesco und Frühlingssalat im Cafe Boy
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Carne Cruda, Kalbsmilken-Knusperli, Eschalotten, Mönchsbart

Der Einstieg in die Frühlingskarte machen gebratene grüne Spargeln an einer Umami-reichen Romesco mit Frühlingssalat und Carne Cruda mit in Panko panierten Kalbsmilken-Knusperli, gebratenen Eschalotten und Mönchsbart. Panko ist japanisches Paniermehl – flockiger und grober als das hier übliche – womit die frittierte Aussenschicht noch knuspriger wird. Eine simple Küche mit hochwertigen Grundzutaten und sorgfältiger Zubereitung ohne jegliche Effekthascherei.

Koch Jann Hoffmann im Cafe Boy

Jann Hoffmann

Der Toggenburger Metzger Urs Widmer aus dem Lichtensteig SG ist Hoffmanns Metzger des Vertrauens. Sein Fleisch ist auf der Speisekarte gleich mehrfach vertreten. Der Räucherspeck ist ein Traum. Die bereits erwähnte Lammhaxe an kräftigem Portweinjus mit Frühlingsgemüse ebenso. Ohne Widerstand gleitet mein Messer hindurch. Dem ganzen Gericht verleiht der dazu gereichte Feta-Couscous eine schöne Balance mit seiner luftigen Textur und dezenten Säure.

Lammhaxe an Portwein-Jus mit Frühlingsgemüse im Cafe Boy

Lammhaxe an Portweinjus, Frühlingsgemüse

Lammhackbraten an Portwein-Rahmsauce mit Bärlauch-Magerquark-Spätzli und Ingwer-Karotten im Cafe Boy

Kalbshackbraten an Portwein-Rahmsauce, Bärlauch-Magerquark-Spätzli, Ingwer-Karotten im Cafe Boy

Dann gibt es noch einen Schweizer-Klassiker schlechthin: Hackbraten. Jeder kennt ihn und hat einen eigenen Favoriten. Dieser saftige Kalbshackbraten an Sherry-Rahmsauce mit Magerquark-Spätzli und Ingwer-Butter-Karotten gehört zu den besten Exemplaren, die mir je unter das Messer geraten sind. Und mit Gerichten wie diesen, lässt das Cafe Boy jede noch so eingerostete Liebe zur gutbürgerlichen Küche wieder neu entfachen.

 

Kontakt
Cafe Boy
Kochstrasse 2
8004 Zürich
http://www.cafeboy.ch/
Auf Google Maps anzeigen

 

Infos
Montag bis Freitag, 11.30 bis 14.00 Uhr und 18.00 bis 00.30 Uhr
13 GaultMillau-Punkte (zur Restaurantkritik)

 

Preise
Vorspeisen 10.50 bis 22.50 CHF, Hauptspeisen 24.50 bis 54 CHF 

 

Empfehlungen
Toggenburger Kalbshackbraten, Lammhaxe, Morchelflan, Bergkartoffel-Gnocchi