Letzte Runde. Seit April betreiben Nushin Coste, Ludvid Markaj und Luca Grandjean das traditionsreiche Café Boy im Kreis 4 als sechsmonatige Zwischennutzung. Coste führt das «Café du Bonheur», Markaj gleich nebenan den Quartierladen «Zio». Gastro-Unternehmer Grandjean hatte davor ein Pop-up in St. Moritz beendet. Aus einer dauerhaften Übernahme wird aber nichts: «Mit den Vermietern haben wir leider keine Einigung für eine Weiterführung gefunden», sagt Grandjean. «Für uns ist Ende September deshalb finito.» Statt den Betrieb langsam auslaufen zu lassen, macht das Trio aus den letzten zweieinhalb Monaten ein wechselndes Gastspielprogramm. Freunde, Chefs und alte Bekannte übernehmen für einige Tage die Küche. Daneben sind kleinere, kurzfristig angekündigte Veranstaltungen geplant.
Sie betreiben noch bis Ende September das «Café Boy»: Luca Grandjean, Ludvid Markaj und Nushin Coste (v.l.).
Jana & Friends. Den Auftakt macht Jana Heinichen, die vom 23. bis 31. Juli neun Tage am Stück kocht: vietnamesische Klassiker als persönliche Bistroküche. Die Bernerin mit vietnamesischen Wurzeln arbeitete im «Verena» in Olten und bei «Gül», bevor sie in der Pariser Naturweinbar «Chop Chop» erstmals unter eigenem Namen auftrat. Im «Café Boy» plant sie ein Comeback der Pho-Wantans. «Für meine Variante der Nudelsuppe habe ich mich von Tortellini in brodo inspirieren lassen», sagt Heinichen. Die Brühe köchelt klassisch mit Siedfleisch, Rindsmarkbein und Gewürzen; statt Reisnudeln schwimmen mit Rindfleisch und Suppeneinlage gefüllte Wantans darin. Ausserdem auf dem Menü: Tomatentarte mit vietnamesischer Chimichurri, Sommersalat mit Kokos-Dressing, «Bánh cuốn», Maispuffer mit Pfeffer-Chili-Glasur sowie Güggeli vom Grill mit Saté-Marinade und Pommes allumettes. Rundherum läuft «Jana & Friends»: Am Donnerstag schenkt «The Bottle Shop» seltene Weine glasweise aus. Am Samstag folgt ab 14 Uhr in Kollaboration mit «Action Burger» ein «Bánh mì»-Burger mit Doppel-Patty, Schweinebauch, Paté, Butter-Mayonnaise, Pickles und Kräutern. Am Sonntag backt Heinichen mit «Chateau Marinara» Detroit-Pizza mit wechselnden Belägen.
Die Bernerin mit vietnamesischen Wurzeln arbeitete im «Verena» in Olten und bei «Gül», bevor sie in der Pariser Naturweinbar «Chop Chop» erstmals unter eigenem Namen auftrat.
Café-Boy-Originalbesetzung. Vom 26. bis 29. August kehren Jann Hoffmann und Stefan Iseli für vier Tage an ihre alte Wirkungsstätte zurück. Das Duo prägte das «Café Boy» über Jahre: Hoffmann stand am Herd, Iseli führte durch eine Weinauswahl, die ohne Berührungsängste zwischen Moldawien, Naturwein und klassischen Flaschen wechselte. Beim viertägigen Comeback im Café Boy wird Iseli im Service von seinem heutigen Team aus dem Restaurant «Satt» in Oerlikon unterstützt. In der Küche ging es ähnlich undogmatisch zu. Schweizer Wirtshausgerichte, präzise zubereitet, ohne Nostalgie-Faktor. Mittags und abends kehren die alten Klassiker zurück. Darunter der Kalbshackbraten, der mit Sherry-Rahmsauce, Magerquark-Spätzli und Ingwer-Butter-Karotten auf den Tisch kam und zu Hoffmanns bekanntesten Gerichten gehörte. Vier Tage sind knapp. Für Stammgäste, die dem alten «Café Boy» bis heute nachtrauern, dürften sie trotzdem reichen, um wieder über ihre früheren Lieblingsgerichte zu diskutieren.
Kalbshackbraten mit Sherry-Rahmsauce, Magerquark-Spätzli und Ingwer-Butter-Karotten gehörte zu Hoffmanns bekanntesten Gerichten.
Bier im Teig. Den letzten grossen Gastauftritt übernimmt vom 17. bis 19. September Enrico «Rico» Kutzer. Drei Abende lang bringt er «Pizza Nero» zurück. Keine neapolitanische Pizza mit weicher Mitte und mächtigem Rand, sondern eine dünne, sehr knusprige Variante mit aromatischem Teig und kleiner, luftiger Kruste. Für die eigene Charakteristik mischt Kutzer Bier in den Teig. Nach Hopfen schmeckt die Pizza nicht; Malz und Bier geben ihr aber eine angenehm herbe Tiefe. Dazu die «Nero»-typischen, grosszügigen Beläge und sorgfältig ausgewählte Produkte: Burrata, Porchetta, Prosciutto di Parma oder scharfe Salami. Welche Varianten Kutzer im «Café Boy» in den Ofen schiebt, folgt noch.

Was ausser dem knusprigen Teig bei Ricos Pizzen ins Auge sticht: der grosszügige Belag.

Enrico Kutzer, von allen «Rico» genannt, mischt Bier in seinen Pizzateig, um ihn aromatischer zu machen.
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