Ines Triebenbacher, darf es an ganz heissen Tagen auch mal ein gespritzter Weisswein sein?

Ich mag gespritzten Weisswein überhaupt nicht, schliesslich haben sich die Winzer ja auch was überlegt. Aber mein Gastgeber-Gen schlägt ebenso durch – und darum finde ich, dass man das schon machen kann, wenn man das mag. Es ist legitim, sage ich halt auch als Deutsche.

Wie stehen Sie generell zu Eiswürfeln im Wein?

Auch das dünkt mich schwierig, wenn der Wein eine gewisse Qualität mitbringt. Ich sehe das jedoch immer öfter, auch bei Champagner. Dabei tut's den Bubbles gar nicht gut… Langsamer trinken kann man Schaumweine ja so auch nicht, weil sonst der Wein verwässert. Mein Vorschlag: Lieber mal nur halb vollmachen – und den kühlen Wein erst wieder nachgiessen, wenn das Glas leer ist.

Gefrorene Weintrauben statt Eiswürfel ins Glas zu werfen – ist das vielleicht ein guter Life-Hack?

Das klingt jetzt noch putzig. Und sieht sicher cool aus – aber auch Trauben tauen auf. Bereitet man da nicht doch lieber gleich eine Bowle zu?

Probieren wir's also lieber ganz ohne Eis. Welche Tricks gibt es, damit der Wein dennoch eine angenehme Trinktemperatur behält?

Man sollte den Wein im Eiskübel kalt halten, ganz einfach. Wichtig ist, dass die Flasche bis zum obersten Halsende im Eiswasser steht, sonst sind die ersten zwei Gläser dann wiederum zu warm. Was wir im «Igniv» jeweils gemacht haben: Wenn jemand rauchen ging, haben wir die Gläser kurzzeitig abgeräumt und in den Kühlschrank gestellt.

Wie bereitet man einen Weinkühler am besten vor?

In der Regel füllt man etwas Wasser in den Kühler, gibt dann das Eis hinein. Und vielleicht sogar ein paar Esslöffel Salz, dann wird die Sache besonders schnell kalt. Zehn Minuten reichen auf diese Weise, um einen Wein genügend zu kühlen. Wenn es so heiss ist wie jetzt, kann man aber auch nur Eis hineinfüllen.

Buech, Caminada, Herrliberg Restaurant BUECH, Herrliberg Fotografiert im April 2026

Neben dem «Igniv» Zürich ist Ines Triebenbacher auch für den Wein hier zuständig: die «Buech» Herrliberg.

Ein kleines Gedankenexperiment: Wir sitzen am See, der Wein ist schon warm, weit und breit kein Kühlschrank in Sicht. Was ist Ihr ultimativer Notfall-Plan für die schnelle Abkühlung?

Der See ist zurzeit wohl deutlich zu warm, um den Wein zu kühlen. Idealerweise hat es eine Tankstelle in der Nähe, wo man Eis kaufen kann. Sowieso: Man muss halt auch ein solches Picknick planen – so, wie man auch keinen Grillabend organisiert und vergisst, die Kohle zu kaufen.

Und wenn ich eingeladen bin: Wie halte ich die Flasche als Mitbringsel auf kühler Trinktemperatur?

Es gibt hierfür ja die typischen Behältnisse mit Kühlelementen. Die Frage ist aber, ob der Wein überhaupt gleich getrunken werden soll. Wenn es wie üblich heisst, man solle nichts mitbringen, dann muss die Flasche Wein als Geschenk auch nicht kalt sein.

Werden Rosés eigentlich bei gleicher Temperatur wie Weissweine serviert?

Grundsätzlich schon. Es gibt jedoch auf der einen Seite knackige, frische Rosés aus der Provence mit wenig Alkohol, die man auf acht Grad kühlt. Auf der anderen Seite sind die schwereren Rosés, etwa aus dem Bandol, die zum Essen genossen werden. Sie dürfen zwei, drei Grad wärmer sein.

Darf man im Sommer sogar Rotwein kühlen?

Just do it! Sowieso, wenn er nicht aus dem optimal temperierten Keller kommt. Es gibt zwei Möglichkeiten – entweder man kühlt die Flasche über Nacht im Kühlschrank ab und holt sie eine Stunde vor Genuss heraus. Oder man stellt sie vor dem Servieren eine halbe Stunde lang in den Kühlschrank hinein.

Wie erkenne ich die Temperatur?

Bei acht Grad ist die Flasche in der Hand schon richtig, richtig kalt. Ist sie nur angenehm kühl, sind es wohl eher zwölf Grad. Dafür muss man halt ein Gefühl entwickeln.

Hat Ines Triebenbacher denn eine sommerliche Alternative zu Aperol Spritz?

Hat Ines Triebenbacher denn eine sommerliche Alternative zu Aperol Spritz?

Bestellen die Gäste zurzeit wegen der Hitze Weine mit weniger Volumenprozenten?

Was in erster Linie auffällt: Dass mehr Rosés getrunken werden, die sind nicht mehr so verschrieen wie früher. Es gibt da ja ganz tolle Tropfen. Schaumweine und Weissweine, vor allem auch aus der Schweiz, werden zurzeit auch eher bestellt. Anders gesagt: Wetter für 16-prozentigen Amarone ist sogar in Zürich jetzt grad nicht!

Ist es möglich, dass ein Wein mal besser schmeckt, als er ist – weil er eiskalt auf einer hübschen Terrasse in den Ferien getrunken wird?

Geht auch mir so, dass das Setting beim Genuss trügen kann. Aber daran ist ja nichts verkehrt…

Zu guter Letzt: Gibt es eine stilvolle Alternative zum Aperol Spritz, den manche nicht mehr sehen können?

Eine Mode, die ich nicht ganz nachvollziehen kann. Bestellen Sie ein Glas Champagner, tun Sie Ihrem Körper doch etwas Gutes!

 

>> Ines Triebenbacher, 36, wurde vom GaultMillau als «Gastgeberin des Jahres 2025» ausgezeichnet. Die frühere Sommelière im «Igniv» Zürich ist inzwischen Leiterin Hospitality und Wein für die Caminada-Betriebe in Zürich. Sie ist damit auch verantwortlich für den Weinkeller in der «Buech». Triebenbacher ist in Augsburg aufgewachsen, mit Küchenchef Daniel Zeindlhofer verheiratet und Mutter einer gemeinsamen Tochter.

 

Fotos: Yanik Bürkli, Shutterstock, Digitale Massarbeit, Roy Matter