Fotos: Ellin Anderegg
Mehr Laufkundschaft, näher an der City. Diesen April sind Stefano Corrado und Maria Ventola vom «Anna» in Zürich-Nord Eltern geworden. Nach Luca gibt es nun gleich noch ein zweites Mal Nachwuchs beim Gastgeber-Paar! Am Schaffhauserplatz eröffnen sie Mitte September nämlich das «Otto». Eine Osteria soll es sein, mit mehr Laufkundschaft, näher an der City – und damit eine sinnvolle Ergänzung der Familie. Der Fokus liegt im neuen 60-plätzigen Restaurant auf den à-la-carte-Gerichten, erklärt der 16-Punkte-Chef. «Und natürlich auf dem Wein aus der Schweiz und aus Italien – so, wie es in einer Osteria sein soll.» Was ist mit dem Pizzaofen mitten im Restaurant? «Wir werden ihn dann im Winter schon wieder einheizen, Brot und Schmorgerichte darin zubereiten. Pizzerias gibt’s in Zürich aber schon genug!»
Highlights aus der ersten Karte. Auf welche Gerichte darf man sich ab dem 15. September freuen? Es gilt die Ravioli mit Rotwein-Wildschweinfüllung zu erwähnen, die so saftig sind, dass sie im Mund zerplatzen. Parmesan-Schaum sorgt für viel Umami, Schnittlauchöl für einen Hauch Würzigkeit. Und als Secondo danach: vielleicht Perlhuhnbrust, die innen noch schön saftig daherkommt? Sie wird begleitet von einem eleganten Jus, Salbei-Schaum und einer bezaubernden gelben Randen-Tarte-Tatin. Stilistisch kommt alles schwer im Corrado-Stil daher – trotzdem soll das «Otto» kein zweites «Anna» sein: «Dort geht man vielleicht einmal im Monat hin, ins «Otto» kommt man häufiger.» Wer sich die Qual der Wahl ersparen möchte, für den wird auch am Schaffhauserplatz – das ist wiederum ganz Corrado-Stil – ein Drei- oder Viergänger zusammengestellt.

Primo: Truciolotti mit Tatar vom Gambero Rosso, Limettenabrieb & Muddica atturrata.

Chef Stefano Corrado richtet neuerdings auch am Schaffhauserplatz an.

Primo: Ravioli mit Wildschwein-Rotweinfüllung – dazu gibt es Parmigiano-Schaum.
Im «Anna» darf der Cousin ran. Ein Küchenchef und Vater kann sich nicht zwei-, geschweige denn dreiteilen – wie wird sich Stefano Corrado künftig organisieren? Er übergibt die operative Leitung im «Otto» an Christian Kiniger, der zuletzt im Zürcher «Josef» tätig war und mit dem Corrado schon an seiner früheren Wirkungsstätte, dem «Aurora», am Herd stand. «Schön, haben wir uns jetzt so wieder gefunden!» Im «Anna» darf Marco Ranieri ran, der Cousin von Stefano, der seit Beginn weg dort mitkocht. «Beiden vertraue ich zu 100 Prozent!» Stefano Corrado selbst wird weiterhin die Gerichte und die Menükarten kreieren, als Gastgeber fungieren und dort einspringen, wo es ihn am dringendsten braucht. «Mit dem Roller bin ich in drei Minuten von einem Restaurant im anderen – mit dem Velo geht’s fast noch schneller», sagt er augenzwinkernd.

Secondo: Perfekt rosa gebratenes Perlhuhn mit Randen-Tarte-tatin & Salbeischaum.

Aus einer Eckbeiz ist eine schmucke Osteria geworden: das neue «Otto».
Zwei Tage pro Woche gehören der Familie. Und wie schafft man es, dass das Familienleben nicht zu kurz kommt? «Wir sehen uns derzeit tatsächlich maximal eine Stunde täglich», sagt Maria Ventola. «Luca und ich besuchen Stefano aber häufig im Restaurant.» Dennoch weiss sie mit Bestimmtheit, dass für sie drei bald wieder mehr gemeinsame Zeit kommen wird: Das «Anna» und das neue «Otto» sind beide eine wohlüberlegte Sache, sonntags und montags geschlossen.

