Fotos: David Künzler
Gemeinschaftlich-familiär. Im hübschen Restaurant Maihöfli herrscht eine fast schon intime Atmosphäre. Während der Mittagservice läuft und die letzten warmen Gänge aus der Küche geschickt werden, hat sich Patissière Larissa Bernet an der kleinen Bar eingerichtet und produziert erst Salzkaramell-Pralinen und richtet danach die Desserts ein. Auch sonst geht es hier gemeinschaftlich-familiär zu: Auf den Posten eines Weinspezialisten beispielsweise wird aus strukturellen Gründen verzichtet, stattdessen ist das Team der Sommelier. Chef de Service, Moritz Mayer kümmert sich zwar um die Getränke, aber «die Weinbegleitung machen wir als Team», sagt Küchenchef Rober Steuri (grosses Bild oben).

Héritage von Laurent-Perrier im Weissweinglas: Chef de Service Moritz Mayer im «Maihöfli».
Viel Aufwand für den Wein. Der 32-Jährige ist seit 2024 für die sympathische Quartierbeiz «Maihöfli» verantwortlich – «eine verblüffende Küche, enorm aufwendig» attestieren ihm die GaultMillau-Tester (16 Punkte, ein Michelin-Stern). Auch für die Weinbegleitung nimmt man sich Zeit und betreibt einen beachtlichen Aufwand: «Wir Köche machen zuerst einen Beschrieb der Gerichte, dazu erstellt unser Weinhändler eine Auswahl, und dann machen wir ein Tasting mit dem ganzen Team. Dadurch entstehen interessante Diskussionen und neue Gedanken, auf die einer allein vielleicht nie gekommen wäre», beschreibt Steuri den Vorteil der Team-als-Sommelier-Idee. Ausserdem, findet der Chef, sei es wichtig, dass auch seine Köche wissen, was in die Gläser der Gäste komme, da sie oft die Gerichte servieren und am Tisch vorstellen.

Laurent-Perrier Héritage zum Fisch: Rotbarbe mit Kalamansi-Beurre blanc und Aubergine.
Reif und frisch gleichzeitig. Und der freundliche Deutsche gibt auch unumwunden zu, dass man die Weinauswahl eher instinktiv als akademisch mache. «Wir sind da sehr pragmatisch, es schmeckt uns, oder es schmeckt uns nicht», sagt er. Beim Héritage von Laurent-Perrier zum Beispiel fiel das Urteil einhellig aus: «Schmeckt!». Der Champagner ist so etwas wie der kleine Bruder des «Grand Siècle», besteht vollständig aus Reserveweinen (55 Prozent Chardonnay, 45 Prozent Pinot Noir) und hat ein perfektes Gleichgewicht aus Frische und gleichzeitig reifen, komplexen Noten. Die Frische und gleichzeitig die reifen Noten des Héritage passen gut zu Gewürzen wie Koriander- und Fenchelsamen, Sternanis und Kümmel», findet Robert Steuri und serviert dazu eine Rotbarbe, die aufwendig zu einer mit Rotbarbenfarce gefüllten Rolle gearbeitet ist. Dazu gibt es eine Kalamansi-Beurre-Blanc, die mit Krustentierbutter aufmontiert wurde, sowie Harissa und Auberginen in verschiedenen Varianten.

Kleines Team, grosse Wirkung: Robert Steuri beim Anrichten.
Perfekt zum Dessert. Champagner sei im «Maihöfli» beliebt, sagt Gastgeber Moritz Mayer. «Auch wenn manche Gäste nur selektiv Wein zum Essen bestellen, entscheiden sie sich oft für ein Glas französischen Schaumwein zum Auftakt des Abends. Die Möglichkeit, Champagner auch als durchaus passender Begleiter zu verschiedensten Gerichten einzusetzen, setze sich zwar nur langsam durch, «aber wir schenken ihn gerne zum Essen aus», so Mayer. Sein Kollege Robert Steuri findet zum Beispiel, dass gerade nach einem kräftigen Rotwein im Hauptgang, ein Glas perlender Héritage ideal das erste Dessert begleite: Larissa Bernet hat Blutorangenmousse mit einer Pistaziencreme, Nussbutter-Eis und einem würzigen Roiboos-Sud kombiniert. Das kleine Gericht ist sehr ausgeglichen und ohne prägnante Säurespitzen. «Der Champagner hat eine schöne Cremigkeit und Frische, während die reifen Noten gut zum Tee passen, findet Robert Steuri.

Desserts von der Bar: Patissière Larissa Bernet beim Anrichten.

Elegant: Dessert aus Blutorangenmousse, Nussbutter-Eis und Rooibos-Tee.
Das passende Glas. Auch über die Art, wie Champagner im «Maihöfli» ausgeschenkt wird, hat man sich gemeinschaftlich Gedanken gemacht. «Wir fanden klassische Champagner-Gläser nicht so angenehm, um daraus zu trinken. Deshalb haben wir uns für ein Universal-Weissweinglas entschieden. Das bringt mehr Trinkfreude und kommt bei den Gästen gut an», sagt der Chef de Service. Gelagert wird der Schaumwein relativ kühl bei sechs bis sieben Grad. «Ich ziehe es vor, den Champagner langsam etwas Temperatur annehmen zu lassen», erklärt Mayer. Wenn der Héritage beispielsweise eingeschenkt sei, und die Gäste noch im Gespräch miteinander seien, komme der Wein schnell auf ideale zehn bis zwölf Grad, sobald die Zeit für den ersten Schluck gekommen sei.
>> Champagner Day Dinner mit Laurent-Perrier am Sonntag, 16.8.2026 ab 12 Uhr im Restaurant Maihöfli, Luzern

