Text: Anita Lehmeier I Fotos: Marcus Gyger

Buffett statt Bestzeiten. Das Chuenisbärgli ist eine legendäre Location, messen sich doch hier jeden Winter die besten Slalom- und Riesenslalomfahrer der Welt. Dann sind die Augen der Skiwelt auf diesen steilen Hang in Adelboden gerichtet, die Zieleinfahrt das Epizentrum der Emotionen. Auf genau diesem Flecken geht’s auch im Sommer gefühlig zu: An der Party «Gnuss im Stall», die am letzten Wochenende zum fünften Mal stattfand. Das Besondere an dieser Kitchen-Party: Sie steigt nicht in der Küche, sondern im Kuhstall. Gastgeber David Aellig baut im Sommer, wenn seine Holsteiner Kühe und Rinder auf der Alp sind und das Grün vom Chuenisbärgli wegfuttern, den Stall zur urigen, im wahrsten Sinne geschmackvollen Party-Location um. Bild oben: v.l. Björn Inniger, Andy Schranz, Reto Gadola, Daniel Lehmann.

Björn Inniger vom Rest. Alpenblick in Adelboden

Björn Inniger vom Alpenblick serviert Steinpilz-Malfatti.

Gnuss im Stall

Festessen zwischen Gattern und Futtertrögen für 100 Foodies.

Ein Stall für 100 Foodies. Mit viel Aufwand und Geschick wird aus Tenn, Lauf- und Anbindstall eine Gaststube plus Bar für gut 100 Leute. Wo sonst Kühe gemütlich wiederkäuen, lassen sich bei «Gnuss im Stall» Einheimische, Ferienhüslibesitzer und Touristen kulinarisch verwöhnen, holen sich an diversen Stationen feine Gerichte von Starchefs und speisen gemeinsam an fein gedeckten Tischen, zwischen Futtertrögen und Holzgattern. 

Ein ungewöhnlicher Verein. Die Idee zum «Gnuss im Stall» wurde vor sechs Jahren ersonnen, an der Hochzeit von David und Kinga Aellig. Für die Feier baute Multitalent Aellig erstmals den Stall zur Party um. Andy Schranz und Björn Inniger, gute Freunde der Aelligs, waren begeistert vom Charme des Ortes und sannen über künftige Feten nach. «Morgens um drei Uhr versprachen wir uns per Handschlag, diesen Stall im Sommer weiterhin zu bespielen und beleben», erinnert sich Schranz. «Zur Idee vom Gnuss im Stall wars dann nicht mehr weit», ergänzt Inniger. Aellig gefiel die Idee eines kulinarischen Events ebenfalls. Die drei Paare gründeten den gleichnamigen Verein. Gnuss im Stall war von der ersten Ausgabe an ein Erfolg, viele der früheren Stall-Besucher sind heute Stammgäste. 

Restaurant Alpenblick, Adelboden Björn Inniger Alpkäse Malfatti -Adelbodner Steinpilzen - Belperknolle - Herbsttrüffel

Malfatti mit Alpkäse, Steinpilzen, Belperknolle und Herbsttrüfffel von Björn Inniger.

Der Käser Manfred Schmid (m) die Winzerinnen (Ticino, blond) Eliana D'Amato-Marcionetti und die welsche Önologin vom Johanniterkeller (r) Melanie Gigon

Fromager Manfred Schmid, Winzerin Eliana D'Amato-Marcionetti & Önologin Melanie Gigon (r.). 

Restaurant Moosegg, Emmenmatt Daniel Lehmann Suure Mocke, Napfschwein Hals - Sellerie Apfelcreme - Speck Bohnen - Senf Apfel

Suure Mocke vom Napfschwein mit Sellerie-Apfel-Creme und Speckbohnen von Daniel Lehmann.

Zwei JRE-Freunde zu Gast. Die leidenschaftlichen Gastronomen Andy Schranz (Hohliebestübli, 15 Punkte) und Björn Inniger (Alpenblick, 17 Punkte) luden heuer ihre Freunde und JRE-Kollegen Daniel Lehmann vom Boutique-Hotel Moosegg in Emmenmatt BE (16 Punkte) und Reto Gadola von der Casa Alva in Trin GR (16 Punkte) ein. An der Station von Reto Gadola lockten filigrane Türmchen aus Kalbfleisch und Wachtelei auf Knäckebrot. Duftig und deftig war das Amuse bouche von Daniel Lehmann: frittierte Stängeli aus Alpkäse vom Hüpfenboden bei Eggiwil mit geraffeltem Trüffel aus dem Emmental. Björn Inniger packte Rauchlachsmousse in Windbeutel von zartem Biss und krönte die mit Saiblingsrogen. Andy Schranz hatte Rüebli und Meerrettich im Auftakt-Angebot. «Öppis vegans», meint der Hohliebestübli-Chef verschmitzt, «ohne dass das jemand merkt. Den Rüebli-Lachs habe ich recht passabel hinbekommen.»

Bergseeforellen & Lardo vom Alpsäuli. So unterschiedlich die vier Chefs und ihre Betriebe sind, eines ist ihnen gemeinsam: die Liebe zum guten, heimischen Produkt, zur alpinen Kulinarik. Die zelebrierten sie jeder auf seine Art. Reto Gadola, der die weiteste Anreise hatte, glänzte mit Delikatessen aus seiner Heimat: Bergseeforelle mit Lardo vom Alpsäuli aus Curaglia und Kürbismousse, grob gehackten Haselnüssen und Schnittlauchöl. Ein Signature Dish in der Casa Alva. «Ich bringe gern das Meer und die Berge zusammen, denn meine Frau Saskia stammt von der Ostsee, ich aus den Bündner Bergen. Weil mein Fischer-Freund so fleissig war diesen Sommer, gibt’s statt Meerfisch heute Bergseeforelle», erklärte Gadola. 
 

Suure Mocke & Coq au vin. Daniel Lehmann hatte Hals vom Napfschwein und Pinot noir aus dem Seeland zum Suure Mocke veredelt und zusammen mit Sellerie-Apfelcreme und Speckbohnen serviert, ein Teller voller Umami und Wucht. 145 Portionen gingen über Lehmanns Theke am ersten Abend, nur eine Portion blieb vörig. Ebenfalls ein deftiges Vergnügen hatte Inniger vorbereitet: Steinpilz-Malfatti mit vierjährigem Alpkäse, Belper Knolle und Herbsttrüffel-Vinaigrette. Andy Schranz hatte sich für Geflügel entschieden und präsentierte ein prächtiges Coq au Vin mit Silberzwiebelchen, Kartoffelpürée und Croutons. «Ich wollte etwas bieten, was die Leute nicht selber daheim kochen, weils doch recht aufwändig ist: darum Coq au Vin!» Trotz Dauerandrang an den Stationen sah man die Chefs bei ihren Kollegen anstehen und deren Kreationen probieren. So viel Muse gönnten sich die vier Köche an diesem Ort, wo Sommer- und Winterzeit so weit auseinanderliegen.

Chäs und Wii. Einen Ehrenplatz im Stall bekam der Adelbodner Affineur-Fromager Manfred Schmid, der ein Käsebuffet der Extraklasse aufbaute mit 30 Sorten vorwiegend einheimischer Spezialitäten und Exklusivitäten aus Frankreich und Italien («Meine Favoriten des Abends: der Blue 61 aus dem Piemont und der Gorgonzola von Mario Costa, eine Rarität!»). Die zwei Schweizer Winzerinnen im Stall: Eliana D’Amato-Marcionetti von Settemaggio in Monte Carasso, Melanie Gigon, Önologin im Johanniterkeller von Martin Hubacher in Twann. 

www.gnussimstall.ch