Fotos: Seline Barmettler

Aperölen mit Sempachersee-Chnusperli. Ab 16 Uhr kann man im «Wyhof», gleich beim Bahnhof Sursee, «aperölen» - draussen im riesigen Garten, drin in der gemütlichen Gaststube. Schon hier zeigt sich die Handschrift der Chefin. Beim liebevoll zusammengestellten «Plättli», beim «Füstu» (Brustrami im «Eigenbrötler»-Sauerteigbrot), bei den Fischknusperli mit raffinierter Kapern-Mayo. Im Teig steckt nicht 0815-Ware, sondern feine Balchen, die die Berufsfischer Thomas und Andreas Hofer aus dem nahen Sempachersee holen. Dass die Dinger glühend heiss auf den Tisch kamen, können wir der kleinen Küchenbrigade nachsehen. Michèle Meier kann sich auf ihre Freunde aus KKL-Zeiten verlassen. Lukas Gies etwa ist ihr als Souschef nach Sursee gefolgt. Bild oben: Team Wyhof, v.l. Mascha Meier, Lukas Gies, Besitzerin Carla Fischer, Chefin Michèle Meier, Michèle Herger.

Tatar vom Piemonteser Rind, mit Pommerysenf-Vinaigrette & Blumenkohl.

Tatar vom Piemonteser Rind, mit Pommerysenf-Vinaigrette & Blumenkohl.

Zarte Bäggli vom Bio-Säuli. Und nach dem «Aperölen»? Erstmal Pasta, hausgemacht. Michèle setzt diesmal auf Tagliatelle mit Basilikum-Petersilien-Salsa. Obendrauf: Sot-l’y-laisse frittiert. Dann schiebt die berühmte Chefin (GaultMillaus «Köchin des Jahres 2021») die ersten Pfannen in den Ofen. Eine mit Kopfbäggli vom Ueli-Hof beispielsweise. Nach anderthalb Stunden bei 140 Grad sind die Bio-Bäggli zauberhaft zart, die Sauce perfekt, die Kartoffelmousseline und die Pilze ebenfalls. Wir verlangen begeistert einen Löffel. Sachdienliche Mitteilung an den freundlichen Service: Michèle steht für Löffelgerichte, also muss man so ein Ding für jeden Gang eindecken.
 

Kopfbäggli vom Ueli-Hof-Säuli, mit Kartoffelmousseline und Pilzen.

Kopfbäggli vom Ueli-Hof-Säuli, mit Kartoffelmousseline und Pilzen.

Der «Wyhof» war noch nie so gut. Die Chefin strahlt, steht nach ausführlichen Trips nach Thailand, Berlin, ins Baltikum und in die Küchen befreundeter Chefs, begeistert wieder am Herd. Begeistert und leicht gestresst: Der neue «Wyhof» (Baujahr 1882) zieht die Gäste magisch an. Die Surseer wissen: Der Gasthof war in seiner langen Geschichte noch nie so gut! Auch die Stammgäste aus Luzern kommen her: 17 Minuten mit der SBB, wenige Schritte bis zum Tisch. Michèle geht’s mutig an. Die Karte ist knapp, aber sie wechselt monatlich. Und ein paar «Specials» sind auch immer zu haben. Ein feines Jumi-Entrecôte mit Pommes zum Beispiel.

Dreamteam Michèle & Carla. Der «Wyhof» ist ein Fall für zwei. Er gehört der Wein-Dynastie Fischer. Carla Fischer, an der Hotelfachschule ausgebildet, ist die Gastgeberin, surft auch fröhlich mit ein paar Weinflaschen unter dem Arm von Tisch zu Tisch. Ihre Geschwister führen die Weinhandlung gleich nebenan und empfehlen etwas überraschend auch Flaschen aus Armenien, Serbien und aus dem Libanon. Wir sind nicht ganz so experimentierfreudig, setzen auf starke Schweizer Winzer: Pinot Blanc der Frères Dutruy aus dem Lavaux, Pinot Noir von Patrick Adank aus der Bündner Herrschaft. In der Rubrik «Grobi Möscht» ist auch eine Adam-Rarität gelistet: Der Fläscher Pinot Herrenacker. Das Finale im «Wyhof»: Eine moderate Rechnung. Und ein Michèle Meier-Klassiker: Haselnuss-Orangen-Küchlein!

www.wyhof.ch