Per Zufall kommt niemand am «Zehndi» vorbei. Es ist eines der idyllischsten Restaurants Berns und eines der schönsten am Wasser überhaupt – aber auch gut versteckt. Ein helles, altes Haus mit grünen Fensterläden, Kiesplatz, langen Gartentischen und weissen Sonnensegeln, auf der Engehalbinsel, direkt an der Aare. Rundherum: Wald, Wiesen, Gewächshäuser. Die Stadt ist nah, fühlt sich aber plötzlich weit weg an. Die Anreise gehört bereits zum Besuch: zu Fuss oder mit dem Velo durch den Wald, mit dem Auto über die holprige Zufahrt – am schönsten aber von Bremgarten aus mit der Fähre, die zwischen den Ufern pendelt. Zwei Franken kostet die Überfahrt. Unter alten Bäumen sitzen die Gäste, während Marans, Satsumadori, schwedische Blumenhühner und andere seltene Hühnerrassen zwischen den Tischen herumstolzieren und auf einen Brotkrümel hoffen. Die Kombination hat etwas Magisches, ohne ins Kitschige zu kippen: guter Wein, herzlicher Service, ein Fluss zum Reinspringen – und eine Küche, die sorgfältiger arbeitet, als eine abgelegene Ausflugsbeiz erwarten liesse.

Zehendermätteli Bern

Versteckt auf der Engehalbinsel: Das «Zehendermätteli» liegt direkt an der Aare, umgeben von viel Grün.

Zehendermätteli Bern

Carne cruda vom Rind mit eingelegtem Gemüse, Senfkörnern und Crème – dazu Sauerteigbrot und Pommes frites.

Die Karte ist bodenständig, saisonal und steckt voller Details. Die Gerichte klingen schlicht. Auf dem Teller zeigt sich aber, wie viel Arbeit darin steckt. Allen voran die Forelle blau. Kurz zuvor schwamm sie noch im Wasser, acht Minuten später liegt sie, sanft in Court-bouillon gegart, leicht gekrümmt auf dem Teller. Die Spannung in der Muskulatur verrät, wie frisch der Fisch verarbeitet wurde. Dazu Salzkartoffeln, Gemüse und Beurre noisette. Auch beim Carne cruda wird wenig versteckt: Das Rind geht à la minute durch den Wolf, abgeschmeckt wird mit Olivenöl und Fleur de Sel. Eingelegte Senfkörner, Kohl und anderes Gemüse bringen Säure und Biss. Was gerade im Überfluss wächst, wird eingelegt oder anderweitig verarbeitet. Aus Zucchetti entstehen Fritter mit Grünkern, dazu Krautstiel, Crème fraîche und fein geschnittene Zucchetti. Frische Pasta kommt mit einem Sugo aus Tomaten und Peperoni. Der Gartensalat ist genau so, wie er im besten Sinne sein soll, dazu gibts hausgemachtes Sauerteigbrot.

Zehendermätteli Bern

Forelle blau: kurz in Court-bouillon gegart, dazu Salzkartoffeln, Gartengemüse und Beurre noisette.

Zehendermätteli Bern

Küchenchefin und Mitinhaberin Kathrin Sophie Jordi prägt die saisonale Küche im «Zehndi».

Kein Wunder, passt alles so gut zusammen. Hinter dem «Zehndi» steckt eine erfahrene Berner Crew: Küchenchefin Katrin Sophie Jordi führt den Betrieb gemeinsam mit Bruno Bucher, Andrew Aeschbach und Simon Rudaz. Einen Teil des Teams kennen Berner Foodies bereits vom Pop-up in der «Markuskirche», Rudaz und Bucher vom «Serini». Jordi und Rudaz arbeiteten schon Jahre zuvor gemeinsam in der «Haberbüni». Zum Zehendermätteli gehören zudem viereinhalb Hektaren Land und drei Gewächshäuser, heute an Gärtnerinnen verpachtet; ein Teil ihrer Ernte landet wiederum in der Küche. Dazu Hühner, Schafe und die Aare direkt vor der Nase. Ein beneidenswertes Setting. Aber eben nicht nur das. Die Lage bringt die Leute hin. Die Küche sorgt dafür, dass sie wiederkommen.

Zehendermätteli Bern

Unter alten Bäumen lässt sich ebenfalls essen. In diesem Bereich gilt Selbstbedienung: Die Gerichte holt man direkt am Küchenfenster.

Zehendermätteli Bern

Zucchettifritter mit Grünkern, Krautstiel, Crème fraîche und fein geschnittenen Zucchetti.

 

Kontakt
Zehendermätteli
Reichenbachstrasse 161
3004 Bern
Tel. +41 31 561 92 82
zehndi.be
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Öffnungszeiten
Montag bis Sonntag, 10 bis 23 Uhr

 

Preise 
Alle Teller 5-35.50 CHF

 

Empfehlungen
Gartensalat, Carne Cruda, Frienisberger Frites, Tagesgerichte