Die Qual der Wahl. «Das einzig wahre Beach Resort», nennt sich das «Eden Roc» in Ascona ziemlich selbstbewusst. «Beach Resort» stimmt. Das rundum renovierte Swiss Deluxe Hotel liegt direkt am Lago Maggiore. Yachten, SUP, Kayak & «Otter» stehen im privaten Hafen zur Verfügung. Wer schwimmen will, hat gar die Qual der Wahl: Zwei Pools – oder gleich in den See. Qual der Wahl gilt auch für die Restaurants. In «La Brezza» kocht Marco Campanella, der jüngste 19-Punktechef der Schweiz. In der «Casetta» über dem Wasser dreht sich alles um Pasta & Pesce. Im klassischen Restaurant «Eden Roc» ist Salvatore Frequente stolz. Auf sein neuestes Baby: «Summer BBQ», jeden Donnerstagabend. Das Versprechen: «Easy. Laid-back. Delicious».

Marco Campanella 2025: Kaisergranat

Ein Stammplatz in Campanellas Menüs: der genial zubereitete Kaisergranat.

Marco Campanella 2025:

Auf Lorbeeren ausruhen ist keine Option: Marco Campanella gibt Vollgas.

Marco Campanella 2025: Lostallo Lachs

Lostallo Lachs: Marco Campanella interpretiert das Gericht immer wieder neu.

Marco, der Side Dish-King. Will der Gast heutzutage noch über zwei Stunden am Tisch sitzen? Bei Marco Campanella schon. Der jüngste 19-Punktechef im Land ist begeisternd unterwegs. Ein Gang kommt bei ihm nie allein; raffinierte Side Dishes, die mal kontrastieren, mal ergänzen, kommen dazu. «Die Side Dishes sind unser Markenzeichen geworden», sagt der Umami-Jäger vom Dienst und treibt seine perfekt eingespielte Brigade Abend für Abend zu Höchstleistungen an. Wir machen Buchhaltung: Acht Gänge (für 305 CHF) sind angesagt. 29 Teller, Schalen und Plättli werden aufgetragen. Aufwand total. Absturzgefahr null.

Wurstsalat, Yellowtail, Shotino. Der Tessiner Chef ist berühmt für seine Stuzzichini zum Start. Ein Radiesli ist immer dabei. Eine frittierte Felche mit Kabeljau und Fenchel und eine Malz-Waffel mit allen Komponenten eines Wurstsalats buchen wir unter Neuzugang ab! Dann zücken die Foodies auf der magischen «La Brezza»-Terrasse erstmals ihr iPhone: Gelbschwanzmakrele, zu 100 Prozent Instagram-tauglich und vor allem umwerfend in Sachen Sommerfrische und Geschmack. Kohlrabi, Kumquat und grüner Apfel prägen den Gang, und einer der vielen «Side Dishes» entlockt uns ein Schmunzeln: «Shotino», ein wahrscheinlich ziemlich gesunder Shot mit Kombucha und Dill.

Marco Campanella fischt mit Giovanni Palmieri.

Auf Giovanni Palmieri (l.) ist Verlass: Er holt für Marco Campanella die schönsten Fische aus dem Lago Maggiore.

Kaisergranat & Gochujang. Höllisch! Dann ein Bestseller aus Campanellas riesigem Repertoire: Kaisergranat! Der Krebs wird aus Norwegen eingeflogen, den weissen und grünen Spargel besorgt Caspar Ruetz im Badischen, der grüne Curry ist eine Erinnerung an Marcos letzte Familienferien in Thailand und viel sanfter als erwartet. Die Power steckt in einem Algen-Schiffchen: Kaisergranat-Tatar und Gochujang, eine ziemlich heftige koreanische Chili-Paste.

Ravioli & Wagyu-Carpaccio. «Ein Raviolo schafft es im La Brezza immer ins Menü», heisst es im letzten GaultMillau-Testbericht. Diesmal avancieren die liebevoll geformten Ravioli zu den Stars des Abends: Short Rib vom Rind im dünnen, aber nicht zu dünnen Teig. Wagyu-Carpaccio von Luma drüber. «Sauce Bordelaise» dazu, mit Knochenmark drin. Und da war noch diese «Sporchia», eine wildwachsende, schwer zu importierende Pflanze aus Bari in Apulien, der Heimat von Marcos Vater. Ziemlich bitter. Oder zu bitter?

Reh-Rücken, Reh-Sandwich. Ein Hauptgang ist bei Campanella nicht genug. Also wird zuerst ein Ibérico-Schweinchen von Luma dekliniert, bis hin zu den Rippchen auf dem Tischgrill. Den Maibock liefert Alfred von Escher in gewohnt hoher Qualität ins Tessin. Applaus für den Rücken, Applaus für das Sandwich von der Reh-Schulter, Applaus für die tiefe Sauce mit Haxen-Fleisch und Senfkörnern drin. Zum «La Brezza»-Wohlfühlpaket gehört auch der perfekte, nie hektisch wirkende Service. Katrin Wilhelm und Nicola Russo leiten ihn mit ihrem Team souverän, sind Teil des Erfolgs.

Salvatore Frequente

Vielseitigkeit ist seine Stärke: Salvatore Frequente brilliert neuerdings auch mit einem Sommer-BBQ.

Martina Wilhelm

Die Gäste schätzen ihren zurückhaltenden, aber perfekten Service: Katrin Wilhelm.

Acht Hände für ein Summer BBQ.  Die Grill-Party jeden Donnerstag? «Wenn schon, dann schon», sagt Executive Chef Salvatore Frequente, stellt vier Köche an den Grill und legt aufs Feuer, was alle gerne haben: Short Ribs, T-Bone, Rib Eye, Hamburger, St. Galler Olma-Bratwurst, Wolfsbarsch, Alfonsino, Schwertfisch, Baby-Lotte, Scampi, Riesencrevetten. Geheimtipp: Lamm! Der Chef kauft bei Andri Casty in Scuol ein, die Qualität ist überragend. Agnello ist auch auf der normalen Karte ein Thema: Lamm-Entrecôte, Lammschulter, drei Stunden lang geschmort. Überraschend ist Chef Salvatores Abendmenü: Der Risotto ist mit einem hauchdünnen Jakobsmuschel-Carpaccio und mit «Plancton marino». «Ich hole so das Meer in den Teller», sagt Chef Salvatore stolz.

La Casetta

«La Casetta»! Im Ristorante über dem See ist das «Eden Roc» am schönsten.

Pressebilder Hotel Eden Roc, Ascona, TI HO via Constanze Märzheuser Director of PR

Das «Eden Roc» ist ein Beach Resort: zwei Pools, Palmen direkt am Lago Maggiore.

Anderthalb Tonnen Branzino! Stammgäste buchen ihren Tisch in der kleinen «La Casetta» bereits ein paar Tage im Voraus und einen Branzino gleich dazu. Wolfsbarsch, Sole, Hummer, Seeteufel und Scampi liegen gleich beim Eingang auf Eis, sind so etwas wie die Vitrine des historischen Hauses mit der Traumterrasse über dem Maggiore. Chef Nicola Montalti schiebt pro Saison anderthalb Tonnen Branzini auf den Grill und in den Ofen. Die schlechte Nachricht: Er verlässt Ascona, übernimmt das neue italienische Restaurant «Nesso» im Grand Resort Bad Ragaz; den erstklassigen Maître Roberto Cipollino nimmt er gleich mit. Seine Abschiedsvorstellung: Carpaccio von der Bernsteinmakrele, herausgeschnitten aus einem Zehn-Kilo-Exemplar. Passionsfrucht, Ponzu und eingelegten Kohlrabi gibt’s dazu. Und Spaghettone von Mancini, mit Sardinen, wildem Fenchel und Brotbrösel.

 

www.edenroc.ch

 

Fotos: Digitale Massarbeit, Thomas Buchwalder, Adrian Fluetsch, HO