Eigentlich wurde dieses Häuschen gebaut, damit hier niemand lange bleibt. Aufs Schiff warten, einsteigen, weg. Jetzt passiert das Gegenteil. Das soeben eröffnete «Hüsli» sitzt direkt an der Schifflände Erlenbach, keine zehn Schritte vom Zürichsee entfernt. Drinnen: dunkles Holz, niedrige Decken, kleine Tische, grosse Fenster. Draussen zieht sich eine schmale Terrasse dem Wasser entlang. Mehr als zwanzig Gäste bringt man im Lokal kaum unter. Besonders schön wirds gegen Abend, wenn die Sonne von der anderen Seeseite tief auf die Goldküste, ins «Hüsli» scheint und Holz, Wände und Gesichter für eine Stunde vergoldet. Ein ziemlich guter Zeitpunkt für den ersten Negroni. Aber das Lokal funktioniert nicht nur zur «Golden Hour». Morgens gibts Espresso, später etwas zu essen, am Nachmittag Wein, abends Aperitivo und kleine Teller zum Teilen. Ein kleiner Ganztagesbetrieb mit ziemlich viel Italianità.

Hüsli Erlenbach

Zum Teilen: Burrata mit Caponata, Artischocken mit Kräuterdip und Focaccia mit Rindstatar.

Hüsli Erlenbach

Näher am Wasser geht nicht: Die schmale Terrasse liegt direkt an der Schifflände Erlenbach.

Das Essensangebot hält sich an die Quadratmeter. Eine kleine, sorgfältig ausgewählte Karte, die niemand erklärt haben muss. Cerignola-Oliven, Giardiniera, Artischocken mit Kräuterdip und Cantabrico-Anchovis zum Einstieg. Die hausgemachte Focaccia gibts pur mit Olivenöl oder gefüllt mit Mortadella und Pistazien beziehungsweise Stracciatella und Zitronengel. Sie funktioniert auch gut als Unterlage für das Rindstatar mit gerösteten Haselnüssen und frischer Zitrone. Danach Polpette in einer kräftigen Tomatensauce mit Parmesan oder Insalata mit wildem Brokkoli, Rucola, Walnuss und Ricotta, die zwischen all dem Brot und Fleisch für Frische auf dem Tisch sorgt. Zum Dessert: Tiramisù. Im Glas gehts genauso geradlinig weiter: Espresso, Spritz, Paloma, Negroni und Espresso Martini, dazu eine einfache, umkomplizierte Weinkarte samt Prosecco und Champagner.

Hüsli Erlenbach, Armin Azadpour und Axel Hahne

Die Gastgeber hinter dem «Hüsli»: Armin Azadpour (links) und Axel Hahne.

Hüsli Erlenbach

Hausgemachte Focaccia, Polpette an Tomatensauce und Insalata mit wildem Broccoli, Rucola, Walnuss und Ricotta.

Hinter dem «Hüsli» stehen Armin Azadpour und Axel Hahne. Was das Zürcher Publikum will, hat Azadpour bei der «Bar Lupo» gelernt. Im «Hüsli» wird diese Erfahrung aber nicht einfach kopiert, sondern auf Ort, Grösse und Publikum heruntergebrochen – mit eigener Stossrichtung und anderem Flair. Bei der Renovation blieben Holz, Rundungen und der Fünfzigerjahre-Charme erhalten. Neu lässt sich der Raum beheizen und damit auch im Winter nutzen. Entscheidend ist aber weniger das Konzept als das Zusammenspiel aus Ort und Alltag: Espresso vor der Fähre. Focaccia nach dem Schwimmen. Dann noch ein Glas Wein und ein Teller Polpette, obwohl man längst nach Hause wollte. Das «Hüsli» ist winzig, will daraus aber kein Spektakel machen. Wenn am Abend die Sonne durchs Fenster fällt, golden auf dem See schimmert und draussen ein Schiff anlegt, versteht man schnell, weshalb hier niemand aufs nächste Schiff drängt.

Hüsli Erlenbach

Aperitivo am See: Paloma, Orangewein und Negroni.

Hüsli Erlenbach

Golden Hour im «Hüsli»: Durch die grossen Fenster fällt der Blick direkt auf den Zürichsee.

 

Kontakt
Hüsli
Schiffländestrasse 2
8703 Erlenbach
hueslibar.com
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Öffnungszeiten
Mittwoch bis Freitag, 11 bis 21 Uhr
Samstag und Sonntag, 10 bis 21 Uhr

 

Preise 
Snacks 7-12 CHF, Antipasti 12-27 CHF,

 

Empfehlungen
Negroni, Carciofi, Polpette, Orangewein