Fotos: Remy Steiner

Pflegeleicht oder arbeitsintensiv? Malans in der Bündner Herrschaft, Anfang März. Luzi Boners Schafe grasen friedlich zwischen den Reben. Sie fressen das Unkraut zwischen den Stöcken, düngen die Parzelle gleich mit. Als Betrachter fragt man sich unweigerlich, wieso das nicht alle Winzer so handhaben. Die Tiere wirken pflegeleicht – muss man da überhaupt noch etwas tun? «Ich hätte weniger Arbeit», sagt der Bio-Winzer, «wenn ich mit der Maschine mähen würde.» Jedes Mal, wenn er seine Heidschnucken von einem «Wingert» in den nächsten bringe, müsse das Areal erst aufwendig eingezäunt werden. Dann gelte es, die Tiere sicher und geordnet umzusiedeln. «Ohne meinen Border Collie Menin könnte ich das sowieso nicht machen.»

Zuverlässig rund um die Rebstöcke. Wieso setzt der Herrschäftler Weinbauer trotzdem auf ein gutes Dutzend der wolligen Helfer? Herbizide kommen für ihn als Bio-Bauer nicht infrage. Hinzu kommt, dass die Dauerbegrünung aufgrund der geringeren Erosion für ihn absolut Sinn ergibt. Am Ende hat er also die Wahl zwischen Maschinen und Schafen. Doch maschinell sei es fast nicht möglich, den Boden direkt am Rebstock von Konkurrenzgräsern zu befreien, die den Reben wertvolle Nährstoffe rauben könnten. Zudem verdichten die Tiere den Boden nicht; der Humus bleibt locker und durchlässig. Dass nicht jeder Winzer in der Bündner Herrschaft diesen Weg geht, zeigt ein Blick auf die angrenzenden Parzellen beim Spaziergang durch Malans: Einige brechen den Boden auf, andere lassen viel braunes Gras einfach stehen.

05.03.2026, Malans GR, Weingut Luzi Boner, Bio-Winzer Luzi Boner (photo by Remy Steiner for Gault Millau)

Luzi Boner mag das Traditionelle – und füllt seine Weine in Rheinwein-Flaschen ab.

05.03.2026, Malans GR, Weingut Luzi Boner, Bio-Winzer Luzi Boner, Hofhund Menin (Border Collie) (photo by Remy Steiner for Gault Millau)

Er hat die Schafe im Rebberg stets im Auge: Border Collie Menin.

05.03.2026, Malans GR, Weingut Luzi Boner, Bio-Winzer Luzi Boner (photo by Remy Steiner for Gault Millau)

Kommt sie wieder? Die frühere Etikette des Completers mit Kapuzineräffchen und Krone.

Auch Schafe mögen Weintrauben. Als ehemaliger Schafhirt hat Luzi Boner seinen Hund perfekt im Griff. Mit wenigen Worten, Pfiffen und Geräuschen schickt er Menin immer wieder in die richtige Position. Der Hund behält während des Gesprächs jedes einzelne Schaf im Auge, ist hochkonzentriert und hechelt bald schon. Boner erklärt währenddessen, dass die Tiere nicht das ganze Jahr im Weinberg bleiben können: Sobald die Trauben Zucker einlagern, werden sie auch für die Schafe unwiderstehlich. Daher sind die Heidschnucken vor allem von November bis März im Einsatz. Und halten während der Wintermonate das Gras kurz, damit keine hohen, verholzten Halme entstehen, die bei den Frühlingsarbeiten im Rebberg im Wege stehen würden.

Neue Etiketten für den Traditionsbetrieb? Ist Boner eigentlich Bio-Winzer aus Überzeugung? Er bejaht und erzählt von seinem Vater, der vor über 30 Jahren als einer der Pioniere im Ort mit dem biologischen Anbau begann. «Damals wurde er noch belächelt», erinnert sich Luzi Boner, der bemerkenswerterweise nicht mal sicher weiss, ob er den Betrieb nun in fünfter oder sechster Generation führt. Dennoch wirkt hier vieles ziemlich traditionell: Die Hauptsorte nennt Luzi Boner «Blauburgunder» statt «Pinot Noir». Er verwendet alte Rheinwein-Flaschenformate in 50 und 70 Zentilitern. Auch die in die Jahre gekommene Weinetikette mit der historischen Holzpresse passt ins Bild. «Es ist aber gut möglich, dass ich das Design bald ändere», erklärt er. Er überlegt, das Kapuzineräffchen mit der Krone, das bereits klein auf der Flasche prangt, prominenter zu platzieren – ganz im Stil früherer Completer-Etiketten des Weinguts.

05.03.2026, Malans GR, Weingut Luzi Boner, Bio-Winzer Luzi Boner (photo by Remy Steiner for Gault Millau)

In Malans sind Reben mit Blauburgunder und Co. überall anzutreffen.

05.03.2026, Malans GR, Weingut Luzi Boner, Bio-Winzer Luzi Boner (photo by Remy Steiner for Gault Millau)

Sind sie nicht schnuckelig? Die Heidschnucken von Winzer Luzi Boner im Rebberg.

Boners One-Man-Show! Wie kann er von gerade einmal drei Hektar Rebland leben? Schliesslich besagt eine Faustregel, dass sich ein Weinbaugebiet erst ab fünf Hektar wirklich rentiert. Wie so oft ist Boners Antwort verblüffend pragmatisch: «Schon bei vier Hektar müsste ich Angestellte beschäftigen und entlöhnen – so komme ich mit der Arbeit noch knapp allein durch.» Sein Weingut in Malans, wo neben Completer und Blauburgunder auch Riesling-Silvaner, Weiss- und Grauburgunder wachsen, ist somit eine echte One-Man-Show!

Noch ein Plus: Das Trockenfleisch. Eine Frage muss der Vollständigkeit halber erlaubt sein: Kommen Boners Heidschnucken auch manchmal auf den Teller? Das wäre ja noch ein Grund, um auf die Schafe zu setzen, oder? Nur noch gelegentlich, sagt er, verarbeite er ein älteres Tier zu feinem Trockenfleisch. «Früher habe ich tatsächlich kaum Fleisch kaufen müssen – inzwischen habe ich aber keinen Bock mehr in der Herde und damit keinen Nachwuchs.» Der Grund hierfür sei die fehlende Zeit: Richtige Ferien mit den Kindern seien für ihn als Winzer eigentlich nur im Frühling möglich. «Wenn dann aber die Schafe lammen, kann ich sie niemand anderem überlassen.» Und einmal mehr sieht man: So einfach ist die Sache mit den «Rasen-Mähern» eben doch nicht.

 

Drei GaultMillau-Restaurants mit Luzi Boners Weinen:

Wirtschaft zur Alten Post, St. Gallen, 14 Punkte

Alter Torkel, Jenins, 14 Punkte

Hotel Schweizerhof, Lenzerheide

 

>> www.boner-wein.ch

 

 

Mehr Bio im Glas! 

Ein lebendiger Rebberg mit kräftigen, widerstandsfähigen Reben und einem gesunden Boden ist die Grundlage für feine Knospe-Weine. Bereits über 580 Winzerinnen und Winzer produzieren in der Schweiz Bioweine. Sie verzichten auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger. Auch viele Top-Winzer bekennen sich zu Bio und Biodynamie.

Mehr Infos: www.biosuisse.ch