Text: Elsbeth Hobmeier

Perle am Bielersee. Der Weg zum eigenen Weingut verlief bei Arielle und Beni Andrey nicht ganz gradlinig. Die beiden ausgebildeten Bäcker-Confiseure lernten sich an ihrem damaligen Arbeitsort, dem «Schlossbeck» in Nidau, kennen. 2013 brachen sie zu einer grossen, zweijährigen Reise durch die Welt auf. Dass sie sich danach gerne selbstständig machen wollten, war immer klar. «Doch erst unterwegs wurde uns bewusst, was für eine Perle das Weingut meiner Eltern in Schafis am Bielersee ist», erzählt Arielle Andrey. Also begann sie 2016 eine Winzerlehre, Beni eine Ausbildung in Unternehmensführung; er arbeitete dann drei Jahre im Weinverkauf bei «Smith & Smith». Zusammen absolvierten sie 2019 ein Praktikum auf dem Weingut Creation von Jean-Claude Martin im südafrikanischen Hermanus. «Er arbeitet wie wir hier vor allem mit Pinot noir und Chardonnay, wir konnten sehr viel lernen», erinnert sich Beni Andrey, welcher nach der Hochzeit den Namen seiner Frau und mit ihr zusammen im Januar 2022 die Verantwortung für das Weingut von Röbi und Lisbeth Andrey in 5. Generation übernommen hat. Grosses Bild: Arielle Andrey bei der Ernte.

Weingut Andrey Schafis, Ligerz, BE

Selbstverständlich gibt es im Sortiment auch Weine aus Chasselas.

Weingut Andrey Schafis, Ligerz, BE

«Wir bauen unsere Weine gerne im Holz aus», sagt Beni Andrey.

Weingut Andrey Schafis, Ligerz, BE

Wein und Speisen gehören bei der Domäne Andrey Schafis in Ligerz zusammen.

Events am langen Fasstisch. Mit dem Engagement der beiden jungen Leute zog frischer Wind ins alte Winzerhaus ein: andere Etiketten, Wechsel von Bordeaux- zu Burgunderflaschen, ein vergrössertes Angebot, neue Holzfässer aus Schweizer Holz von der Küferei Suppiger. «Wir bauen unsere Basisweine, also Chasselas, Pinot noir und Pinot gris, gerne im Holz aus», sagen sie. Aus Lyse, Lore und Fryde, den drei grossen Fässern, die seit langem ungebraucht im Keller standen und auch im Logo des Weinguts verewigt sind, wurde ein Weinregal, eine Theke und ein sechs Meter langer Tisch. «Der vielleicht längste Fasstisch der Welt», mutmassen Arielle und Beni Andrey. Hier, im neuen Degustationsraum, finden jetzt Degustationen statt, die mit einer Rebenwanderung kombiniert werden. Das rustikale Kellergewölbe der Andreys wie auch die grosse Terrasse mit herrlichem Blick auf den Bielersee sind weitherum bekannt für die Treberwurst-Events (Mitte Januar bis Mitte März), den Weihnachtsmärit (Ende November) und für Raclette, Fondue oder «Wein & Fisch». Neu im Angebot sind die Tapas, die von Frühling bis Herbst jeden Donnerstag und Samstag angeboten werden: regionale Spezialitäten, serviert als Tavolata zum Teilen am Tisch. Etwa Arancini aus Aare-Reis, Hummus aus Kichererbsen aus Pieterlen, Fleisch, Wurst und Käse aus dem Jura.  

Weingut Andrey Schafis, Ligerz, BE

Im Weinkeller setzt man auf neue Holzfässer aus Schweizer Holz.

Das Weingut

Das Weingut liegt auf einer Anhöhe mit Blick auf dem Bielersee.

Das Winzerpaar setzt auf Nachhaltigkeit. Im Weinsortiment von Arielle und Beni Andrey sind die Klassiker der Eltern natürlich weiterhin vorhanden: Chasselas, Pinot noir, Chardonnay und Oeil-de-Perdrix. Aber auch ziemlich viele Neuschöpfungen sind dazu gekommen. Sehr gelungen sind ihnen die beiden Lagenweine «Au Clos» (weiss) und «Roche au Cros» (rot). Beide werden spontan vergoren, im Holz gereift und unfiltriert abgefüllt. «Es sind eigentlich Naturweine – aber kontrollierte», sagen die beiden Winzer. «Alle unsere Erfahrungen aus Südafrika haben wir in diese beiden Nischenprodukte gesteckt». Wie bei «Creation» gesehen, legen sie beim Rotwein 20 Prozent der Beeren mitsamt den Stielen in den Gärbottich, der Rest wird entrappt. Neu angepflanzt wurde vor vier Jahren die Sorte Cabernet Franc, die sie später sortenrein ausbauen wollen. Und seit 2022 werden die fünf Hektar der Andreys in Schafis biologisch bewirtschaftet. Überhaupt ist Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema. Solarzellen decken den Strombedarf bereits zu einem Viertel ab, zur Weinverarbeitung wird Schwerkraft statt Pumpe eingesetzt, eine neue Kühlanlage erlaubt bessere Bedingungen. «Schon das Motto der Eltern lautete ‹Natur und Qualität im Einklang›, dem leben auch wir nach.» 

Coup de Coeur:  

Arielle nennt den weissen Lagenwein «Au Clos». «Dieser gereifte Chardonnay ist mit seiner schönen Säure und den leichten Tanninen ein guter Essensbegleiter.» Beni: «Für mich variiert das von Jahr zu Jahr. Im Moment freut mich unsere Limited Edition ‹Roche au Cros› des Jahrgangs 2021 ganz besonders».  

Das passt zusammen:  

Den weissen «Au Clos» serviert Arielle gern zu einem Dessert oder zu einem ganzen Hecht aus dem Ofen. Beni schätzt den filigranen roten «Roche au Cros» zu einem Pilzgericht oder zu Kalbfleisch.  

Das liegt im Keller:  

Weiss und Rosé: Chasselas, Naturtrüeb, Freisamer, Pinot gris, Sauvignon blanc, Chardonnay «Vertmont», Chardonnay «Au Clos», Blanc de Noir, Oeil-de-Perdrix.  

Rot: Pinot Noir, Pinot Noir «Vertmont», Pinot Noir «Roche au Cros», Regent, Gamaret.

Schaumweine: «Cuvée d’Andrey», Pet Nat.  

Gebranntes: Marc, Drusen, Weinbrand.  

Gault-Millau-Köche mit Andrey-Weinen:  

Stefan Beer im «Victoria-Jungfrau Grand Hotel & Spa» Interlaken (17 Punkte), Marc Joshua Engel im «Aux Trois Amis» in Schernelz (17 Punkte), Manuel Zaugg im «Du Bourg» in Biel (neu).  

 

www.andreyschafis.ch 

 

 

Fotos: HO