Fotos: Sedrik Nemeth
Radikaler Landschaftswechsel. Zu den Eigen- und Schönheiten der Schweiz gehört es, dass man oft nach nur wenigen Kilometern oder Fahrminuten in einer völlig neuen Welt ankommt. Besonders eindrücklich ist das in und um Genf: Gerade noch sind wir, aus Zürich kommend, im staatsmännischen Mercedes-Maybach S 680 am Flughafen und an der nüchternen Gewerbearchitektur vorbeigeschwebt. Aber statt Sachlichkeit in Stahl, Glas und Beton säumt jetzt Weinberggrün die Strasse. Wir fahren durch pittoreske 30er-Zonen, und wie aus dem Nichts erleben wir dörflichen Charme statt urbaner Hektik.

Einer der besten Winzer der Schweiz: Jean-Pierre Pellegrin auf seiner Domaine de Grand'Cour in Satigny.
Offene Werkstatt. Durch eine schmale Hofeinfahrt geht es, wenn man so will, in die offene Werkstatt eines der besten Winzer der Schweiz. Jean-Pierre Pellegrin bewirtschaftet die Domaine Grand’Cour in der neunten Generation; in der GaultMillau-Ausgabe 2027 figuriert er unter den «Winzer-Ikonen» des Landes. Und die zehnte Generation steht schon bereit: Auch Sohn François arbeitet längst auf dem Familienweingut mit. Zehn Hektar Fläche, zwanzig verschiedene Weine – «halb weiss, halb rot» – und viel Handarbeit gibt es in Pellegrins Reich. Der professoral wirkende Winzer spricht gern über die historischen Fakten des Guts, dessen archäologische Spuren bis ins 9. Jahrhundert reichen. «Man muss die Geschichte kennen, um seine eigene schreiben zu können», sagt der 65-Jährige.

Zwei Generationen: Jean-Pierre Pellegrin und Sohn François.

Unser Guide für Genf: 19-Punkte-Chef Philippe Chevrier.
Meister aller Klassen. Ganz in der Nähe der Domaine liegt Satigny, ein weiteres Winzerdorf mit landesweiter Ausstrahlung: Hier ist Philippe Chevrier zu Hause, seine Domaine de Châteauvieux ist 19-Punkte-Restaurant, Hotel, Genussshop und Firmenzentrale zugleich. Der hyperaktive Koch betreibt sechs Restaurants mit insgesamt 140 Angestellten und ist unser Guide auf der Tour durch die Genfer Region.

Regionaler Klassiker: Froschschenkel auf Kartopffelpüree mit Knoblauch und Petersilie im Café de Peney.

Bistro-Küche mit Anspruch: Chef Yannick Geoffroy.
Rôtisserie im Hinterhof. Chevrier empfiehlt einen Besuch im Café de Peney (13 Punkte), nur ein paar Maybach-Minuten entfernt. Beim Hinterausgang der Küche steht eine Rôtisserie, darin dreht gemächlich ein Lammgigot. Am Herd Yannick Geoffroy, der sagt, er habe den Braten um 9 Uhr in Gang gesetzt, damit er zum Mittagessen fertig sei. Bistroküche mit Anspruch lautet die Devise. Die gilt auch für das «Relais de Chambésy» im Herzen des UNO-Quartiers, auf dessen Parkplatz Autos mit Diplomatenkennzeichen stehen und in dessen Küche Alleinkoch Jean-Luc Bocquet Eglifilets brät und Bœuf Tatar anrichtet.

Alleinkoch Jean Luc Bocquet («Relais de Chambésy») im Herzen des UNO-Quartiers.

Zu empfehlen: Millefeuille in der Boulangerie & Patisserie Guillaume Bichet.
Geniale Patisserie. Noch eine gute Chevrier-Empfehlung ist die Filiale der Boulangerie Guillaume Bichet in Versoix. Bichet war jahrelang der geniale Mann für Patisserie in der Domaine de Château-vieux und verstarb 2024 im Alter von nur 37 Jahren. Seine in Schokolade gegossenen oder aus Teig und Creme zusammengesetzten Ideen leben zum Glück weiter. Wir empfehlen die Pralinés oder Millefeuille mit Himbeeren.
Tour de Genéve: vorbei am Wahrzeichen Jet d'Eau.
Lieber etwas länger am Steuer. Am Ende unserer Genussfahrt landen wir im Genfer Stadtzentrum, wo Philippe Chevrier im Globus an bester Shopping-Lage «Les Aviateurs» und den Burger-Laden «Denise’s» betreibt. Die Lokale spannen zusammen: Gäste können im Café einen Drink bestellen – und beispielsweise das Miniburger-Trio (Rind, Poulet, vegetarisch), das im «Denise’s» frisch zubereitet wird. Danach wühlen wir uns durch den Samstagsverkehr in Richtung Autobahn, aber am Steuer eines Maybachs sitzt man ohnehin gerne etwas länger. Nie hat der Satz «Der Weg ist das Ziel» besser gepasst.


