Fotos: David Künzler
Absturzgefahr gleich null. Besonders sexy ist die Adresse nicht. «Maihöfli», Maihofstrasse 70. Aber im hübschen Häuschen, mal als Bahnhof konzipiert, kocht einer der besten, einfallsreichsten und geschmacksichersten Chefs der Stadt: Robert Steuri. Im Sommer gehen wir besonders gerne hin: Der verborgene Hinterhof-Garten (alte Bäume, Kieselsteine) ist eine Oase der Ruhe. Steuri überrascht uns immer wieder: Er klemmt pro Gang ziemlich viele Komponenten zwischen seine Pinzette. Aber die Absturzgefahr ist gleich null.

Kleinkunst zum Start: Edamame, Sushi, Ingwer, Ponzu, Kombu Algen.

Der verborgene Garten! Maihöfli-Menü, serviert unter schattigen Bäumen.

Prädikat verführerisch: Tartelettes, Ajo Blanco, konfierter Knoblauch.
Der «Maihöfli»-Trick. Vertraute Gerichte werden neu inszeniert und auf ein höheres Level gehievt. Beim klassischen Rindstatar fallen uns Eigelb und Mayonnaise auf den ersten Blick auf. Aber: Sardellen ersetzen in der Mayo das Salz. Und Steuri weiss genau, was dazu passt: Speck und Bohnen! Ein kleinstteilig geschnittener Bohnensalat mutiert zu einem «Bödeli», Specksud sorgt für Pfiff. Ein steiler Start ins Sommermenü, das zu unserer Überraschung auch mittags draussen im Garten freudig bestellt wird.
Bohnen & Speck nach Steuri-Art! Rindstatar auf Bohnen-«Bödeli», mit rassigem Specksud.
Rüebli-Orgie & Paella-Komponenten. Man muss nicht jeden Gang neu erfinden, vor allem nicht, wenn er bei den Gästen prima ankommt. Also schafft es die «Rüebli-Orgie» wieder ins Menü: Rüebli fermentiert, Rüebli gepickelt, Rüeblisorbet, Rüeblimousse, dazu Kimchi, Dill und Salzzitrone, 100 Prozent vegan! Zwei neue Gerichte haben uns schwer überzeugt. Zuerst der Heilbutt, zubereitet wie eine Paella. Der oft etwas unterschätzte Bruder des Steinbutts wird ganz klassisch sieben Minuten lang bei 60 Grad konfiert. Durchsetzen muss er sich gegen verschiedene Paella-Elemente: Bomba-Reis, geschmorte Kaninchen-Würfel, Erbsli, Miesmuscheln. Grosses Kino! Nicht immer gibt es im «Maihöfli» einen so noblen Fisch. Im Herbst ist Wels angesagt, mit Vorurteilen belastet, bei Streuli unter Sauerkraut, Speck und Schnittlauch diskret versteckt, besser als befürchtet.

Team «Maihöfli» Luzern: v.l. Moritz Mayer, Chef Robert Steuri, Severin Geser, Larissa Bernet.
«Pork Szechuan Style.» Auch das Schwein von der Metzgerei Heinzer im Muotathal kriegt die volle Ladung. Das Bäggli ist aufregend gut geschmort, Wasserspinat, Blumenkohl, Erdnuss, Ingwer, Chili, Knoblauch gibt’s dazu – und vor allem eine Dosis (Überdosis?) Szechuan-Pfeffer. «Pork Szechuan Style», sagt der Chef dazu ganz cool, «ein Schmorgericht und eine Schmorsauce ist bei mir immer im Menü Für uns Köche die grössere Herausforderung als Filets braten.» Finale? Ein paar Drehungen «Tête de moine» mit Birnen, Baumnuss, dann Blaubeeren mit Hafer und Rosmarin. Pinzettenarbeit bis zum Schluss. Vegane Menüs, Parkplätze neben dem Haus.


