Nenad Mlinarevic
Starchefs

Nenad Mlinarevic sagt dem Luxushotel tschüss!

Einer der begabtesten Starchefs steigt aus: Nenad Mlinarevic (18 Punkte) verlässt das Park Hotel Vitznau.

22. Juni 2017

Interview: Urs Heller

Nenad Mlinarevic, das Park Hotel Vitznau trägt Sie auf Händen. Trotzdem haben Sie auf Ende November gekündigt.

Ich hatte tatsächlich sechs fantastische Jahre. Ich hatte als Chef des «focus» alle Möglichkeiten, und für diese Unterstützung möchte ich mich herzlich bedanken.

 

Sie haben viel erreicht und gehen trotzdem.

Ich habe 18 Punkte im GaultMillau, zwei Sterne im Michelin und war 2016 Koch des Jahres. Auch werde ich gut bezahlt. Trotzdem frage ich mich: Ist das meine Zukunft? Wohin entwickelt sich die Luxus-Gastronomie? Will ich jetzt noch 30 Jahre so weitermachen?

 

Sie wollen nicht.

Nein. Ich bin ein unruhiger Mensch, möchte immer wieder etwas Neues versuchen. Ich habe gekündigt, um eigene Projekte voranzutreiben, um ein neues Level zu erreichen. Die nächsten zwei Jahre sind dafür reserviert. Dass ich dann wieder fix in einem Restaurant kochen werde, schliesse ich nicht aus.

 

Ihr erstes Projekt in der wiedergewonnen Freiheit?

Im Dezember und Januar starte ich mit meinem Freund Valentin Diem (ValeFritz) in Zürich ein Pop-up-Projekt. Auf 1000 Quadratmetern.

 

Pop-up kann jeder. Dafür sind Sie zu gut und zu ehrgeizig.

Sie haben recht. Es gibt wohl schon etwas zu viele Pop-up-Projekte. Aber ich habe ja noch andere Pläne. Ich möchte beispielsweise den «Most Exclusive Chef’s Table» anbieten.

 

Was wird daran so exklusiv sein?

Nun, der «Chef’s Table» steht bei mir in der Wohnung. Ich koche zu Hause ganz exklusiv für sechs bis acht Gäste.

 

Meine Theorie: Sie sind ein Stadt-Kid. Im ländlichen Vitznau ist es Ihnen zu beschaulich geworden.

Stimmt. In Vitznau ist im Sommer viel los und natürlich auch an allen Wochenenden. Aber es gibt hier auch ruhige Tage. Ich träume vom Kochen mitten in einer grossen Stadt, in einer offenen Küche, für eine lange Tafel. Ich habe auch den Drang nach Selbstständigkeit. Ich möchte jetzt mal mein eigener Boss sein.

 

Unterstützen Ihre Partner Sie auf dem Weg in die «urbane Freiheit»?

Ja. Globus hat viel vor, und ich unterstütze die Pläne mit meinen Rezepten. Auch mit BMW gibt es einige vielversprechenden Projekte.

 

Noch bis Ende November gibts im Park Hotel Vitznau Ihre grandiosen Menüs mit ausschliesslich Schweizer Produkten.

Klar, und ich gebe Vollgas bis zum letzten Tag.