Fotos: Sedrik Nemeth

So geht Palace-Hotel. Bereits der Empfang ist eindrücklich. Vom Bahnhof Zermatt geht’s mit Ross (Freiberger Pferde) und Wagen (rot) zum Hotel. Und im «Mont Cervin Palace» fühlt man sich auf Anhieb wohl. General Manager Rafael Biner ist ein Grossmeister der Gastfreundschaft und erst noch ein Einheimischer. Das ist in dieser recht eigenwilligen, selbstbewussten Dorfgemeinschaft nicht von Nachteil. Biner weiss, was von einem Palace-Hotel erwartet wir: Hervorragend trainierte Mitarbeiter. Erstklassige Restaurants. Und eine richtig gute Hotel-Bar. Trotz Erfolg: 2027 wird (endlich) gebaut. Dann sind Zimmer, Suiten und Gesellschaftsräume wieder auf dem neuesten Stand und kriegt das Swiss Deluxe Hotel mit seiner ganz besonderen Palace-DNA auch einen neuen Namen: «La Réserve»! So heissen die luxuriösesten Hotels im Portefeuille des Genfer Unternehmers Michel Reybier.

Mont Cervin Palace, Zermatt.

Fünf Sterne in Zermatt: «Mont Cervin Palace». Eine grosse Renovation ist in Planung.

«Capri» am Matterhorn. Mein Lieblingsrestaurant im Haus? Das «Capri». Seit über 20 Jahren hat das «Mont Cervin» einen Deal mit dem «Capri Palace». Elf Köche von der Insel überwintern jeweils im Matterhorn-Dorf, mit spürbarer Begeisterung. Sie reisen mit komplettem Serviceteam an und natürlich auch mit den besten Produkten aus ihrer Heimat. «Die ganze Welt beneidet uns um unsere Amalfi-Zitronen. Was soll ich da mit Yuzu», sagt Executive Chef Salvatore Elefante, der in Zermatt gerade für seinen Resident Chef Vincenzo Tedeschi einspringt: Vaterschaftsurlaub! Die Ragazzi wissen sehr genau, wie ambitionierte, moderne italienische Küche geht.

Mont Cervin, Pezzogna maturata.

Edelfisch aus Capri Pezzogna, eine Woche gereift.

Ana Vichy.

Ana Vichy, Sous-Chefin im «Capri». 

Ravioli con coniglio all'ischitana.

Ravioli all'ischitana, mit Kaninchenfleisch.

Tagliolini, Gamberi rossi, Burrata! Da kommt der Fisch schon mal roh und eine Zusatzwoche gereift auf den Teller («Pezzogna maturata»). Da wagt man sich an einen ziemlich frechen Surf & Turf: Kaninchen-Ravioli wie in Ischia, Langustinen wie auf Capri. Beide Komponenten prägen die Sauce: Chüngeli-Jus & Scampi. Natürlich bleibt der beste Gang, den die Ragazzi je komponiert haben, auf der Karte. Hausgemachte Tagliolini, Gamberi rossi aus Mazara del Vallo, Burrata aus Apulien, Meeresspargeln, Limonen. Das «Capri» ist im GaultMillau mit 17 Punkten bewertet; die Nummer 1 im Dorf, zusammen mit Heinz Julens «After Seven».

Die Magie von «Joseph’s Bar». Das «Mont Cervin» ist auch mit den Feuer-Restaurants «Grill» (14 Punkte) und «1818» (13 Punkte) im GaultMillau gelistet. Aber da gibt es noch eine dritte heisse Adresse, die mir imponiert: «Joseph’s Bar». Immer mehr Gäste «gehen loungen», buchen fürs Nachtessen lieber einen Tisch in Halle, Lobby & Bar als in einem Restaurant. Also geht’s im «Joseph’s» nach Afternoon Tea und Cocktails zum Apéro gegen Abend nochmals so richtig los. Executive Chef «Cookie» Kockelkooren erfüllt jeden Wunsch: Crudos, Gillardeau-Austern & Kaviar, Tournedos Rossini & Wiener Schnitzel. 

Good news für Geniesser. Das Fischrestaurant des Hauses ist (leider) wieder geschlossen, aber die besten Fischgerichte gibt’s immer noch, im Grand Restaurant und im «Joseph’s»: Dicke Seezungen. Hummer-Navarin. Langustinen mit ultrakräftiger Bisque auf Fregola Sarda. Chef «Cookie» weiss auch, wie Frühstück im Luxusrestaurant geht: Die Saaser Huuswurst, der grossteilige Käsewagen und das liebevoll zusammengestellte Kuchenbuffet haben mir besonders gefallen. Das Rührei aus dem grossen Topf weniger. Die müssen wie Omelette & Co. frisch zubereitet aus der Küche kommen.

«Nescens» am Matterhorn. Gemeinsamer Nenner aller grossen Reybier-Hotels: Ein «Nescens»-Spa. Passt auch in die Zermatter Bergwelt. Der grosse Spa-Umbau steht noch bevor, aber Erkenntnisse und Therapien der Clinique Nescens werden in elegantem Rahmen bereits umgesetzt: Longevity-Experten auch aus anderen Häusern checken ein, erfahrene Therapeutinnen kümmern sich um die Hautgesundheit, ein «Nach-Ski-Ritual» ist auch im Angebot: Gezielte, regenerierende Massage für beanspruchte Muskeln, hochmoderne Technologie zur Förderung der Erholung.

PS. Tipp für die kleine Flucht aus dem Mont Cervin-Fünfsterne-Paradies: Das Schwesterhotel «Monte Rosa», Zermatts älteste Herberge (1839). Das Raclette («Alt-Senn»-Käse aus dem Goms) in der «Whymper Stube» kann ich wärmstens empfehlen.

www.montcervinpalace.ch


Foto Zimmer: Michel Reybier Hospitality