Sie werden dieses Jahr zum ersten Mal Mutter. Wann ist es so weit?
Ich bin im siebten Monat und freue mich natürlich sehr auf den grossen Tag. Ich hatte den Kinderwunsch schon lange und kann sagen: Es ist der perfekte Zeitpunkt. Meine drei Betriebe sind sehr gut aufgestellt, die Teams mit ausgezeichneten Leuten besetzt, denen ich voll und ganz vertraue.
Wie sehr beeinflusst die Schwangerschaft Ihr Leben jetzt schon?
Die Sommerhitze hat mir ganz schön zugesetzt, noch mehr als sonst. In der Küche im «Kle» stieg das Thermometer regelmässig über 40 Grad. Ich bin also sehr froh, dass es nun endlich kühler ist.
Gibt es einen Fahrplan, wann sie nach der Geburt ins operative Geschäft zurückkehren werden?
Ich möchte das ganz intuitiv angehen, und sicher erst einmal das Muttersein geniessen. Wenn ich mich nach einem Monat bereit fühle, Mails zu beantworten oder über neue Gerichte nachzudenken, werde ich es tun, wenn nicht, warte ich auf den richtigen Moment.
Sie bezeichnen sich selbst als introvertiert. Wie gehen Sie damit um, dass sich die Öffentlichkeit wegen Ihrer Bekanntheit auch für sehr private Dinge wie die Schwangerschaft interessiert?
Mein Gesicht und meine Persönlichkeit sind Teil meiner Restaurants. Da ist es klar, dass es dieses Interesse gibt. Es stört mich nicht, aber ich habe natürlich klare Grenzen, was ich öffentlich mache und was privat bleibt.

Bald zu dritt: Die «Kle»-Chefin und ihr Ehemann Marc werden Ende Jahr erstmals Eltern.
Sie haben sich schon immer viele Gedanken über ökologische und politische Themen gemacht. Hat sich das noch verstärkt, seit Sie wissen, dass Sie Mutter werden?
Der Schluss liegt nahe. Zum Glück herrscht im Kopf einer schwangeren Frau zwischendurch ein ziemliches Durcheinander, so fällt es mir leichter, nicht zu sehr an die Probleme unseres Planeten zu denken. Die Liste ist auch schlicht zu lang. Ich versuche, mich dort einzubringen, wo ich etwas bewegen kann. Sei es mit einem Charity-Anlass oder dadurch, dass ich für meine Mitarbeitenden ein positives Arbeitsklima schaffe und für die Gäste Orte, an denen sie sich rundum wohlfühlen können.
Sie arbeiten im «Kle» grösstenteils mit Produkten aus einem Umkreis von 50 Kilometern. Da spüren Sie die Auswirkungen des Hitzesommers 2026 ganz direkt.
Die Konsequenzen für unsere Partner in der Landwirtschaft sind enorm. Tomaten oder Auberginen fühlen sich bei diesen Bedingungen zwar sehr wohl, auf andere Pflanzen hat die Hitze aber einen verheerenden Einfluss. Mais zum Beispiel gedieh immer sehr gut in der Schweiz, dieses Jahr ist ein grosser Teil der Ernte vertrocknet. Ich habe bei Slow Grow in Mönchaltorf trotzdem Mais bestellt und überlege nun, was wir damit anstellen könnten.

Zizi Hattab, hier neben Paolo Casanova, erhielt 2025 in Bern die «kulinarischen Meriten».

Das «Kle» in Zürich-Wiedikon gilt als bestes veganes Lokal im Land.

Kunst à la «Kle»: Aprikosen-Karotten-Tamal, Maiscake, Mangold-Kimchi, Karottencreme.
Diesen Herbst erscheint Ihr zweites Buch, in Zusammenarbeit mit dem renommierten Phaidon-Verlag. Ein stolzer Moment.
Und ein glücklicher! Ich wusste gar nicht, dass vor mir aus der ganzen Schweiz nur mein langjähriger Mentor Andreas Caminada ein Kochbuch mit Phaidon herausgebracht hat. Das macht es noch ein wenig spezieller. Wir haben rund zwei Jahre am Projekt «Vegan Vegan!» gearbeitet, es war schon noch einmal eine grössere Kiste als mein Erstling «Taste of Love». Da das Buch auf Englisch erscheint, erreichen wir viele Menschen, die wir bisher nicht ansprechen konnten.
Was können Ihre Fans von «Vegan Vegan!» erwarten?
Einen bunten Strauss von über pflanzenbasierten Rezepten für den Alltag und für spezielle Gelegenheiten. Es gibt zum Beispiel eine Tartine mit Feigen, Cashew-Miso-Aufstrich und Orangenreduktion, meine Version des Smashburgers, glasierte Süsskartoffel-Milch-Buns oder einen Mediterraneo mit Orangenblüten und Erdbeeren. Ein Mediterraneo ist eigentlich einfach Orangensaft mit Glace drin und in der Gegend um Valencia sehr beliebt

Sie sprechen die gleiche kulinarische Sprache: Zizi Hattab mit «Kle»-Küchenchef Alessandro Scaccia.
Wie haben Sie es geschafft, ein Buch und drei Restaurants unter einen Hut zu bekommen?
Es war schon ein wenig herausfordernd. Wir hatten kein Studio zur Verfügung, sondern haben alles im «Kle» geshootet. In den Zeiten vor dem Service stand alles voller Teller und Kisten. Das «Kle»-Team musste unter erschwerten Umständen arbeiten und irgendwo in dem Durcheinander einen Platz zum Essen finden. Immerhin gab es viel zu probieren, das war die Entschädigung.
Wer hat alles am Buch mitgearbeitet?
Unsere Social-Media-Managerin Dasha Tovstenko hat mich bei den Shootings tatkräftig unterstützt, mein Küchenchef Alessandro Scaccia bei der Zubereitung und beim Plating der Gerichte. Auch sonst bin ich unheimlich froh, dass Ale seit so langer Zeit an meiner Seite ist. Er war schon immer ein grossartiger Koch und Mensch, ist aber in den letzten Jahren enorm gewachsen. Heute ist er mein Partner im «Kle» und ein echter Leader, der die Menschen um ihn herum mitreisst und begeistert.

«Shef's Kitchen Party 2025»: Steffi Mittler, Nicole Lüthi, Zizi Hattab, Silvia Manser, Nadine Stadelmann, Bernadette Lisibach, Tanja Grandits, Noémie Bernard, Nadine Wächter-Moreno (v.l.).
Wie wichtig sind Events wie die «Shef's Kitchen Party» in Bad Ragaz, die am 25. Oktober zum zweiten Mal stattfindet für die Sichtbarkeit ambitionierter Köchinnen?
Sehr wichtig. Die Fine-Dining-Szene ist noch immer sehr männlich. Und auch an Festivals kochen vor allem Männer. Ich würde mir wünschen, dass es eine grössere Durchmischung gäbe und es irgendwann einmal nicht mehr nötig ist, Anlässe zu organisieren, die sich ganz auf Köchinnen fokussieren. Bis dahin geniesse ich es aber sehr, mich in einem so speziellen Rahmen mit Berufskolleginnen austauschen zu können. Ich hoffe, dass ich auch bei der zweiten Auflage der «Shef's Kitchen Party» dabei sein kann. Geplant ist es auf jeden Fall.
Zum Schluss noch eine Frage aus aktuellem Anlass. Sie schliessen im Februar das «Cor» an der Weststrasse, weil das Haus renoviert wird. Wie geht es mit dem Konzept weiter?
Wir suchen intensiv nach einer Lösung. Auf jeden Fall möchten wir in Wiedikon bleiben, damit alle Lokale nahe beisammen liegen. Das «Cor» bedeutet mir sehr viel, ich verbringe wahrscheinlich in keinem meiner Betriebe so viel Zeit.
>> Zizi Hattab führt in Zürich drei Lokale: das «Kle», das «Dar» und das «Cor». Die Küche im «Kle» ist mit 15 GaultMillau-Punkten und einem Michelin-Stern ausgezeichnet.
Fotos: Erna Drion, Nik Hunger, David Biedert, Thomas Buchwalder, Adrian Bretscher

