Land der 7000 Seen. «Daniel’s Dream» heisst das bunte Buch, das am 20. Januar 2026 in den USA erscheint. Darin erzählt Daniel Humm, der Schweizer Starchef in New York, seine persönliche Geschichte im kindgerechten Format und mit Bildern der llustratorin Diana Pedott. Es geht um einen Jungen, der in einem kleinen Land mit 7000 Seen aufwächst und dem alles, was er gerne macht, zu weit, zu lange, zu laut und zu gross gerät. Er rennt, bis er seinen Schuh verliert; er lernt zu jonglieren und übt so lange weiter, bis er einem Zirkus beitreten kann oder fährt Velo, bis die Mechanik versagt.

Das erste Kinderbuch vom Starchef: «Daniel's Dream» von Daniel Humm & Roda Ahmed mit Bildern von Diana Pedott (Hightree Publishing).
Krisenstimmung in der Schule. Im Zentrum steht eine autobiografische Episode des damals neunjährigen Daniel Humm, der in der Schule sein Traumhaus auf ein Blatt Papier malen sollte. Weil das Papier für seine Vorstellung von einem Haus nicht gross genug war, malte Daniel über das Papier hinaus auf das Pult. Das habe sowohl beim Lehrer in der Schule als auch zu Hause bei seinen Eltern für grosses Unverständnis und Krisenstimmung gesorgt, erzählt Humm heute. «Die Geschichte hat sich tatsächlich so zugetragen, auch wenn sie natürlich für das Buch etwas ausgeschmückt wurde», sagt Humm.

Die Schlüsselszene: «Zeichne dein Traumhaus!»

Daniel Humm Eleven Madison Park
Platz fürs Traumhaus. In der Folge musste Humm «jeden Mittwochnachmittag zu einer Therapiesitzung mit einer Psychologin», erzählt er. Die Therapeutin sei eine «super Frau» gewesen und jemand, von dem er sich verstanden gefühlt habe. Den Satz «Für Träume gibt es keine Regeln», habe er bei ihr zum ersten Mal gehört. Zusammen hätten sie mit Lehm gearbeitet oder grosse Rollen Papier im Zimmer ausgelegt, so dass er das Haus seiner Träume doch noch in voller Grösse zeichnen und alles darin unterbringen konnte, was er sich erträumt hatte. Dass es ein Wolkenkratzer war, obwohl er zu diesem Zeitpunkt noch nie in Amerika war, sei rückblickend erstaunlich.

Vegane Sensation: Seidentofu mit Lauch, Zwiebeln und Pinienkernen.
Radikale Wendungen. Bis heute ist Daniel Humm jemand, dessen Ideen schon immer etwas grösser waren als ein durchschnittliches Blatt Papier. Mit beeindruckender Konsequenz hat der heute 49-Jährige in seiner Karriere immer wieder radikale Wendungen genommen, ist grosse Wagnisse eingegangen und hat damit Erstaunliches erreicht. In welche Richtung Humms Leben einmal gehen würde, war im Kindesalter allerdings kaum absehbar. Er jonglierte, fuhr Radrennen oder spielte Bass in einer Punk-Band. «Dass ich das Kochen entdeckt habe, hat sich als wunderbarer Zufall so ergeben. Aber es hätte vermutlich auch etwas Anderes sein können», sagt Humm heute. Einsatz, Fleiss und Begeisterungsfähigkeit seien aus seiner Sicht die wichtigsten Faktoren für Erfolg.

Nummer eins der Welt: Daniel Humm und sein früherer Partner Will Guidara bei «World's 50 best Restaurants» 2017.

Jubiläum: Seit 20 Jahren führt Daniel Humm das «Eleven Madison Park» im Zentrum von Manhattan.
Stationen einer Karriere. Seit 20 Jahren führt Daniel Humm jetzt das «Eleven Madison Park» in New York. Im Januar 2026 wird deshalb ein spezielles Menü mit ikonischen Gerichten wie «Milk and Honey» serviert. Im grandiosen Art-Deco-Restaurant mitten in Manhattan hat der Schweizer Starchef Geschichte geschrieben: 2010 erhielt Humm seinen ersten «Michelin»-Stern im «EMP», im Jahr darauf gab es direkt drei Sterne. 2017 folgte Platz eins auf der Liste der «World’s 50 best Restaurants» und nach einem radikalen Kurswechsel war Humm 2022 der erste Koch überhaupt, der für vegane Küche ebenfalls mit drei Sternen ausgezeichnet wurde. Seit einigen Monaten werden wieder einzelne Gerichte mit tierischen Produkten serviert – etwa die ikonische Ente mit Lavendel-Honig-Glasur oder der in Butter pochierte Hummer. «Die Hälfte der Gäste bestellt trotzdem das vegane Menü, und die andern essen ebenfalls 60 Prozent Gemüse. Damit habe ich mein Ziel erreicht», sagt Daniel Humm über die Auswirkungen des Richtungswechsels.

Kreativer Geist: Daniel Humm bespricht mit seinem Team neue Gerichte.
Der EMP-Spirit. «Das Wichtigste aber, was ich im ‹Eleven Madison Park» erreicht habe, ist die Kultur, die wir hier erschaffen habe. Die trägt mich auch selbst an Tagen, an denen ich nicht voller Energie bin.» Der kreative Geist, der Umgang mit den Gästen und die schiere Durchschlagskraft von Ideen machen das Restaurant zu einem aussergewöhnlichen Ort. «Wenn jemand uns sagt, ‹das könnt ihr nicht machen›, dann lautet die Antwort: ‹Wir schauen mal›», sagt Humm über den «Spirit» in seinem Restaurant. Dass er in der Regel einen Weg findet, auch grosse Träume wahr werden zu lassen, hat er schliesslich schon als Kind bewiesen.
Fotos: Juan Minder, Evan Sung, Yè Fan, Diana Pedott, HO

