Text: Stephan Thomas

«Pola» im Palazzo. Es ist kein gewöhnliches Weingut, das wir hier betreten. Das Sprecherhaus ist ein barocker Palazzo, um den halb Italien die Maienfelder beneiden müsste. Im Untergeschoss reiht sich ein Gewölbekeller an den andern. Die Weine degustieren wir in der historischen Bibliothek, mit ihren gegen 50'000 Bänden die grösste private Sammlung des Kantons Graubünden. Aus der Ecke schaut die Büste von Theophil Sprecher von Bernegg, dem Urgrossvater des heutigen Hausherrn Andreas von Sprecher. Er leitete während dem ersten Weltkrieg als Generalstabschef zusammen mit General Wille die Geschicke der Schweizer Armee.

Pola.

Die Köpfe des Weinguts Pola: Andreas und Claudia von Sprecher mit Rebmeister Rolf Clavadetscher.

Barrique ist hier out. Trotz der illustren Vergangenheit lebt man im Hier und Jetzt, denn es gilt den Ertrag aus den 6.5 Hektaren des historischen Rebbergs «Pola» zu keltern und zu vermarkten, von ihm kommt übrigens der Namen des Guts. Der Tradition ist man allein schon dadurch verpflichtet, dass 70% der Rebfläche mit Blauburgunder bestockt sind. Zu ihm hat Andreas von Sprecher klare Vorstellungen: «Blauburgunder braucht kein Barrique. Diese Mode ist ein wenig vorbei.» Dennoch gibt es den Wein in der Basisline «Pola» mit oder ohne Barriqueausbau. Der Blauburgunder der «Sélection»-Linie, die von Sprechers Namen trägt, hat nur grosses Holz gesehen.

Keine Bubbles. Daneben wagt man sich auch an neue Sorten. Schon 30 Jahre pflegt man Malbec-Stöcke, auch Shiraz ist im Angebot. «Man muss solche Sachen probieren. Nicht alles geht. Zinfandel beispielsweise hat nicht funktioniert.» Malbec und Shiraz dürfen ins kleine Holz - eine Alternative für all jene, denen bei Pinot nicht warm wird. Wir schätzen auch den leicht-duftigen Riesling-Silvaner und den sommerlich-frischen Rosé. Andreas von Sprecher ist kein Liebhaber von Bläschen, deswegen ist kein Schäumer im Angebot.

Wein.

Tradition: Die Pola-Etiketten trotzen der Zeit.

Weingut Pola.

Seit Jahrhunderten Spitzenlage: Der Weinberg Pola in Maienfeld.

Ungezwungene «Polata». In starkem Masse definiert man sich im Sprecherhaus über die Weinanlässe mit Gastronomie, für die Schwiegersohn Burt Butz verantwortlich zeichnet. So gibt es beispielsweise die ungezwungene «Polata», wo Schüssel und Flasche auf dem Tisch stehen. Selbstverständlich macht man auch beim «Wii-kend» mit, wo über das ganze Jahr am Wochenende ein Weinbaubetrieb einlädt. «In Maienfeld ist viel los. Monokultur ist angesichts der vielen Weingüter kein Thema. Man kann hier wirklich etwas erleben.»

Coup de Coeur: Pinot Gris («ideal zum Hochzeitsapéro»)

Das liegt im Keller: Blauburgunder 2024; Chardonnay 2023; Cuvée Noir (85% Blauburgunder, 15% Malbec)

Drei GaultMillau-Köche mit Pola/von Sprecher-Weinen: David Esser im «Alten Torkel» Jenins (14 Punkte). Gion Rudolf Trepp im «Falknis» Maienfeld (13 Punkte). Stefan Wagner im «Stern» Chur (12 Punkte).

Das passt zusammen: Winzerpizza nach Art des Hauses (mit Maienfelder Alpkäse, Rucola, Baumnüssen und Bündnerfleisch) zu Blauburgunder Sélection

www.polawein.ch


Fotos: HO