Goldbraune Perfektion. Die Bezeichnung «Fischknusperli» ist für die durch frisch aufgeschlagenen Bierteig gezogenen, goldbraun ausgebackenen Eglifilets im Gasthaus zur Sonne in Stäfa eigentlich viel zu profan. Denn die knusprigen Meisterwerke von 16-Punkte-Chef Cäsar Meyer haben mit den gängigen Industrie-Knusperli etwa so viel zu tun wie das Schweizer Fussballnationalteam mit einer Grümpelturniermannschaft. Der Bierteig ist so dünn, dass man sogar die Zeichnung der Egli-Haut durchscheinen sieht. Die Qualität der gebackenen Fische bringt einen allerdings auch in die Bredouille: Soll man sie einfach mit ein paar Spritzern Zitrone essen oder zusätzlich in die hausgemachte Mayonnaise tunken? Bild oben: die Terrasse der «Sonne» und Eglifilets im Bierteig.

Innenansicht Meyer, Patricia (Gastgeberin) und Meyer, Caesar Cäsar (Koch, Kuechenchef) im Gasthof zur Sonne. v.l.n.r. Gasthof zur Sonne Staefa Stäfa, 1.3.2017 © HO

Passion für den Beruf: Dank Patricia und Cäsar Meyer ist die «Sonne» eines der besten Lokale am Zürichsee.

Alles aus dem Zürichsee. Alle Süsswasserfische, die in der «Sonne» auf den Tisch kommen, stammen aus dem Zürichsee. Die Meyers arbeiten seit vielen Jahren mit der Familie Weidmann in Stäfa zusammen und neuerdings auch mit der Fischerei Grieser in Obermeilen. Der Deal: Sie kaufen nicht nur die Edelfische, sondern auch das, was sonst noch in den Netzen landet. Alet zum Beispiel legt Cäsar Meyer sauer ein, damit sich die kleinen Gräten des Fisches aus der Karpfenfamilie auflösen, und serviert ihn als Salat mit Apfel und Sauerrahm auf einem Kohlrabi-Carpaccio. Weitere Geheimtipps unter den Vorspeisen: Spargelsuppe mit Zitronengras, Kokosnussmilch und fluffigem Hechtklösschen (ausserhalb der Spargelsaison gibt es eine wunderbare Zürichseefisch-Essenz) und natürlich die Fischleberli mit schwarzer Knoblauchcreme und einem Salätchen an Himbeer-Piment-d‘Espelette-Dressing.

Sonne Stäfa

Erfrischend und kreativ: Variation von Zürichseefischen (gebeizt, mariniert, geräuchert) mit Gurke und Gin.

Das Dilemma und seine Lösung. Auch bei den Hauptgängen beweist der Küchenchef der «Sonne» Kreativität – und verhilft Felchen aus dem Zürichsee zu einem grossen Auftritt. Es gibt sie pochiert an Stäfner Räuschlingsauce mit Kräutern und Holunderblüten oder gebraten an Zitronengras-Kokos-Sauce mit Erbsenpüree und Spargeln. Wer nicht von den himmlischen gebackenen Fischen lassen möchte, bestellt sie in einer kleinen Portion als Zwischengang – oder fastet am Mittag und gönnt sich am Abend in der «Sonne» zwei Hauptspeisen. So lässt sich auch dieses Dilemma lösen. Lust auf Schweizer Fleisch? Auch das gibt es hier! Carpaccio vom Weiderind mit fermentierten Baumnüssen, eingelegten Bärlauchblüten, Rucola-Öl und geeister Morchel etwa oder 48 Stunden gegarten Tafelspitz vom regionalen Angus-Rind an Apfel-Meerrettich-Sauce mit Cidre. 

Sonne Stäfa

Asien lässt grüssen: Hecht mit Miso und Spargel à la Cäsar Meyer.

The Place to b. Bei sommerlichen Temperaturen sitzt man in der «Sonne» auf der Terrasse mit Blick auf den Zürichsee, spielt das Wetter nicht mit, erfreut man sich am Charme der historischen Gaststuben mit den getäfelten Wänden. Wer nicht nur verschiedene Zürichseefische geniessen möchte, sondern auch interessante Weine aus der Region, gönnt sich das «Wine & Dine»-Menü. Zur Variation von Zürichseefischen (gebeizt, mariniert, geräuchert) mit Gurke und Gin wird Sauvignon Blanc Bio 2023 vom Turmgut in Erlenbach ausgeschenkt, zu den Bärlauch-Campanelle mit Brachsmen-Ragout und Meilemer Verjus Riesling-Sylvaner Gold 2023 von Schwarzenbach in Meilen. Den Hecht mit Spargeln und Miso-Sake-Sauce begleitet ausnahmsweise ein «Franzose»: Château Montlau 2023 Cuvée Privée Entre deux Mers aus dem Bordelais. Für eilige Gäste gibt es von Dienstag- bis Freitagmittag einen Business Lunch in zwei Gängen. GaultMillau-Rating: 16 Punkte.

>> sonnestaefa.ch

Fotos: HO

 

Created with Sketch.  | The Place to b.

Die GaultMillau-Tester stellen im Auftrag der UBS jede Woche einen «Place to b.» vor: Adressen für den gepflegten Businesslunch, für den Brunch am Wochenende, für ein Essen mit Freunden, für Trendsetter & Entdecker, für Verliebte. Bereits erschienene «Tipps der Woche» finden Sie hier