Text: Elsbeth Hobmeier | Fotos: Rolf Neeser

Junge Clientèle. Vor und in der Villa Lindenegg, dem parkähnlichen Hotel-Restaurant in Biel, drängt sich eine muntere Schar von Weinfans. Die neu gegründete lose Vereinigung junger Weingüter «Mes amies nos vins» hat zum kleinen, feinen Festival mit Fokus auf den Bielersee-Wein gerufen. Auffallend jung mutet auch die Clientèle an, die mit Velos, in Freundesgruppen oder mit Kleinkindern anrücken – ein ziemlich ungewohntes Bild für eine Weinverkostung. In den letzten Jahren wechselten einige Weingüter am See die Besitzer. Junge Enthusiasten, darunter auch Quereinsteiger, nahmen die Herausforderung an und machen jetzt mit grossem persönlichem Einsatz ihr eigenes Ding. Oft mit reiner Handarbeit, meistens biodynamisch und ungefiltert. Nun schenken sie an einem ersten gemeinsamen Event ihre Weine aus: Die Domaine Bonnet du Fou aus Twann (GaultMillau-Rookie 2026), Clos Vert aus Biel, Keller am See in Ligerz (Rookie 2021), Maison Cap in Ligerz, Terre & Lumière in Biel. Und als Gast sind auch zwei renommierte Weinbaubetriebe aus dem Aargau und der Waadt dabei. Tom Litwan begann seine Laufbahn einst am Bielersee, bevor er in Oberhof AG seinen eigenen Betrieb gründete. Und Laura Paccot von der Domaine La Colombe leitet in Féchy VD einen Pionierbetrieb des dynamischen Weinbaus - «Helena Hebing, die jetzt als Önologin das Bieler Gut Clos Vert betreut, arbeitete einst bei uns».

Roman & Manu von der Domaine Du Fou

Rookies Roman Thürig & Manuel Schneiter, Domaine Bonnet du Fou. 

Angela Christofari für Tom Litwan

Angela Christofari betreute den Stand von Winzer Tom Litwan, der einst in Biel startete.

Villa LindeneggClos Vert, Helena Hebing, Anologin, Noel Urwyler, Winzer, und Thomas Wehrlin, Weinbegeisterter, Biel, Krebs & Steiner Weinfestival

Team Clos Vert: Winzer Noel Urwyler, Weinfan Tom Wehrlin & Önologin Helena Hebing.

Leuchttürme der Region. Degustieren kann man in der Villa Lindenegg auch einige Weine von Sabine Steiner und Andreas Krebs, die zu den arriviertesten Winzern am See gehören und von der GaultMillau-Weinjury seit Jahren zu den «150 Besten der Schweiz» gezählt werden. Mit ihren qualitativ herausragenden Top-Lagenweinen wie dem Chasselas «Clos à l’Abbé», dem Sauvignon Blanc «Summerrode», dem Chardonnay «Clos au Comte», dem Pinot Noir «Tribolettes» und dem Alte Reben «Vogelsang». Sie sind in Bezug auf Terroirweine eine Art Leuchtturm der Region und damit auch ein Vorbild für die neue Winzergeneration. Weil sie sich mit ihrer Überzeugung in der sehr traditionell ausgerichteten Vereinigung Rebgesellschaft Bielersee nicht mehr vertreten fühlten, gründeten sie vor fünf Jahren den Verein «Weinkultur Bielersee».

v.l. Sabine Steiner & Andreas Krebs mit Thomas Gromann mit Kelia Gromann Villa Lindenegg, Biel, Krebs & Steiner Weinfestival

Die Initianten von «Weinkultur Bielersee»: v.l. Sabine Steiner und Andreas Krebs (Weingut Krebs & Steiner), Thomas und Keila Gromann.

«Die Zukunft liegt im Premium-Segment.» Gemeinsam mit Thomas und Keila Gromann, die 2010 ihren ersten Lagenwein «Vogelsang» von Andreas Krebs keltern liessen, wollten sie das Terroir an den Hängen über dem Bielersee sichtbar und erlebbar machen. Beseelt sind alle vier Gründungsmitglieder vom burgundischen Denken, wo Herkunft und Handwerk untrennbar miteinander verbunden sind. «Die Zukunft des Schweizer Weins liegt im Premiumsegment, wobei auch gut gemachte, klassische Basisweine wichtig sind», ist Andreas Krebs überzeugt. «Es wird deutlich weniger, dafür aber Besseres getrunken.» Thomas Gromann setzte von Anfang an auf die Idee, am Bielersee einen langlebigen Terroirwein nach Burgunder-Vorbild zu schaffen. Sein Pinot Noir «Vogelsang Vieilles Vignes» ist inzwischen eine gesuchte Rarität. 

Verjüngung in Sicht. Es tut sich was am Bielersee. Die jungen Betriebe behaupten sich und zeigen bereits jetzt recht schöne Ergebnisse. Aufgefallen: der Lagen-Chasselas und der Pinot Noir «Léchez» von Roman Thüring und Manuel Schneiter (Domaine Bonnet du Fou), der frische Pinot Gris von Morgan Page und Yannick Allemand (Maison Cap), der überraschende, süffig-tiefgründige Gemischter Satz «Eichholz» aus den Sorten Chasselas, Chardonnay, Sylvaner und Cabernet Blanc von Helena Hebing (Clos Vert). Einige von ihnen wollen zu einer Verjüngung der «Weinkultur Bielersee» beitragen, die Gespräche sind am Laufen. «Wir können ihnen unser Renommée und unser Magazin als Plattform bieten», sagen Andreas Krebs und Thomas Gromann. «Und sie bringen uns Bewegung, neue Ideen und eine junge Kundschaft.» Aber eine Bedingung müsse unbedingt erfüllt sein: Jedes Neumitglied muss neben seinen Basisprodukten auch einen oder mehrere Lagenweine pflegen. Damit die Philosophie des Premiumweins vom Bielersee lebt und weiterwächst.

www.weinkulturbielersee.ch