Text: GaultMillau Schweiz
Seit 150 Jahren für Gäste geöffnet. Nächstes Jahr stehen gleich zwei Jubiläen in der «Beckenburg» an: Seit 1877, also genau seit 150 Jahren, werden im Schaffhauser Restaurant nahe des Rheinufers Gäste empfangen. Und: Seit zehn Jahren sind dort Sonja und Claudio Natale am Ruder. Die beiden machen ihre Sache auffallend ambitioniert, weshalb sie vom GaultMillau neu mit 14 Punkten bewertet werden. Nicht nur unsereins ist begeistert, sondern auch die Gäste: An einem Dienstagabend ist praktisch jeder Tisch im rustikal-modernen Gastraum besetzt, so als wäre das Wochenende bereits angebrochen. Grosses Bild oben: Sonja & Claudio Natale, Sellerie-Millefueille mit konfiertem Eigelb, schwarzem Knoblauch & Trüffel.

Bigoli, natürlich hausgemacht, mit Morcheln, Petersiliensud und Verjus.

Vornehm: Rindsfilet mit Sellerie, fermentierter Schalottencreme, Lauch & Trüffeljus.

«Wildes» Dessert mit Rhabarber, Buttermilch. Vanille, Mandel & Sauerampfer.
Perfekt rosa: Beef der Luma-Boys. Das Konzept? Claudio Natale kocht seine Gerichte durchs Band und von Grund auf selbst, und zwar mit regionalen Zutaten, wofür beispielsweise seine Apfelsellerie-Suppe aus dem mehrgängigen Menü spricht. Darin sind Säure, Süsse und Salzigkeit perfekt im Gleichgewicht, die Pastinaken-Chips als Einlage knusprig, auch die gepickelten Apfelwürfeli passen bestens. Mindestens so gelungen: ein rosa gebratenes Iberico-Beef von den Luma-Boys. Noch Biss haben der Frühlingslauch und die Selleriewürfel dazu. Viskos und vornehm getrüffelt ist der Jus. Eine mutig gesalzene Kräuter-Ribelmais-Polenta ergänzt die Komposition, die von der Portion her auch einen Bauarbeiter satt gemacht hätte. Normalerweise stehen bei Gastgeberin Sonja Natale Schaffhauser Weine im Fokus – zum Beef jedoch darf es durchaus ein «Sottobosco» 2022 von Tenimento dell’Ör im Tessin sein, der dem Hauptgang einige aromatische Facetten zusätzlich entlockt.

Seit bald 150 Jahren werden in der «Beckenburg» Schaffhausen Gäste verköstigt.
Wildes, verführerisches Dessert. Am Ende überzeugt das Beckenburg-Ehepaar neben dem sympathischen Auftritt auch mit einem Dessert, das zwar etwas wild zusammengestellt ist, aber dessen Komponenten alle tadellos zubereitet sind: Mini-Apfelstrudel, Vanilleparfait, Rhabarber-Espuma und -sorbet, dazu noch Schokoladencrumble und karamellisierte Haselnüsse. Tatsächlich, die «Beckenburg» ist aus der Schaffhauser Gastronomie einfach nicht mehr wegzudenken. Je nach Sichtweise seit bald 150 oder 10 Jahren.
Fotos: Module+ GmbH, Melanie Duchene, Lens50
