Fotos: Salvatore Vinci

Gutes Wetter für ein Glas Schweizer Wein. Gott muss ein Golfer sein – diesen Eindruck gewinnt man als Gast bei «Les Chefs» auf dem bernischen Golfplatz Blumisberg. Einmal mehr lädt der Schweizer Verband der unabhängigen Golfer (ASGI) zu seinem beliebten Event, und das Wetter zeigt sich mit sonnigen 20 Grad von seiner besten Seite. Das Erfolgsrezept des Turniers ist so simpel wie köstlich: Alle drei Löcher erwartet die Spieler eine Kreation eines Starchefs, begleitet von einem passenden Schweizer Wein. So verlassen die Teilnehmer – gespielt wird im Format Texas Scramble – nach 18 Löchern den Platz garantiert rundum glücklich und satt. Ganz unabhängig davon, wie gut die Schläge am Ende geglückt sind. Grosses Bild oben: Pascal Steffen und sein Gericht.

Steffen hat den Golfbag gezügelt. Aber spielen denn die Starchefs selber auch Golf? Pascal Steffen, 18-Punkte-Chef und aktueller «Green Chef» (mit Golf hat dieser Titel nichts zu tun), hat zwar seit Jahren nicht mehr gespielt, legt aber Wert darauf, dass er vor 19 Jahren in seiner Zeit bei Andreas Caminada die Platzreife erlangt hat. Ihm fehle allerdings momentan die Zeit, den Sport wieder regelmässiger auszuüben: «Den Golfbag hatte ich das letzte Mal im Juni in der Hand – als ich umgezogen bin», sagt Steffen lachend. Sein Gericht für die Teilnehmer: famoses, weich gekochtes Schweinskopfbäggli, hübsch garniert mit eingelegtem Rettich und Radiesli, angegossen mit einem würzigen, aber nicht scharfen Sud mit Szechuanpfeffer aus Sissach.

GMC - 21. Septmeber ASGI Golfclub Blumisberg Björn Inniger Gericht: Alpenzander mit grillierter Gurke, Fenchel, Jalapeno

Schmeckt passend grün: Alpenzander mit Gurke & Jalapeno by Björn Inniger.

GMC - 21. Septmeber ASGI Golfclub Blumisberg Björn Inniger Gericht: Alpenzander mit grillierter Gurke, Fenchel, Jalapeno

Der Jeune Restaurateur hat früher im Restaurant des Golfclub Blumisberg gekocht.

Ein Heimkommen für Björn Inniger. Eine spezielle Beziehung zum Golfsport hat JRE-Chef Björn Inniger. Er hat in Blumisberg 2009/2010 das Golfrestaurant betrieben – es ist für ihn heute also ein Heimkommen: «Ich habe damals schon hin und wieder einen Schläger in der Hand gehabt, aber bereue es bis heute immer wieder», so der 17-Punkte-Chef, «dass ich damals keine richtigen Stunden genommen habe.» Sein tolles Gericht bei «Les Chefs»: sehr vorsichtig gegarter Alpenzander mit knackigem Fenchel und grillierter Gurke, die er zuvor mit Miso und schwarzem Knoblauch mariniert hat. Subtile, angenehm grünliche Aromatik garantiert!

GMC - 21. Septmeber ASGI Golfclub Blumisberg Franck Reynaud Gericht: Selle de chevreuil roti a la sariette, vinaigre de cacao, Atriaux a l'oxalys et condiment butternut

Franck Reynaud aus Crans-Montana: Der beste kochende Golfer auf dem Platz!

GMC - 21. Septmeber ASGI Golfclub Blumisberg Franck Reynaud Gericht: Selle de chevreuil roti a la sariette, vinaigre de cacao, Atriaux a l'oxalys et condiment butternut

Sein Gericht: Gebratenes Reh mit Kakao, Atriaux, Sauerklee und Butternut-Kürbis.

Single-Handicapper Franck Reynaud. Schon am Vortag waren mit Franck Giovannini (19 Punkte) und Pierrick Suter (17 Punkte) hervorragende Küchenchefs auf dem Platz – der beste Golfer unter den teilnehmenden Köchen dürfte aber Franck Reynaud sein, der mit einem gebratenen Rehfilet mit Kakao-Kruste, Kürbis-Tartelette und Leber-Atriaux mit Sauerklee überzeugt: Das Handicap des Chefs aus Crans-Montana liegt bei sensationellen 8! Sein Erfolgsrezept hierfür: «Ich gehe manchmal nach dem Mittagsservice für eine Stunde auf die Driving Range!» An Reynauds Stand gibt es auch einen besonderen Apéro: Önologe Gilles Besse (auch er ein Golfer) von der Walliser Domaine Jean-René Germanier präsentiert den neu lancierten weissen «Cayas»: ein Heida, gereift teilweise im Holz, teilweise in Glasbehältnissen. Ein Tropfen, der Power und Präzision gleichermassen mitbringt.

GMC - 21. Septmeber ASGI Golfclub Blumisberg Sascha Spring Gericht: Signature Dish, Steffisburger Kartoffel, Nussbutter Eigelb, Lauch, alte Belper Knolle, Lotta's Herbsttrüffel

Steffisburger Kartoffel, Onsen-Eigelb, Lauch & Trüffel by Sascha Spring.

GMC - 21. Septmeber ASGI Golfclub Blumisberg Sascha Spring Gericht: Signature Dish, Steffisburger Kartoffel, Nussbutter Eigelb, Lauch, alte Belper Knolle, Lotta's Herbsttrüffel

Im Seepark Thun findet Hündin Lotta golfballgrosse Trüffel für ihn.

Springs Trüffel aus dem Hotelpark. Dass Übung nicht nur im Golf den Meister macht, davon ist auch Sascha Spring überzeugt, die «Entdeckung des Jahres» und aktuell mit 16 Punkten im Guide ausgezeichnet. Er setzt darum auf seinen schon zig Mal zubereiteten Signature Dish: Steffisburger Kartoffelschaum mit Lauch und einem in 57 Grad warmer Nussbutter während fünf Stunden gegartem Eigelb. Für Raffinesse sorgt Lauch – als Öl, frittiert und à la crème. Und etwas Trüffel, den der Pudel Lotta jeweils direkt im Garten des Hotels Seepark Thun findet! Seine Beziehung zum Golfsport? «Es ist meine erste Berührung mit Golf», so der Chef. «Aber hier treffe ich durchs Band sympathische Menschen.»

GMC - 21. Septmeber ASGI Golfclub Blumisberg Reto Lampart Gericht: Lugnezer Rande in Meersalz gegart, mit Kirschholz geräucherte Wild-Entenbrust, Feige Haselnuss, Buttermilch

Kompliment: Reto Lampart hatte die Platzreife in nur einem Monat!

GMC - 21. Septmeber ASGI Golfclub Blumisberg Reto Lampart Gericht: Lugnezer Rande in Meersalz gegart, mit Kirschholz geräucherte Wild-Entenbrust, Feige Haselnuss, Buttermilch

Sein Gericht für «Les Chefs»: Rande, geräucherte Entenbrust, Feige & Haselnuss.

Reto Lampart: Bald wieder Zeit für Golf? Selbstbewusst zeigt sich Reto Lampart, der im Country Club im Val Lumnezia bald aufhört und künftig nur noch als Privatkoch unterwegs sein wird. «Mein Gericht soll die Mitspielenden zum Hole in One inspirieren!», gibt er zu Protokoll. Seine zarte, mit Kirschholz geräucherte Entenbrust ist jedenfalls ein Treffer. Knackig die in Meersalz gegarte Rande dazu, für Säure sorgt Buttermilch, für Süsse etwas Feige. Wie gut spielt Lampart? «Ich habe vor zwanzig Jahren mal gegolft, in nur einem Monat schaffte ich die Platzreife!» Er hoffe, dass er bald wieder mehr Zeit finde, um auch wieder Bälle zu dreschen.

GMC - 21. Septmeber ASGI Golfclub Blumisberg Mathieu Bruno Gericht: Tartare de crevettes et tomates, eau de tomate rafraichissante a l'huile de feuille de figuier,

Tomatentatar mit Crevetten, Zwiebeln, Feigenblattöl & Tomatenemulsion.

GMC - 21. Septmeber ASGI Golfclub Blumisberg Mathieu Bruno Gericht: Tartare de crevettes et tomates, eau de tomate rafraichissante a l'huile de feuille de figuier,

Mathieu Bruno genoss merklich, so nahe an den golfenden Gästen zu sein.

Mathieu Bruno: Gitarrist statt Golfer. Sechster Chef vor Ort: Mathieu Bruno, der für das QoQa-Restaurant Stamm in Bussigny VD auf Punktejagd geht. Auch er ist ehemaliger Golfplatz-Küchenchef: «Drei Jahre habe ich auf einer Golfanlage in Südfrankreich gearbeitet.» Doch ihm seien andere Sportarten und das Gitarrespielen wichtiger gewesen als Golf. Wie baut er die Turnierteilnehmer wieder auf, die nach Bällen im Aus niedergeschlagen bei ihm am Tisch gelandet sind? Mit einem bunten Tomaten-Tatar, Crevetten, Feigenblattöl und einer luftigen Anis-Focaccia. «Und wenn das nicht reicht, serviere ich dazu noch ein Glas Petite Arvine von Romain Favre.» Das führt sogleich zum Fazit des Besuchs beim ASGI-Anlass: Es gilt nicht nur als erwiesen, dass Gott Golfer ist – fest steht gleichermassen, dass Golfer Geniesser sind.

>> www.asgi.ch