Fotos: Digitale Massarbeit
Die Villa Florhof ist ein Liebhaberobjekt. Weshalb haben Sie sich in den Florhof verliebt?
Die besten Immobilien findet man nicht, sie finden einen. Das war auch bei der Villa René Lalique in Wingen-sur-Moder im Elsass so. Der Florhof hat mich fasziniert, lange bevor er zu kaufen war: einer der letzten erhaltene Seidenhöfe der Stadt, ein Patrizierhaus zwischen Kunsthaus und Universität, seit über hundert Jahren ein Hotel mit treuen Gästen. Als sich die Gelegenheit zum Kauf ergab, musste ich nicht lange überlegen.

Eine Villa, auch für Zürich: Der Florhof hat seine Brasserie und seine zauberhafte Terrasse eröffnet.
Und Ihr Freund Peter Spuhler war genauso verliebt in den Florhof?
Die Pension und später das Hotel Florhof wurde seit 1925 durch die Familie Beckel über drei Generationen geführt und ist zur Institution geworden. Die alten Gästebücher zeigen: Touristen, Geschäftsleute, Uni-Professoren, Nobelpreisträger und Schauspieler sind hier abgestiegen.Peter Spuhler hat sich spontan und aus Freundschaft als Mitinvestor der Liegenschaft bereit erklärt, nicht zuletzt, weil er in der Gegend aufgewachsen ist. Wir konnten die Liegenschaft zu einem fairen Preis erwerben. Peter hat aber immer klar gesagt, dass er in den Betrieb des Hotels und in die Betriebsgesellschaft nicht involviert sein möchte.
Was hat der Florhof mehr zu bieten als die Fünfsterne-Konkurrenz in der Stadt?
Wir sehen uns als Restaurants mit Hotelzimmern und nicht als Hotel mit Restaurants. Die Villa Florhof ist ein Erlebnishotel, so wie ich es mit unseren drei anderen Häusern im Elsass, in Bordeaux und in Schottland handhabe. Wir bieten den Kunden mehr als nur eine Mahlzeit oder eine Übernachtung. Wir bieten den Kunden ein Erlebnis. Das nenne ich Erlebnis-Hospitality.

Das Entrée. Willkommen in der Fünfsterne-Villa.

Elegant: Die Florhof-Reception.

Ein Seidenfoulard als Schlüsselanhänger.
Vorbild ist wohl die Villa René Lalique im Elsass.
Die Villa Lalique ist eingebettet im kleinen Kristall-Dorf Wingen-sur-Moder, zwischen der Lalique Manufaktur und dem nationalen Lalique Museum. Der attraktive Riegelbau aus dem Jahr 1920 war das private Zuhause von René Lalique, seinem Sohn Marc und der Enkelin Marie-Claude. Heute ist die Villa René Lalique ein florierender Ort der Gastlichkeit auf höchstem Niveau, mit einem Zweisterne-Restaurant, konzipiert von Mario Botta. Sie ist ein Pilgerstätte für Feinschmecker im Elsass mit Stammgästen aus Frankreich, der Schweiz, Deutschland, Luxembourg. Wir haben eine traumhafte Auslastung von 90 Prozent.
Was waren die Schwierigkeiten beim Umbau? Diskussionen mit dem Denkmalschutz?
Ein denkmalgeschütztes Haus sagt dir, was geht, nicht umgekehrt. Die Villa Florhof ist über 600 Jahre alt und hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Durch einen Historiker haben wir eine Chronik erstellt, in welcher alle 48 Besitzer vom Chorherrn des Grossmünsters aus dem 15. Jahrhundert bis heute lückenlos aufgezeichnet sind. Wir haben jeden Schritt im Dialog mit der Denkmalpflege gemacht. Wir wollten die historische Substanz erhalten und zugleich ein Hotel bauen, das heutigen Ansprüchen an Komfort und Technik genügt. Es kommt auf die Sorgfalt und nicht auf das Tempo an.

14 Zimmer und Suiten. Und ein Florhof-Seidenfalter über dem Bett.
Ist die «Villa Florhof» auch Showroom für die Glaskunst von Lalique?
Hotels und Restaurants sind perfekt für die «Lalique Experience». Unsere Hotels sind ideale Orte, um die Welt von Lalique unbeschwert zu erleben. Sei es während einer Mahlzeit in einem unserer Restaurants, für eine Übernachtung in einem einzigartigen Lalique-Zimmer. Wir bieten Erlebnis-Hospitality auf höchstem Niveau an, ganz nach unserem Credo: «Made by Excellence».
…und überall flattert der Seidenfalter durch die Villa.
Der Seidenfalter in Lalique Kristall zieht sich wie ein roter Faden durch unser Haus. Man entdeckt ihn auf Seidenfoulards, als Schlüsselanhänger, bei den Uniformen. In unserem Signature Restaurant hängen 100 Lalique-Seidenfaltern an der Decke.
Lalique arbeitet mit berühmten Künstlern zusammen.
Wir sind mehr als ein kleines, feines Boutique-Hotel oder Boutique-Restaurants. Wir sind ein Erlebnishotel mit vielen Facetten, gastronomisch und erlebnisreich. Wir haben Kunstwerke aus der Zusammenarbeit von Lalique mit Damien Hirst, Zaha Hadid, James Turrell und David Yarrow. Lalique «Cocon»-Lampen und Vasen wurden speziell für die Villa Florhof kreiert. Alle 14 Zimmer und Suiten sind individuell eingerichtet, das «Dalia» etwa hat eine knapp 300-jährige Stuckdecke, denkmalgeschützt aus der Zeit der Familie Lavater Oeri.

Lalique-Kronleuchter im Weinkeller. Über 3'000 Positionen. Auch mit den besten Flaschen aus der Schweiz.
Steht Denz drauf, ist auch Wein drin. Was ist das Kellerkonzept?
Der Gewölbekeller ist das Fundament des Hauses, auch im übertragenen Sinn. Sie finden über 3’000 Positionen aus der ganzen Welt, für jedes Portemonnaie. Schweizer Weine, aber auch Flaschen aus unseren Nachbarländern Deutschland, Österreich, aus den grossen Weinregionen Frankreich, Italien, Spanien, Napa, Südamerika, Südafrika und Australien, natürlich auch Weine unsere eigenen Weingüter in Bordeaux und Italien. Viele Flaschen stammen aus meinem eigenen Weinkeller und aus dem Keller meines Vaters.
Seit 1. August ist die Brasserie offen. Wie gross ist der Ehrgeiz in diesem Restaurant?
Wir wollen Ort der Gastlichkeit sein, für jedermann. Die Brasserie muss das Schwierigste können: einfache Dinge perfekt. Lieblingsgerichte, präzise zubereitet, eine Karte, die John Schiffmann und Christian Hoffmann mit dem Team ausgearbeitet haben. Unser Massstab ist der Zürcher, der zum Wiederholungstäter wird.
Kann man auch nur auf ein Bier vorbeikommen?
Das Haus ist für die Zürcherinnen und Zürcher gebaut, nicht nur für Hotelgäste. Die lauschige Terrasse ist eine Oase mitten in der Stadt. Hier kann man auf ein Glas Wein oder ein Bier kommen und sich auch zu einem Jass treffen.
Lalique-Hotels haben immer grosse Restaurants. Suchen Sie gezielt nach Sterneköchen?
Die Sterne sind gekommen, weil die Häuser und die Köche zusammengepasst haben. So halten wir es auch in Zürich. Zuerst das Haus und das Konzept, dann die Namen. Die Reihenfolge hat sich überall bewährt: im Elsass, Bordeaux und in Schottland.

Seit wenigen Tagen offen: Die Florhof-Brasserie.

Soignez les Détails: Florhof-Logo, im Eis eingraviert.

Treffpunkt an heissen Sommertagen: Die Florhof-Terrasse.
In Zürich ist der Sternekoch weg, noch vor der Eröffnung. Bleiben im Fine-Dining-Restaurant die Ambitionen unverändert hoch?
Der Anspruch bleibt unverändert. Das Signature Restaurant eröffnet wie geplant im Spätherbst. Im Sommer wollen wir die Terrasse und die Brasserie bespielen und unser Team einschwören.
Die Trennung von Starchef Christian Jürgens war krass, erfolgte Knall auf Fall. Alle Beteiligten hüllen sich in höfliches Schweigen.
Einen eigentlichen «Chlapf» gab es nicht. Sagen wir es so: Manchmal stimmt die Chemie einfach nicht. Wir haben uns einvernehmlich getrennt. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Zuständig für die Brasserie: John Schiffmann.

Die Chefin des Hauses: Tanja Wegmann.

Zuständig für die Brasserie: Christian Hoffmann.
Christian Jürgens hat die Rezepte für die Brasserie geschrieben und ausgetestet. Dürfen seine beiden Nachfolger die Rezepte einfach übernehmen?
Wir übernehmen die Rezepte nicht 1:1. Wir haben sie vereinfacht, und John Schiffmann, der seit Ende April dabei ist, hat eigene Gerichte hinzugefügt.
Fehlt noch der Chef fürs Fine Dining-Restaurant.
Wir nehmen uns dafür die nötige Zeit. Erfreulicherweise haben wir sehr viele interessante Bewerbungen auf dem Tisch.
Viel Arbeit für Ihre Partnerin Tanja Wegmann, die verantwortlich ist für die Villa Florhof.
Tanja ist ein Profi. Sie macht das sehr souverän. Ich bin stolz auf sie.

