Fotos: Nik Hunger

Anstossen mit einem Glas vom Familien-Weingut. Man fühlt sich sogleich liebevoll umsorgt, wenn man die «Post» betritt. Das liegt am Gastgeber-Gen der Familie Heuberger, deren Name seit 1846 untrennbar mit dem schmucken Gasthof am Fusse des Bözbergs verbunden ist.  Nadine Heuberger aus der achten Generation der Wirtefamilie nimmt uns in Empfang und kredenzt uns einen frischen, säurebetonten Riesling-Sylvaner vom benachbarten Weingut, das ihr Bruder Marco und ihr Onkel Rolf führen. Bild oben: Peter und Nadine Heuberger, Malaika Scheffbuch und der Rehrücken mit Kirschen (v.r.).

Gasthof Post Bözen, Weisser Tomatenschaum mit Pfirsich und Rauchmandeln; Swiss-Lachs-Tatar mit Shoyu, Limette, Sesam und Radiesli; Mais-Krokette mit Salbei-Mayo und Belperknolle

Soul Food: Die ersten Grüsse aus der Küche der «Post».

Gasthof Post Bözen

Bilderbuch-Landbeiz: Der Gasthof zur Post lädt zum Einkehren ein.

Gasthof Post Bözen, Kürbisschaumsüppchen mit Aprikosen-Windbeutel

Schaumig und köstlich: Kürbissüppchen mit Aprikosen-Windbeutel.

Kürbiscreme mit Aprikosen-Windbeutel. Nadines Vater Peter schickt kurz darauf die ersten Grüsse aus der Küche: weissen Tomatenschaum mit Pfirsich und Rauchmandeln, Swiss-Lachs-Tatar mit Shoyu, Limette, Sesam und Radiesli sowie eine Maiskrokette mit Salbei-Mayo und Belper Knolle. Soul Food im besten Sinn des Wortes, raffiniert, aber nicht kompliziert! Auch zwei Süppchen, die Körper und Seele wärmen hat der Chef für uns vorbereitet. Zur schaumigen Kürbiscreme gibt’s einen Aprikosen-Windbeutel, in der kräftigen Pilzessenz schwimmt ein hausgemachter Raviolo mit Rehfüllung.

Gasthof Post Bözen, Chef Peter Heuberger

Hier kocht der Chef: Peter Heuberger steht seit 30 Jahren in der Küche der «Post».

Das «wilde» Erbe von Fredy Heuberger. Der direkte Draht zu Jägern aus der  Region ist einer der grossen Trümpfe der «Post». Fredy Heuberger, Nadines Grossvater, liebte es, auf die Pirsch zu gehen, und knüpfte Beziehungen, von denen die Familie bis heute profitiert. Bevor die «wilden» Hauptgänge auf den Tisch kommen, ist aber erst einmal eine Erfrischung an der Reihe. «Das ist der Wald im Glas», sagt Nadine augenzwinkernd, als sie uns einen Beerensalat mit Tannensorbet, Baumnüssen und Himbeerschaum serviert. Die Bezeichnung passt perfekt, wir sind begeistert! Die Begleitung im Glas: der erste Orange Wine der Heubergers, ein 2025er Rheinriesling.

Gasthof Post Bözen, Hausgebeizter Rehpfeffer mit Champignons, Speck und Silberzwiebeln

Hausgebeizt: Rehpfeffer mit Champignons, Speck und Silberzwiebeln.

«Nur ganz kurz in die Pfanne.» Zu den Hauptgängen öffnet Nadine den Flaggschiffwein des Familienguts: Primus 2021 aus der Magnumflasche. 100 Prozent Pinot Noir von 50-jährigen Rebstöcken. Filigran und kraftvoll zugleich, ein muskulöser Tänzer! Dann beginnt die grosse Wild-Show – mit einem perfekt gebratenen Rehrücken an Rotweinsauce mit Bözner Kirschen! Kein Wunder, schwärmt 16-Punkte-Koch André Kneubühler, der in der «Post» zusammen mit der heutigen Souschefin Malaika Scheffbuch seine Lehre absolvierte, in den höchsten Tönen von Peter Heubergers Kochkunst! Und was ist das Geheimnis des perfekten Rehrückens? «Die Qualität des Fleischs, rund eine Woche Lagerung und die richtige Hitze beim Anbraten», sagt der Chef der «Post». «Das Reh bleibt nur ganz kurz in der Pfanne und darf ausgiebig rasten, ehe es serviert wird.» Zum saftigen, butterzarten Rehrücken reicht der Service hausgemachte Knöpfli, Rotkraut, Marroni, Rosenkohl und pochierte Birne mit Preiselbeeren. 

Gasthof Post Bözen, Gaststube

Die Gaststube der «Post» ist mit Fotografien geschmückt, die zum Teil aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammen.

Geschichte(n) für ein ganzes Buch. Die Geschichte der Familie Heuberger ist in der «Post» allgegenwärtig. An den Wänden hängen Fotografien, die bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreichen. «Man könnte ein ganzes Buch über dieses Haus schreiben», sinniert Peter Heuberger, der in diesem Jahr sein 30. Dienstjubiläum in der Küche des Familienbetriebs feiert. Früher führte die wichtigste Verkehrsachse zwischen Basel und Zürich durch Bözen. In alten Zeiten wechselten die Fuhrleute in der «Post» ihre Pferde, später pflügten die Lastwagen durchs Tal und bescherten den Wirtsleuten gute Umsätze, aber auch viel Lärm.

Gasthof Post Bözen, Hausgemachte Reh-Raviloi an Rotweinjus mit knusprigem Salbei und Belperknolle

Zu den hausgemachten Reh-Ravioli gibt es frisch geriebene Belper Knolle.

Gasthof Post Bözen, Chef Peter Heuberger

Peter Heuberger bildete einst 16-Punkte-Chef André Kneubühler zum Koch aus.

Gasthof Post Bözen, Gourmetstübli

Das Gourmetstübli der «Post» – hier befand sich früher ein Stall.

Vom Stall zum Stübli. Seit die Autobahn am Dorf vorbeiführt, ist es deutlich ruhiger geworden. Peter Heuberger erinnert sich noch gut an die Zeit, als die «Post» Beiz und Landwirtschaftsbetrieb zugleich war. «Dort, wo sich heute unser Gourmetstübli befindet, habe ich als Bub den Stall ausgemistet.» Der heutige Saal mit den bodentiefen, geschwungenen Fenstern, wo Hochzeiten, Taufen und runde Geburtstage gefeiert werden, war einst die Remise für die Kutschen. 

Gasthof Post Bözen, Pergola

Ein Stück Süden: Der grosse Granittisch im Garten stammt aus dem Tessin.

Gasthof Post Bözen, Dessert Mandeltörtchen mit Mirabellenglace

Wer kann da Nein sagen? Karamellisiertes Mandeltörtchen mit Mirabellenglace.

Schlemmen unterm Blätterdach. Eine hundertjährige Linde mit mächtiger Krone bildet das Zentrum der Gartenterrasse hinter dem Haus. Scheint die Sonne, wird hier bis weit in den Herbst hinein aufgedeckt. Ganz besonders lauschig ist es in der kleinen, von Reben überwucherten Pergola mit dem grossen Steintisch aus dem Maggiatal. Dorthin setzten wir uns für Käse (eine wunderbare Auswahl von Jumi) und Dessert (karamellisiertes Mandeltörtchen mit Mirabellenglace).

Gasthof Post Bözen, Plättli mit Freisamer, vor ihrem Rebberg, oberhalb Bözen, mit Blick ins Fricktal

Perfekt zum kalten Plättli: Freisamer vom Weingut der Familie Heuberger.

Gasthof Post Bözen, Geschwister Marco und Nadine Heuberger, in ihrem Pinot Noir Rebberg (Primus), oberhalb Bözen, mit Blick ins Fricktal

Traumhafte Landschaft: Marco und Nadine Heuberger in den Rebbergen oberhalb von Bözen.

That's amore! Nach dem Dessert unternehmen wir noch einen kleinen Ausflug. Winzer Marco Heuberger chauffiert uns in die Weinberge hoch über dem Dorf. Mit ihren akkuraten Rebzeilen und den Pfirsichbäumen, die auf den Ausgleichsflächen wachsen, erinnert uns die hügelige Landschaft an die Toskana. «Stimmt!», sagt Marco. «Wir bezeichnen die Gegend hier als Schweizer Toskana, weil es immer ein wenig sonniger und wärmer ist als andernorts im Aargau.» Bözen im Fricktal, that’s amore! Da trifft es sich gut, dass es im ersten Stock der «Post» sechs liebevoll eingerichtete Zimmer für jene gibt, die den Zauber dieses zauberhaften Orts ein wenig länger auf sich wirken lassen wollen.

>> post-boezen.ch