Fotos: Claudia Link

Vornamen von Fussballern. «Glück im Stall!» So sagen die Bauern im Entlebuch, wenn ein junges Kalb geboren wird. So geschehen ist es auch heute Morgen gegen halb sechs Uhr bei André Schmid in Flühli LU. Der Name des Neugeborenen beginnt wie derjenige der Mutterkuh Anemone mit einem A. «Wir nennen es Alisson – derzeit sind bei meinen Kindern die Vornamen von berühmten Fussballern hoch im Kurs», erklärt der 36-jährige, vierfache Familienvater. Das Kälbchen steht derweil noch auf wackeligen Beinen und hat ein lockiges Fell, findet aber das Euter der Mutter schon problemlos. Prima hat die Natur das eingerichtet, findet Schmid.

Glockengebimmel & Hirschröhren. Alisson wird die nächsten rund zehn Monate – anders als in der herkömmlichen Tierhaltung – keine Minute von der Mutter getrennt sein. So wollen es die Regeln von Mutterkuh Schweiz respektive die Labels Natura-Beef und Natura-Veal, unter denen das Fleisch in den Coop-Filialen verkauft wird. André Schmid führt uns zu seiner Herde, die wenige Minuten von seinem Haus entfernt weidet. Alles Schweizer Original Braunvieh. Auch dort mischen sich ältere Tiere mit dem Jungvieh, etwa die 15-jährige Debi, die Leitkuh: «Wenn sie zum Brunnen geht, folgen die anderen.» Ein idyllisches Bild, wie die Herde im Schatten steht. Zu hören ist im Herbst aber nicht nur das Gebimmel der Glocken – von der gegenüberliegenden Talseite röhrt immer wieder ein Hirsch.

Hof Schneeberg, auch bekannt als Alp Schneeberg. Zu Besuch bei André Schmid. Schneeberg 2, 6174 Sörenberg/Spierbergli 6173 Flühli LU. Auf dem Bild: Mutterkuh Anemone mit Kalb Alison

Alisson mit Mutterkuh: Vor wenigen Stunden geboren & schon auf den Beinen.

Hof Schneeberg, auch bekannt als Alp Schneeberg. Zu Besuch bei André Schmid. Schneeberg 2, 6174 Sörenberg/Spierbergli 6173 Flühli LU. Auf dem Bild: Brunstkalender

In einem Kalender im Stall trägt Bauer Schmid alle Geburten seiner Tiere ein.

Winterarbeit im Wald. Wie viele Tiere hält er überhaupt? «Es sind rund 30 Kühe und etwa 20 Stück Jungvieh, wie die Tiere unter zweieinhalb Jahren heissen.» Ein Muni reicht übrigens aus, da die Kühe – anders als etwa Lämmer – nicht alle zur gleichen Zeit in der Brunst sind. Lässt sich damit der ganze Lebensunterhalt bestreiten? «Idealerweise wird jedes Tier einmal pro Jahr trächtig, dann geht das.» Er hat allerdings noch ein zweites Standbein: Von den gut 100 Hektar Land, die der Entlebucher besitzt, sind etwa 40 Prozent Wald. «Diesen zu pflegen, ist meine Winterarbeit.»

Hof Schneeberg, auch bekannt als Alp Schneeberg. Zu Besuch bei André Schmid. Schneeberg 2, 6174 Sörenberg/Spierbergli 6173 Flühli LU

Die Regeln sehen vor, dass die Kälber nicht von den Muttertieren getrennt werden.

Hof Schneeberg, auch bekannt als Alp Schneeberg. Zu Besuch bei André Schmid. Schneeberg 2, 6174 Sörenberg/Spierbergli 6173 Flühli LU. Auf dem Bild: Unkraut Breitblättriger Ampfer

Zu den Arbeiten von Bauer André Schmid gehört auch das Jäten von Unkraut.

Hof Schneeberg, auch bekannt als Alp Schneeberg. Zu Besuch bei André Schmid. Schneeberg 2, 6174 Sörenberg/Spierbergli 6173 Flühli LU

In dieser idyllischen Landschaft ziehen die Schmids bereits in sechster Generation Kälber auf.

«Die Natur einfach machen lassen.» Doch die Frage bleibt: Was macht ein Bauer eigentlich den ganzen Tag lang? «Die Kühe streicheln», witzelt André Schmid und schmunzelt. Dann gibt er doch noch die ernsthafte Antwort: Die Tiere müssen täglich auf die Weide und zurück in den Stall gebracht werden. Der Stall muss geputzt, Unkraut wie Disteln, Wacholder, Ampfer oder kleine Tannen müssen auf den Weiden entfernt werden, weil die Kühe sie stehen lassen. Zudem wollen Zäune auf- und abgebaut sein. Nur mit der Geburt heute Morgen hatte er kaum Arbeit: «Am besten läuft es, wenn man die Natur einfach machen lässt», sagt er. «Mein Vater hat noch nachgeholfen.» Schmids Familie züchtet bereits in sechster Generation Kälber im Entlebuch.

Schmids Stall bietet nicht nur den Kühen und Kälbern, sondern auch einigen Pferden Platz.

Schmids Stall bietet nicht nur den Kühen und Kälbern, sondern auch einigen Pferden Platz.

Hof Schneeberg, auch bekannt als Alp Schneeberg. Zu Besuch bei André Schmid. Schneeberg 2, 6174 Sörenberg/Spierbergli 6173 Flühli LU

Die Kälber bleiben bis zu zehn Monate bei ihren Müttern, trinken direkt am Euter und wachsen im natürlichen Herdenverband auf.

Zu hoch gelegen für Ackerbau. «Wir machen aus Gras Fleisch», bringt es der Bauer auf den Punkt. Und weist darauf hin, dass herkömmlicher Ackerbau hier unmöglich wäre: Die Weiden liegen zu hoch, der Boden ist steinig, das Terrain steil. «Ich esse selbst gerne Rindfleisch – am liebsten Tatar, aber auch immer wieder ein schönes Siedfleisch.» Und damit ist das Gespräch nach dem freudigen Morgen bei der Kehrseite des Hofalltags angekommen: «Heute Morgen haben sie den Muni abgeholt.» So ist das Leben hier auf dem Spierbergli bei Flühli.

>> www.mutterkuh.ch

 

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