Text & Fotos: Pascal Grob
Kleine Karte, klare Linie. Gross ist die Speisekarte im «Hellys» nicht. Das muss sie auch nicht sein. Was Kaspar Vožeh und Silvan Eberle (grosses Bild, v.l.) wenige Gehminuten vom Bahnhof Bern servieren, ist so stilsicher gekocht und präzise zubereitet, dass sich längst mehrere Gerichte zu Signature Dishes entwickelt haben. Neben den Spaghetti Cacio e pepe und den Paccheri im «Da Vittorio»-Stil gehören auch die Risotti in diese Kategorie. Sie tauchen immer wieder in saisonalen Varianten auf und zählen zu den Gerichten, die hier Pflicht sind. Dazu kommt ein sehr aufmerksamer Service, der durch den Abend begleitet, ohne sich in den Vordergrund zu schieben. Ein noch junges Restaurant, das mit der Ruhe einer kleinen Institution agiert.

Die zwei Klassiker auf der Karte sind: Spaghetti Cacio e pepe und den Paccheri mit Butter-Tomatensauce.
Italienisches Handwerk. Schon der Einstieg zeigt, wie viel das «Hellys» aus vermeintlich einfachen Kombinationen herausholen kann: cremige Kartoffeln, schön braun gebraten, sehr gut gesalzen und grosszügig mit Olivenöl überzogen. Dazu geröstete Artischockenherzen und eine feine Bitternote der mitgebratenen Blätter, die dem Gericht Tiefe gibt, ohne es aus dem Gleichgewicht zu bringen. Auch der Salat aus Löwenzahn und Puntarelle sitzt: knackig, frisch, mit einem Caesar-Dressing, das punchy ist, aber leicht bleibt. Dann die Pastagerichte, für die alle herkommen. Die Paccheri an Tomaten-Butter-Sauce sind herzhaft und cremig, die Sauce haftet an der Pasta und bleibt dank der Fruchtsäure der Tomaten trotzdem balanciert. Die Spaghetti Cacio e pepe sind mustergültig zubereitet. Einen leichteren Akzent setzen die Mezze Maniche an Cime-di-Rapa-Sauce, mit dezent eingesetztem Chili für Schärfe und gehobelter Bottarga für Salz und Umami.

Das Restaurant an der Berner Schwanengasse strahlt eine ruhige, gemütliche Atmosphäre aus.

Mezze Maniche an Cime-di-Rapa-Sauce: mit etwas Chili und gehobelter Bottarga für Salz und Umami.
Pasta ist nicht alles. Die Risotti sind im «Hellys» mehr als bloss eine Alternative. Insbesondere die saisonale Variante mit Tristan Rock Lobster ist ein Knüller: cremig, mit viel Power aus Bisque und Safran, die Reiskörner noch mit leichtem Biss. Bilderbuchmässig zubereitet. Auch die Secondi begeistern: Lammschulter mit Jus – sanft gegart, saftig, am Tisch fast zum Auseinanderzupfen, dazu eine grosszügige Portion Mönchsbart, die geschmacklich bestens passt. Wer am Schluss noch kann, bestellt Dessert. Das Bunet, ein piemontesischer Schokoflan mit Amaretti, ist grosse Klasse. Für grössere Gruppen bleibt das grosse Soufflé zum Teilen.

Das «Hellys» kann mehr als Pasta: Lammschulter mit Mönchsbart oder Risotto mit Tristan Rock Lobster.

Das junge «Hellys» agiert mit der Selbstverständlichkeit einer kleinen Berner Institution.
>> hellys.ch
