Fotos: David Künzler
An der Aare. Es ist kein alltäglicher Anblick: In der Küche der Cantinetta Bindella, schön gelegen an der Aare in Solothurn, steht mit der 30-jährigen Aneta Ingrassia eine junge Frau in einer auffälligen, violetten Kochjacke – und mit einer besonderen Geschichte. Die Küchenchefin hat ihr Amt vor einem Jahr übernommen und vereinigt, wie sie sagt, drei Kulturen in dem charmanten Ristorante: «Ich bin in Polen aufgewachsen, habe meine Ausbildung in Sizilien gemacht und lebe jetzt schon seit einigen Jahren in der Schweiz», erzählt sie.

Markenzeichen violette Kochjacke: Chef Aneta Ingrassia beim Anrichten.
Ein halbes Leben. Und das kam so: Dreizehn Jahre lang war Fabrizio Antonaci Küchenchef in der Cantinetta Bindella in Solothurn. Ein halbes Leben, genau genommen: Seit 27 Jahren arbeitet er schon hier. Als ein neuer Geschäftsführer gesucht wurde, habe er die Verantwortung übernommen, um die Kontinuität zu gewährleisten, die ein entscheidender Erfolgsfaktor für ein Lokal mit so vielen Stammgästen sei. Mit der Zeit sei die Doppelfunktion aber zu viel geworden, «da habe ich Aneta die Verantwortung für die Küche übergeben», sagt Antonaci. «Jetzt werden unsere Teller schöner angerichtet, das ist der Einfluss von Aneta», fügt er hinzu und scheint darauf ein wenig stolz zu sein.

Stadtbekannter Garten: der Aussenbereich der Cantinetta Bindella in Solothurn.

Einer der Klassiker des Hauses: Spaghetti Cantinetta mit Sardellen, Oliven und Tomaten.
Alles frisch. Die Gerichte in der Cantinetta Bindella seien von Einfachheit geprägt, der Aneta Ingrassia jetzt ein gewisses Raffinement zu verleihen vermag. Und sie bringt den kulturellen Einfluss ihrer persönlichen Biografie ein – im Sommer etwa wurde eine Joghurt-Gurken-Kaltschale mit Dill serviert. «Das ist kein typisch italienisches Gericht, aber auch die italienische Küche hat sich verändert», sagt sie mit einem Lächeln. Gemüse beziehe man wann immer möglich aus Solothurn, das Brot komme seit 30 Jahren aus der Bäckerei Studer, und lokales Bier sei ebenfalls ein gefragtes Produkt in der Cantinetta. «Wir arbeiten nur mit frischen Produkten», sagt die Küchenchefin.

Eines der meistbestellten Gerichte: Gamberi mit frischen Garten-Kräutern.

«Nur frische Produkte»: Aneta Ingrassia.

«Un piatto vegano»: Auberginen-Parmigiana mit veganem Käse.
Fünf Bestseller. Zu den fünf Gerichten, die rund 30 Prozent der Bestellungen ausmachen, gehören Kombinationen, die man trotz vielfältigem kulturellen Einfluss und der Wichtigkeit des lokalen Bezugs als «typisch italienisch» bezeichnen möchte: Spaghetti Cantinetta mit Schafskäse, Tomaten, Oliven und Sardellen, Gamberoni mit Kräutern und Risotto oder Scaloppine al Limone.

Begehrte Plätze: Tische direkt neben dem Weinkeller.

Vom Küchenchef zum Gastgeber: Fabrizio Antonaci.
Ein anderes Restaurant. «Wir sind ein Ausflugslokal und empfangen im Sommer auf der grossen Terrasse und im Garten rund 200 Gäste pro Tag», beschreibt Fabrizio Antonaci den Charakter der Cantinetta Bindella. Hochzeiten unter den Bäumen, Leute auf Solothurn-Ausflug und Sonntagsgäste kommen gerne hierher. «Weil wir immer geöffnet haben, sind wir ein beliebtes Lokal für Feiertage», sagt der Geschäftsführer. Im Winter ändere sich der Charakter des Ristorantes – allein schon, weil in den hübsch eingerichteten Innenräumen mit separater Bar nur etwa 70 Gäste Platz finden. «Dann ist das ein anderes Restaurant», sagt Fabrizio Antonaci. Wenn die sommerliche Betriebsamkeit vom gemächlicheren Tempo der kühleren Monate abgelöst wird, bleibt die Cantinetta aber eine der beliebtesten Adressen Solothurns, weil die Kombination aus besonderer Gastgeberkultur und simpler, guter Küche weder von Trend noch Temperaturen abhängig ist.


