Im Seefeld tut sich etwas. Das Quartier stand gastronomisch lange eher für sichere Adressen als für junge Küche mit neuen Ideen. Inzwischen schwingt auch entlang der Dufourstrasse eine neugierige Energie durch die Gasträume, die Zürich sonst lieber in den Kreisen 3, 4 und 5 verortet. Charlie Aggett steht exemplarisch für diesen Wandel. Der junge Brite gehört zu den talentiertesten Köchen der Stadt und hat bei kulinarischen Schwergewichten gelernt: bei Esben Holmboe Bang im «Maaemo», bei Sven Wassmer im «Memories», zuletzt bei Markus Stöckle im «Rosi». Keine Pop-ups, keine Gastspiele, kein öffentlicher Probelauf – Aggett arbeitete in Restaurants und übernahm danach eines. Mit dem «Capri» gleich eine ungewöhnlich grosse Bühne: ein bis ins Detail durchgestyltes Lokal mit hohen Decken, Säulen, viel Platz und einer gequetschten Discokugel über der Bar. Dazu das typische Seefeld-Publikum, Hemden und Anzüge inklusive. Nicht der Ort, an dem man einen jungen Koch wie Aggett vermuten würde. Seine Küche könnte problemlos in einem hipperen Zürcher Kreis stehen – im Seefeld fällt sie umso stärker auf.

Capri Zurich

Grossstadtgefühl im Seefeld: roter Samt, Marmor, hohe Decken und ein moderner Kronleuchter.

Capri Zurich

Fines-de-Claire-Austern mit Rhabarber-Mignonette und Morita-Chiliöl, Radieschen mit Tarama sowie «Charlie’s Caprese».

Aggett nennt den «Capri»-Stil moderne europäische Küche, «Contemporary Bistro». Die Gerichte orientieren sich an Klassikern aus Europa, bleiben zugänglich und stellen das Produkt ins Zentrum. «Keine Pinzettenküche», sagt der Chef. Gerichte, die vertraut klingen, aber im Detail den Unterschied machen. Das Paradebeispiel: ein Pouletschnitzel nach Caesar-Salad-Art. «Für die Sauce blanchieren wir den Knoblauch dreimal in Milch, bis die Schärfe weg ist», sagt Aggett beiläufig, als wäre dieser Aufwand eine Selbstverständlichkeit. Hausgemachtes Sauerteigbrot gibt der Panade mehr Tiefe, darüber liegen Petersiliencreme und ein Sardellenfilet, dazu Kopfsalat mit kräftigem Caesar-Dressing. Die Pastagerichte gehören zu den besten der Stadt. Die Teigwaren werden für das «Capri» frisch produziert und al dente serviert. Spaghetti al limone sind nicht streng traditionell, aber sehr gut: so cremig wie Cacio e pepe, deutlich zitronig, nie sauer.

Capri Zurich

Spaghetti al limone und das Caesar-Schnitzel – zwei Gerichte, die Charlie Aggetts Küche auf den Punkt bringen.

Capri Zurich Charlie Aggett

Charlie Aggett, Küchenchef im «Capri»: jung, ehrgeizig und einer der talentiertesten Köche der Stadt.

Auch die ersten Teller zeigen, worum es im «Capri» geht. Fines-de-Claire-Austern Nr. 2 kommen mit Rhabarber-Mignonette und Morita-Chiliöl auf den Tisch. Radieschen aus regenerativer Landwirtschaft treffen auf eine Creme aus geräuchertem Kabeljaurogen aus Norwegen, etwas Miso, Bottargapulver und getrocknete Zitronenschale. Taleggio-Arancini sind aussen knusprig, innen cremig. Das Pouletleberparfait auf Sauerteigtoast ist glatt und üppig. Dazwischen steckt Zwiebelchutney, dazu Kumquat-Gel und Hibiskuspulver. «Charlie’s Caprese» gehört zu den Gerichten, die immer wieder kleine Evolutionen durchlaufen: geschälte Tomaten in verschiedenen Varianten, Burrata und Taggiasca-Oliven, verbunden durch eine Vinaigrette aus Erdbeere und Holunderblüte sowie Kräuteröl. Als süsses Finale kommen Profiteroles mit Vanilleglace und warmer «Laflor»-Schokoladensauce. Für das Glace röstet Aggett die ganze Vanilleschote und arbeitet sie vollständig ein. Aggett weiss, was seine Gäste wollen – und wie sich ihre Erwartungen übertreffen lassen. Vielleicht ist das eine neue Form des Signature Dishes: weniger krampfhafte Originalität, mehr Vertrautheit, mehr Gespür für das, was wirklich verhebt. Gerichte, für die Gäste immer wieder kommen.

Capri Zurich

Durchgestylt, aber nicht kühl: Holz, schwere Vorhänge und weiche Formen.

Capri Zurich

Profiteroles mit Vanilleglace und warmer «Laflor»-Schokoladensauce, dazu knuspriges Topping auf den Choux.

 

Kontakt
Capri
Dufourstrasse 80
8008 Zürich
capri.restaurant
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Öffnungszeiten
Montag bis Freitag, 11.30 bis 14.30 Uhr und 18 bis 23.30 Uhr
Samstag und Sonntag, 17.30 bis 23.30 Uhr

 

Preise 
Vorspeisen 16-36 CHF, Hauptgerichte 32-62 CHF, Desserts  4.50-16 CHF

 

Empfehlungen
Charlie's Caprese, Caesar-Schnitzel, Spaghetti al limone, Profiteroles