Das Chasselas-Comeback. In den letzten Jahrzehnten wurde er oft verkannt und unterschätzt, doch im Waadtland befindet er sich auf dem Siegeszug: Der Chasselas, diese ikonische, schweizerische Rebsorte, die so gut wie sonst fast keine ihr Terroir spiegelt. Auf den traumhaft gelegenen Terrassen über dem Lac Léman spielt er alle seine Facetten aus. Im Chablais profitiert er vom steinigen Geröll, im Lavaux vom milden Seeklima und den steilen besonnten Hängen. Und im Dézaley sorgen die Nagelfluhbänke für die mineralische Note. Nicht zu vergessen die nördlichen und höher gelegenen Côtes-de-l’Orbe mit dem tonhaltigen Terroir. Neben Chasselas behaupten sich in allen diesen Regionen jedoch auch fruchtige Pinot noirs sowie Gamaret, Garanoir und Chardonnay. Kurz, die Palette ist gross. Die Zahl der von der Jury ausgezeichneten Winzerinnen und Winzer ebenfalls: 24 Betriebe schaffen es in GaultMillaus Top-150!
Ein Neuer, drei Ikonen. Den Sprung auf die goldene Liste schaffte dieses Jahr Benjamin Morel vom Château de Valeyres, in dritter Generation an der Arbeit. Er ist kein Unbekannter, denn er war bereits einmal Mitglied des erlauchten Kreises und kehrt jetzt nach einer kurzen Pause wieder zurück. Drei wichtige Persönlichkeiten, welche die Weingeschichte der Region entscheidend geprägt haben, tragen für ihr Wirken den von GaultMillau verliehenen Titel einer Ikone: Louis-Philippe Bovard in Cully, Henri Cruchon in Echichens bei Morges, Violaine und Raymond Paccot in Féchy. Bei Cruchon und Paccot ist bereits die nächste Generation am Werk, Louis-Philippe Bovard hält immer noch selbst die Stellung.
Die ausgezeichneten Winzerinnen und Winzer:

Rodrigo Banto, Cave de La Côte, Tolochenaz.
Rodrigo Banto
Die Cave de La Côte unter dem Chefönologen Rodrigo Banto vereint rund 300 Winzer auf über 450 Hektaren, was einem Viertel des Weinbaugebiets La Côte entspricht. Sie ist stolz auf ihr bald hundertjähriges Bestehen und auf ihre 400 verschiedenen Weine – auch von so bekannten Châteaux wie Malessert, La Bâtie und d’Echichens.
Louis Blondel
Louis und Charlotte Blondel leiten das Familienweinguts im Lavaux. Ihre Aushängeschilder sind der Dézaley Grand Cru «Côtes des Abbayes» und der Grand Cru Dézaley «Prestige». Der Name Blondel in Cully steht für Chasselas-Spitzencrus, die auf gesamthaft 7,5 Hektar angebaut werden.
Philippe Bovet
Mit ihrer grossen Kollektion von über 30 verschiedenen Weinen fällt die Cave Philippe Bovet aus Givrins auf. Genauso wie mit den Etiketten der Dark Line und der Ligne Philippe Bovet. Aus Chasselas macht er den «Léman Blanc», aus Gamay den «Pacifique» und den «Atlantique».

Jean-Francois und Benjamin Chevalley, Domaine de la Chenalettaz, En Dézaley.
Jean-François und Benjamin Chevalley
Vom Vater zum Sohn – dies ist in der Familie Chevalley auf der Domaine de la Chenalettaz in Dézaley schon seit 23 Generationen der Brauch. Vater Jean-François und Sohn Benjamin erzeugen auf ihren extrem steilen und besonnten Rebbergen beste Grands Crus wie die «Réserve du Margis» und den «Chenalettaz Rouge».
Jean-Daniel Coeytaux
Das Weingut in Yens oberhalb von Morges an der La Côte ist von A bis Z eine Familienangelegenheit. Vom Anbau der Reben über die Weinbereitung bis zum Direktverkauf werden sämtliche Arbeiten auf dem eigenen Hof erledigt. Alle Chasselas tragen das Prädikat Grand Cru. Bemerkenswert ist auch der Pinot noir und der Schaumwein «Vin Joyeux».
Christelle Conne
Im Herzen des Weindorfs Chexbres liegt das Weingut der Familie Conne, welche mit ihrem
auf der Hefe produzierten «Le Sémillant» und dem Klassiker «Leurs Excellences de Berne» weitherum bekannt wurde. Seit über zehn Jahren ist Tochter Christelle Conne für das Gut Cave Champ de Clos und seine Aushängeschilder verantwortlich.

Catherine Cruchon, Henri Cruchon, Echichens.
Catherine Cruchon
Die Önologin Catherine Cruchon hat das Familienweingut der Cruchons übernommen – und kann sich dabei auf ihre Cousinen Yaëlle und Laura sowie ihre Ehefrau Margaret stützen. Sie tragen die Geschichte der biodynamischen Domaine in Echichens bei Morges weiter. Ihr «Altesse» gilt als der beste Schweizer Naturwein, Aushängeschilder sind auch der Chardonnay «Noblesse» und der Pinot Noir «Raissennaz».
Serge Diserens
Serge Diserens führt als in Changins ausgebildeter HES-Ingenieur die Domaine Des Moines in La Neuveville sowie das in Aigle ansässige Gut La Baudelière seiner Frau Stéphanie Delarze. Auf 5,5 Hektar der Appellation Villeneuve werden Spezialitäten wie Chasselas, Pinot Gris, Pinot Noir und Malbec auf unterschiedlichen Terroirs und Höhenlagen kultiviert. Bemerkenswert: Chasselas «Clos des Mennettes», die rote Cuvée «Napoleon III» und der Blanc de Blancs «Eloïse».
Frédéric & Grégoire Dubois
Drei Generationen wirken Seite an Seite. Sie alle teilen dieselbe Leidenschaft für die Reben und ihre Weine. Jetzt sind die Brüder Frédéric und Grégoire am Ruder und betreuen gleich drei Weingüter: Die Grand Crus der Domänen von Dézaley-Marsens, Baussan im Epesses-Gebiet und Château de Glérolles in Saint-Saphorin werden alle in ihrem Keller Le Petit Versailles in Cully gekeltert.

Blaise Duboux , Domaine Blaise Duboux, Epesses.
Blaise Duboux
Die Winzerfamilie Duboux ist seit Jahrhunderten mit dem Lavaux verbunden. Blaise Duboux führt mit grossem Einsatz und viel Können das herrlich gelegene Gut in Epesses, pflegt seine Reben biodynamisch. Dézaley «Haut de Pierre» Grand Cru aus alten Reben und der Pinot Noir «Cuvée Z» zählen zu den Schweizer Spitzengewächsen.
Christian Dugon
Der Winzer aus Bofflens hat die Côtes de l’Orbe und Bonvillars salonfähig gemacht. Er ist ein neugieriger und experimentierfreudiger Rebbauer, immer wieder überrascht er mit neuen Sorten und keltert unter anderem auch Divico, Doral, Mara, Cornarello und Merello.

Christian Dupuis, Cave Dupuis, Féchy.
Christian Dupuis
Er bewirtschaftet 9 Hektar Rebland in Féchy. Aus Viognier und Gamaret kreuzte Christian Dupuis eine eigene Rebsorte und nannte sie Violier als Hommage an den verstorbenen Spitzenkoch. Bemerkenswert sind auch seine Chasselas, die er in vier Spielarten vinifiziert – einen davon ist auf der Hefe vergoren.
Les Frères Dutruy
Die Brüder Christian und Julien Dutruy führen als Duo das biologische Familiengut in Founex, Christian wirkt als Rebmeister und Julien als Önologe und Kellermeister. Vinifiziert werden die Spitzen-Chasselas und die Prestige-Linie «Les Romaines» im modernen Keller. Mit Spitzenköchen kreieren sie auch persönliche Cuvées.
Noémie Graff
Maximale Sorgfalt im Rebberg, minimale Eingriffe im Keller – so lautet die Devise dieser Winzerin in Begnins, die neben Önologie auch Geschichte und Latein studiert hat. Ihre Stars mit den gezeichneten Künstleretiketten heissen Gamay, Carminoir und der Pinot Noir «Le Satyre». Interessant ist auch die rare rote Sorte Mondeuse, hervorragend der Mousseux Blanc de Blancs.
Marco & François Grognuz
Das Markenzeichen von Vater und Sohn von der Cave des Rois in Villeneuve, welche ihre Trauben sowohl im Lavaux wie auch im Chablais und im Wallis pflegen, ist der frische Sauvignon Blanc und das Flaggschiff Syrah «St-Saphorin».
Domaine Kursner
Weil die Familie Kursner keine eigenen Nachfolger hatte, übergab sie die Pflege ihres prestigeträchtigen Weinguts in Féchy der Cave de la Côte. Unterstützt von Önologe Rodrigo Banto leitet es seither Fabien Coucet als Kellermeister und Geschäftsführer. Die Flaggschiffe: Chasselas Premier Grand Cru au Brez, der intensive Viognier und der Merlot «Mystiko».

Benjamin Morel, Château de Valeyres, Valeyres-sous-Rances.
Benjamin Morel (NEU)
Auf Château de Valeyres in Valeyres-sous-Rances, einem imposanten Schloss mit bestem Rebland, wirkt Benjamin Morel. Mit dem befreundeten Rebmeister Frédéric Hostettler hat er die Linie Confidentiel kreiert sowie das neue Label Germination aus interspezifischen Sorten wie Sauvignac, Divico und Muscaris. Ein Aushängeschild ist auch der «Le Courson», eine Assemblage aus Gamaret und Garanoir.
Domaine Neyroud-Fonjallaz
Der Ausblick von diesem Weingut in Chardonne ist magisch! Er beflügelt Jean-François Neyroud und die beiden Söhne Basile und Jonas zu hervorragenden Chasselas wie den Calamin Terre et Lac Grand Cru und den Chardonne «Les Berneyses». Speziell ist der rare Plant Robert Grand Cru.

Laura Paccot, Domaine la Colombe, Féchy.
Laura Paccot
Sie ist eine der jungen Schweizer Winzerinnen, welche die neue Generation verkörpern und eine eigene Marke setzen: Laura Paccot führt in vierter Generation das renommierte Gut La Colombe in Féchy, ihre Eltern Raymond und Violaine Paccot waren Pioniere der Biodynamie. Die Grand Crus «Bayel» und «Brez» zählen zu den allerbesten Chasselas, die «Colombe Rouge» ist ebenfalls top. Ihre Weine fallen durch ihr grosses Alterungspotential auf.
Alain Pelichet
In 7. Generation bearbeitet Alain Pelichet die Böden des Familienguts Mon Pichet in Féchy. 70 Prozent ist mit Chasselas bestockt. Der traditionelle Chasselas besticht mit Lindenblüten- und Akazienaromen, der Grand Cru aus der Lage Crêt de Bayel ist komplex und intensiv. Bei den Roten brillieren Merlot und Syrah.
Solange, Lucie & Tristan Perey
Drei Geschwister bewirtschaften zwei Weingüter: Mit Einsatz und Erfolg pflegen Solange, Lucie und ihr Bruder Tristan die Reben beim Schloss Vufflens-le-Château sowie die Domaine des Abesses in Echandens. Topweine liefert der Clos Bellevue la Balle, Aufmerksamkeit verdient die «Vase M» aus alten Chasselas-Rebstöcken sowie die weisse Altesse.

Charles Rolaz, Hammel - Terres de Vins, Rolle.
Charles Rolaz
Charles Rolaz kann als Önologe des Hauses Hammel aus dem Allerbesten wählen. 25 Rebsorten und eine ganze Reihe von Vorzeigegütern wie Domaine de Crochet in Mont-sur-Rolle, Clos du Châtelard in Villeneuve und Clos de la George in Yvorne stehen ihm zur Verfügung. Die Liste seiner Grand Crus ist lang und eindrücklich, die Weine sind hervorragend.
Jean-Pierre und Maxime Sother
Die Elsässer Unternehmerfamilie erwarb 2020 zwei alteingesessene Weingüter in der Waadt. Auf Château de Malessert in Perroy wachsen auf 15 Hektaren ausschliesslich Chasselas-Trauben, die zu einem Grand Cru und einem 1er Grand Cru vinifiziert werden. Die Domaine du Manoir in den Côtes de l’Orbe dagegen bringt auf 24 Hektaren einzig Rote wie Gamay, Pinot Noir, Gamaret, Garanoir und Merlot hervor. Beide Güter sind zurzeit in Umstellung auf Bio, im Manoir wurde auch eine eigene Küferei eingerichtet.
Maude Vogel
In der Domaine Croix Duplex in Grandvaux, mit 30 Hektar eines der grössten Weingüter im Lavaux, hat Maude Vogel die alleinige Nachfolge angetreten. Ihre Palette umfasst 31 Weine aus 14 Rebsorten, welche auf insgesamt sieben Appellationen reifen. Neben schönen Roten sind dies allein zehn Chasselas, darunter der Spitzenwein «Argile» Dézaley Grand Cru.
Fotos: Nik Hunger, David Birri, Hans-Peter Siffert, Christopher Alexander Kuhn, Monika Flückiger, HO
