Fotos: Nico Schärer
Temperament trifft auf Bedächtigkeit. Die Weine von Château Saint-André? Sind ehrlich und unverfälscht. Ganz wie Julien Rouayroux, der Önologe des Weinguts der Familie Rey in Gigondas. Er sagt: «Zu den hervorstechendsten Merkmalen unserer Weine zählen die Frucht und die zurückhaltenden Tannine.» Der Önologe und die Chefin des Unternehmens, Françoise Rey, ergänzen einander perfekt. «Françoise ist temperamentvoll und voller Ideen, während ich bei der Umsetzung eher bedächtig bin.» Madame Rey schwärmt ebenfalls, in den höchsten Tönen lobt sie Juliens Feingefühl im Keller und vergleicht ihn mit dem Dirigenten eines grossen Orchesters. Probiert man die Weine, die unter seinen Händen entstanden sind, versteht man, was sie meint.

Kellermeister Julien Rouayroux mag Rasteau wegen des höheren Syrahanteils.

Chefin Françoise Rey bevorzugt Gigondas, weil sie sich ihm verbunden fühlt.
Kleine Brüder von Châteauneuf-du-Pape. Dem Kellermeister, der seit 15 Jahren für Château Saint-André arbeitet, liegt besonders der Rasteau am Herzen. «Weil er einen höheren Anteil an Syrah hat, sehr konzentriert ist und es wirklich verdient, entdeckt zu werden», so Rouayroux. Und welcher Wein steht bei Françoise Rey besonders hoch im Kurs? «Der Gigondas. Ich fühle mich diesem Gebiet, unserem Château und den Dentelles de Montmirail aus tiefster Seele verbunden», antwortet sie. Die Appellationen Rasteau und Gigondas sind, ein wenig salopp formuliert, die kleinen Brüder der «Weltmarke» Châteauneuf-du-Pape, aber nicht minder spannend als diese. Während Rasteau – wie von Julien erwähnt – besonders konzentrierte Weine hervorbringt, steht Gigondas für Frische und Eleganz. Was auch daran liegt, dass sich ein Teil der Reben dieser Appellation mitten im Gebirge befindet: mehr als 400 Meter über Meer, an den Hängen der Dentelles de Montmirail, die wie riesige Zähne in den Himmel ragen. Es ist ein faszinierendes Terroir, das uns Louis Rey, der Sohn von Françoise, auf einer Tour zeigt.
Assemblage als grosser Pluspunkt. Ein entscheidender Teil des Zaubers von Rasteau und Gigondas liegt aber auch in der Assemblage. «Mehrere Rebsorten und für den Süden charakteristische Terroirs finden zusammen, bringen ihre Besonderheiten mit ein und tragen zur beglückenden Ausgewogenheit der Weine bei», erklärt Unternehmerin Françoise Rey. Klar, dass wir jetzt neugierig sind. Auf dem Gut, das auf dem Gelände einer ehemaligen Abtei aus dem 10. Jahrhundert steht, probieren wir Rasteau und Gigondas. Der Rasteau erinnert im Bouquet an Veilchen, betört mit seiner Frucht und Brombeernoten. Dazu ist er würzig, zeigt Anklänge von Tabak. Dem Gaumen schmeichelt er mit weichem Auftakt und aromatischem Körper, er ist breit und füllig, mit gut ausbalancierter, robuster Struktur bis ins lange Finale. Der Gigondas zieht uns mit seinem würzigen Duft von reifen roten Beeren und leicht erdigen Nuancen in den Bann. Er ist weich, schmelzig und finessenreich, mit kräftigem, reiffruchtigem Körper und guter Struktur. Kurzum: Françoise und Julien haben nicht zu viel versprochen!
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