Fotos: Nico Schärer
Riesiger «Baukasten» für Winzer. In der Gemeinde Châteauneuf-du-Pape leben nur etwas mehr als 2000 Menschen, und doch ist sie in aller Munde. Es liegt an den Weinen, die in der gleichnamigen Appellation aus 13 Rebsorten gekeltert werden und zum Besten zählen, was die Weinnation Frankreich zu bieten hat. Neben der klimatisch günstigen Lage im südlichen Rhônetal mit viel Sonnenschein und dem kühlenden Mistral zeichnet sich das 3178 Hektar umfassende Anbaugebiet durch eine grosse Zahl verschiedener Bodentypen aus, die den Trauben spannende Aromaprofile bescheren. Der «Baukasten» für Winzerinnen und Winzer ist hier so divers wie an kaum einem anderen Ort. Grosses Bild oben: Albin & Agnès Jacumin.
Steine speichern Wärme. Wir sind zu Gast bei Albin Jacumin, der das im Schatten des alten Schlosses von Châteauneuf-du-Pape gelegene Weingut seiner Familie in der vierten Generation führt. Er besitzt Parzellen auf fünf verschiedenen Böden. «Dass die Weinberge noch kahl sind und vor allem die vielen runden Steine ins Auge stechen, die später im Jahr die Reben wärmen, bedeutet nicht, dass wir in dieser Periode untätig sind», erklärt Albin Jacumin. Derzeit mache er sich unter anderem Gedanken, wie er aus den Grundweinen der einzelnen Lagen seinen Châteauneuf-du-Pape AOP La Bégude des Papes 2025 komponieren soll. Früher habe er sich vor allem in den Weinbergen zu Hause gefühlt, nun geniesse er auch die Arbeit im Keller und ganz besonders die Assemblage sehr.

Unter dem Gebäude: ein Keller in fünf Metern Tiefe, in dem Weine perfekt reifen.

Typisch Châteauneuf-du-Pape: Steine zwischen den Reben, die Wärme speichern.
Ausdruckskraft & Reifepotenzial. Ein guter Wein erzähle immer eine Geschichte, so Jacumin. Und natürlich sei auch der Mensch ein Faktor in dieser Geschichte. Dass die Weine der Domaine Albin Jacumin eine wunderbare Finesse und Eleganz zeigen, entspricht ganz dem Charakter ihres Schöpfers. Gleichwohl schmeckt man sehr genau, woher sie stammen. Châteauneuf-du-Pape steht in der Welt des Weins auch für Frucht, Komplexität und Ausdruckskraft – verbunden mit aussergewöhnlichem Reifepotenzial.
Albins Auszeichnungen. Die Jacumins sind schon seit einem ganzen Jahrhundert eine Winzerfamilie, ihren Namen trägt das Weingut aber erst, seit Albin Jacumin es 2006 von seinem Vater Alain übernommen hat. Damals liess er auch das schmucke neue Gebäude errichten, das über einen fünf Meter unter dem Boden liegenden Keller verfügt, der dem Wein ideale Bedingungen zum Reifen bietet. Die Weine werden in Betontanks vinifiziert, ehe sie in Holz- oder Betonfässern und zu einem kleinen Teil in Amphoren ausgebaut werden. Ein Teil des Lohns für Albins Arbeit sind die Auszeichnungen, die im Eingangsbereich des Guts hängen. Der Châteauneuf-du-Pape AOP La Bégude des Papes 2022 gewann Silber am renommierten Concours Général Agricole, der vorangegangene Jahrgang sogar Gold.

Vater Alain (m.) ist stolz auf seinen Sohn und gesellt sich für ein Glas Wein zu den Jacumins.
Pfeffrige Noten im Bukett. Nach dem Rundgang durch Produktionsräume und Keller setzen wir uns mit Albin Jacumin und seiner Frau Agnès an den Degustationstisch und verkosten den besagten 2022er-Jahrgang. Während der Hausherr die Gläser füllt, lässt die granatrote, mit violetten Reflexen durchsetzte Farbe des Weins unsere Vorfreude auf den ersten Schluck wachsen. Dann ist die Nase an der Reihe: Aromen von Kirsche, Brombeere und Cassis schmeicheln ihr. Auch pfeffrige Noten sind auszumachen. Am Gaumen bieten die samtigen Tannine eine wunderbar weiche Struktur, das Finale (schwarze Kirschen und Veilchen) hält lange an. Die dominierende Rebsorte ist – wie immer bei einem Roten aus der Appellation Châteauneuf-du-Pape – der fruchtige Grenache. Hinzu kommen Mourvèdre und Syrah, die wichtig für die Tanninstruktur sind, sowie Cinsault für eine Extraportion Kirscharomatik.
Auch solo ein Vergnügen! «Jetzt ein Stück Schokoladenkuchen, das wärs!», sagt Albin Jacumin. «Auch eine Daube, das typisch provenzalische Ragout mit Speck, Zwiebeln, Knoblauch und Kräutern, passt sehr gut zu diesem Wein. Ebenso viele andere Fleischgerichte und gereifter Käse.» Wir finden: Dieser elegante Châteauneuf ist schon für sich ein grosses Vergnügen. Das denkt offenbar auch Albin Jacumins Papa Alain. Er gesellt sich für ein Gläschen in der Frühjahrssonne zu uns – und ist sehr zufrieden mit seinem Sohn.

