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Uncorked | Edvin bloggt

Chasselas im Schnee

Früher wars Rivella rot, heute trinkt Edvin Chasselas nach dem Skifahren. Wieso erklärt sie in ihrer Kolumne.

19. Dezember 2018

Wir befinden uns kurz nach dem ersten Schneefall. Der erste Matsch wurde schon von der Windschutzscheibe entfernt und der linke Handschuh besass man immerhin zwei Tage lang, bevor er selbstständig im Bus weiterfuhr. Je nässer und anstrengender es in der Stadt wird, desto mehr zieht es uns in die Berge. Hier vergessen wir unsere Winterträgheit und werden plötzlich hyperaktiv. Wandern, Skifahren und Schlitteln sind angesagt. Und hin und wieder schieben wir ein paar Steine übers Eis. An solch sportlichen Wintertagen genoss ich früher ein Rivella rot als Erfrischungsgetränk. Heute gönne ich mir ein Glas Chasselas, wenn ich von der Piste auf die Restaurantterrasse einbiege. Nicht nur weil es praktisch der einzige Wein ist, der Durst löschen kann, sondern weil Chasselas oft niedrige Alkoholvolumen aufweist und uns somit nicht ermüdet. 

 

Die Säure eher tief und die Aromatik mehr auf der mineralischen als fruchtigen Seite wird Chasselas zu oft noch missverstanden. Der Walliser Önologe Gilles Besse bezeichnet den Chasselas, beziehungsweise Fendant, als neutralen Wein. Die Massy Winzerbrüder aus dem Lavaux beschreiben ihn als weniger ausdrucksvoll, bodenständig. Weinautorin Chandra Kurt definiert die Traube als pures Understatement. Diese Spezialisten sind sich nicht nur einig, was die Zurückhaltung der Chasselastraube betrifft, sondern kennen auch ihre einzigartige Stärke: Obschon die Chasselastraube an und für sich keinen eigenen Charakter hat, nimmt sie ihre Persönlichkeit vom Terroir. Wenige Traubensorten können Terroir so gut reflektieren wie Chasselas respektive Fendant. Deswegen wird im Waadtland nicht per se von Chasselas gesprochen, sondern von der Appellation, wo die Traube wächst: Féchy, Epesses, Dézalay, Saint-Saphorin, Yvorne, etc. 

 

Chasselas ist nicht nur die meist angebaute Traubensorte in der Schweiz, sondern repräsentiert uns auch: Bodenständig, neutral, und unaufdringlich, besitzt aber eine enorme Stärke und einzigartige Entschlossenheit. Eine Traube etwa so unbeirrbar auf ihrem Weg, wie mein Griff zur Weinkarte. 

Cheers, Edvin.


 
Hier finden Sie einige meiner Terassentrouvaillen:
 

Badoux Vins
Badoux Vins

Chasselas Barrique d’Yvorne, Lettres de Noblesse, Chablais AOC 2016 
Fr. 24.90
www.badoux-vins.ch

Domaine La Colombe
Domaine La Colombe

Domaine La Colombe – Féchy Le Brez, La Côte AOC 2016 // Paul Ullrich  
Fr. 17.00 
www.ullrich.ch
 

Château de Perroy
Château de Perroy

Cuvée Prestige Grand Cru, La Côte AOC 2017 // Brauerei Baar
Fr. 14.80
www.brauereibaar.ch