Text: Elsbeth Hobmeier

Berner Winzer des Jahres». Am Ufer des Bielersees wachsen gute Weine. Dies beweist sich jedes Jahr beim kantonalen Wettbewerb um den «Berner Wein des Jahres». Auch diesen Sommer eiferten viele Weinproduzentinnen und -produzenten mit. Den Titel «Berner Winzer des Jahres 2022» holte Nick Bösiger, der 2016 das Weingut Frauenkopf in Twann übernehmen und es von drei auf heute acht Hektaren vergrössern konnte. Er bearbeitet seine Reben biologisch und pflanzt neu sogenannte Piwi-Sorten wie Sauvignier gris an, die widerstandsfähiger gegen Pilzkrankheiten sind. Zur öffentlichen Degustation ins Berner Rathaus brachte er seine Lieblingsweine mit: den frisch-fruchtigen, mineralischen Chasselas 2021, den Pinot noir barrique 2020, der ein Jahr im Eichenholz gereift ist, und als in der Region noch eher rare Spezialität einen Gamaret Réserve 2020, der mit Aromen von dunklen Früchten und südlicher Würze überraschte.

Grosses Bild oben: Ursula Irion, Beat Burkhardt und Adrian Klötzli (v.l.).

«Spiezer Alpine Weinkultur». Wer Berner Wein hört, denkt oft zuerst an die Weinregion Bielersee. Doch auch am Thunersee, speziell in Spiez, gedeihen sehr ernst zu nehmende Gewächse. Der Spiezer Rebberg zählt zu den Höchstgelegenen nördlich der Alpen. Diesen Umstand betont die Kellermeisterin und Betriebsleiterin Ursula Irion mit dem Namen «Spiezer Alpine Weinkultur», den sie der Rebgenossenschaft verpasst hat. Dank guter Sortenwahl und dem Föhn gelingen ihr frische, freche, spritzige Weissweine wie der Spiezer Sauvignac 2021 und der Riesling-Sylvaner «Einisch Anders». Auch der duftig-fruchtige rote Cabernet Jura 2020, den sie im Barrique ausgebaut und verfeinert hatte, muss sich keineswegs verstecken - er kam beim weininteressierten, zahlreichen Publikum bei der Berner Degustation sehr gut an. 
 

TWANN - 06FEB19 -SRF bi de Luet  - Unser Dorf TwannNick Boesiger, Winzer Weingut Frauenkopf Twann.Twann, Mittwoch 6. Februar 2018.© SEVERIN NOWACKI Fotograf BR Postfach CH-3001 Bern Switzerland +41 79 761 33 46 PC 30-455681-8 info@nowacki.ch www.nowacki.ch

Weingut Frauenkopf: Nick Bösiger leitet das Weingut in Twann am Bielersee.

Von Riesling-Sylvaner bis Naturtrüb. Zur Elite am Bielersee gehört Adrian Klötzli vom Weingut zum Twannbach, der den Sprung in die Gault-Millau-Liste der 150 besten Schweizer Winzer geschafft hat. In Bern schenkte er einen ausgewogenen, fein-duftigen Riesling-Sylvaner 2021 aus, einen eleganten Pinot noir und seinen erklärten Liebling, den süssen Le Rêve aus angetrockneten Beeren von Riesling-Sylvaner, Sylvaner und Pinot noir, den er zwei Jahre im Holz reifen liess. «Den habe ich vor zwanzig Jahren erfunden. Und er ist immer noch ein Hit», freut sich der Winzer aus Twann, der das Gut in vierter Generation führt. Als Vertreter der jungen Winzergeneration schenkten Arielle und Beni Andrey, die das elterliche Weingut in Schafis erst diesen Januar übernommen haben, einen überzeugenden Naturtrüb sprich Chasselas non filtré aus. Auch ihr Sauvignon blanc gefiel; diese Sorte gedeiht an den Kalksteinhängen am Bielerseeufer besonders gut.

 

Entscheid zur Sankt-Petersinsel gefallen. Zugegen war an der Berner Präsentation auch das Weingut Bielerhaus Ligerz von Beat Burkhardt. Ausgeschenkt wurde ein Mousseux Rosé Brut, klassisch komponiert aus Chardonnay und Pinot noir, sowie die Eigenkreation Pinorone, dessen Pinot-noir-Trauben nach Amarone-Vorbild vor dem Pressen getrocknet werden. Burkhardt machte vor kurzem von sich reden als «Macher» des Weins für das Kloster Engelberg, das ihm seine Reben am Seeufer anvertraut hat. Noch druckfrisch ist der Entscheid der Bern Burger, welche einen neuen Betrieb für die Pflege ihrer Reben auf der Sankt-Petersinsel gesucht hatten. Soeben wurde bekannt, dass das von Beat Burkhardt und seinem Winzerkollegen Lorenz Hämmerli aus Ins eingereichte Konzept das Rennen für sich entschieden hat. Ab 2024 werden sie gemeinsam die Bernburger-Weine keltern, die Ernte 2023 wird noch der bisherige Pächter, das Rebgut der Stadt Bern, einbringen.

 

>> www.bernerwein.ch
 

Fotos: Hans-Peter Siffert, Phil Wenger, Severin Nowacki