Beste Stimmung am Stammtisch. Peter Spuhler, Stadler-Rail-Chef mit grossem Herz für die Gastronomie, hat zusammen mit seiner Frau Daniela und weiteren Investoren rund 3 Millionen Franken in eine Frischzellenkur für das traditionsreiche Restaurant Winkelried in Frauenfeld investiert. Herausgekommen ist eine gediegene, aber vollkommen unverkrampfte Beiz, in der man sich vom ersten Augenblick an pudelwohl fühlt. Wer spontan oder allein im «Winkelried» tafeln möchte, kann am grossen Stammtisch im vorderen Teil des Lokals Platz nehmen und dort interessante Bekanntschaften machen. Wir teilen uns den Tisch mit drei vergnügten Herren, die einmal pro Woche hierherkommen und freudig die Sauce ihres Stroganoff mit Brot auftunken. Da liegt es auf der Hand, dass auch wir das Stroganoff bestellen. Bild oben: Dario und Petra Ackermann, die neuen Wirtsleute im «Winkelried», und der Zander mit Bergamotte und Essiggemüse.

Viel Holz, viel Charme: Blick in die Gaststube des «Winkelried».
Der Bergamottenessig ist hausgemacht. Doch fangen wir vorne an in der Speisefolge. Kurz nach dem knusprigen Weissbrot mit aufgeschlagener Kaffeebutter steht schon der gebeizte Zander mit Essiggemüse und Sesam auf dem Tisch. Eine Kreation, die auch im Menü eines hoch bepunkteten Restaurants einer der Stars wäre. Der Fisch ist taufrisch und präzise geschnitten, der mit Randensaft gefärbte Essigsud besticht mit perfekter Balance von Säure und Süsse. Küchenchef Dario Ackermann verwendet zwei Essigsorten: zum einen Kräuteressig, zum anderen hausgemachten Bergamottenessig. Auch die Zesten der Zitrusfrucht integriert er in das Gericht. Naturgemäss nicht so spektakulär, aber ausgezeichnet ist der Freiland-Nüsslisalat mit gehacktem Ei, verschiedenen Kernen und French Dressing. Wer's luxuriös mag, bestellt die hausgemachten Ochsenschwanz-Ravioli mit Entenleber und schwarzem Trüffel oder die Fregola mit Meeresfrüchten – inklusive Carabinero.

Das Meer lässt grüssen: Fregola mit Carabinero.

Die grosse Klassik: Ochsenschwanz-Ravioli mit Entenleber und Trüffel.
Wunderbare Butterknöpfli. Dann schlägt die Stunde des Stroganoff. Perfekt gebratene Filetwürfel vom Rind aus dem nahen Scherzingen schmiegen sich an eine in der Tat traumhafte Sauce mit akkurat geviertelten Champignons und Peperoniwürfeln. Essiggurken finden sich keine im Gericht, dafür eine grosszügige Portion Schnittlauchröllchen. Apropos grosszügig: Als die freundliche Dame in Service merkt, dass wir die à part gereichten, fluffigen Butterknöpfli vor dem Fleisch aufgegessen haben, bringt sie uns sogleich ein zweites Schälchen davon. Obwohl der Bauch nach dem herzhaften Programm schon sehr gut gefüllt ist, bestellen wir noch den Himbeer-Clafoutis mit geschmeidiger Vanilleglace und Chantilly. Ein ausgezeichneter Abschluss.

Auch der Weinkeller im frisch renovierten Haus genügt höchsten Ansprüchen.
The Place to b. Zur exzellenten Küche im «Winkelried» passt der bestens bestückte, durch eine Glastüre einsehbare Weinkeller mit Ziegelwänden, gedämpftem Licht und einer Reihe von Tischen. Hier lagern zahlreiche bemerkenswerte Preziosen wie zum Beispiel ein 2012er Sassicaia in der 6-Liter-Flasche oder ein Harlan Estate 2018 aus dem Nappa Valley, aber auch klug ausgewählte Tropfen aus dem Thurgau. Der Preis für die günstigste Flasche liegt bei knapp über 50 Franken. Den Service leitet Petra Ackermann, die Frau des Küchenchefs, mit Übersicht und Liebenswürdigkeit. Die Zigarrenkarte im gemütlichen Fumoir verdient das Prädikat «Champions League». Mittags gibt es neben einem im Vergleich zu Abend kleineren A-la-Carte-Angebot einen Business Lunch mit Salat für 39 Franken (vegetarisch 34 Fr.).
>> www.restaurant-winkelried.ch
Fotos: HO
Die GaultMillau-Tester stellen im Auftrag der UBS jede Woche einen «Place to b.» vor: Adressen für den gepflegten Businesslunch, für den Brunch am Wochenende, für ein Essen mit Freunden, für Trendsetter & Entdecker, für Verliebte. Bereits erschienene «Tipps der Woche» finden Sie hier.

