Ein Blitz aus heiterem Himmel. Sie ist ein Weltstar. Keine andere Frau holte mehr Michelin-Sterne als Anne-Sophie Pic. Und das Rating im GaultMillau war auch nicht schlecht: 18 Punkte für ihr elegantes Restaurant im Traumhotel «Beau-Rivage Palace» in Lausanne. Jetzt kommt es zur überraschenden Scheidung: Anne-Sophie Pic kriegt am Lac Léman keinen neuen Vertrag mehr! Ein Blitz aus heiterem Himmel. Die Vertragsverlängerung schien Formsache, zumal die Sandoz-Gruppe für sie das Restaurant eben erst komplett umgebaut hat, genau nach den Wünschen von «la cheffe». Und: Madame Anne-Sophie war in der Schweiz sehr happy. Letzter Service: 31. Dezember 2026.

Das Traumhotel «Beau-Rivage Palace» in Lausanne. Hier führte Anne-Sophie Pic 17 Jahre lang ein wundervolles Restaurant.
Was lief schief im «Beau-Rivage»? Das Hotel hält sich höflich bedeckt, blickt «mit Dankbarkeit» auf die letzten 17 Jahre zurück. Etwas spekulieren darf man schon: Die Auslastung war nicht besonders hoch, vor allem mittags hatte man trotz Preissenkung Mühe, das Restaurant immer zu füllen. Und: Weder Michelin, noch GaultMillau zückten die Höchstnote. Aus GaultMillau-Sicht nicht wegen fehlender Qualität, sondern weil der Chef in Lausanne häufig wechselte; Jordan Theurillat, gegenwärtig Anne-Sophie Pics Statthalter, macht einen ausgezeichneten Job.

Madame Anne-Sophie und ihr begabter Statthalter in Lausanne: Chef Jordan Theurillat.
Gesucht: Ein eigener Chef. Das «Beau-Rivage Palace» will sein Top-Restaurant nicht mehr an einen Starchef aus dem Ausland outsourcen, ist gerade auf der Suche nach einem Koch, der fix zum Hotel gehört. Kandidaten? Einige. Dass Benoît Carcenat, GaultMillaus «Koch des Jahres 2023», dazu gehört, ist ein offenes Geheimnis. Der Superchef, in Rougemont ruppig verabschiedet, prüft gerade mehrere Optionen. Die Mitarbeiter wurden bereits über die Schliessung des Restaurants «Pic» per Ende Jahr informiert.

Der Signature Dish: «Les Berlingots©Pic», in Lausanne in einer Schweizer Variante: Vacherin und Gruyère «moitié-moitié» im zylinderförmigen Teig.
Eine schmerzhafte Trennung. Chefs kommen und gehen, und trotzdem schmerzt der Wechsel in Lausanne. Madame Anne-Sophie hat eine sehr enge Beziehung zur Romandie, achtete immer auf eine gute Besetzung der Schlüsselpositionen und passte ihre Küche fast zu 100% dem Schweizer Markt an. Produzenten aus der Region (Fisch, Gemüse, Käse) waren für sie erste Wahl. Selbst ihre urheberrechtlich geschützten Belingots©Pic hatten einen helvetischen Touch: Fondue moitié-moitié, Gruyère und Vacherin!
GaultMillau meint: Au revoir, Madame! Wir haben die Zeit mit Ihnen in der Schweiz sehr genossen, ihre leidenschaftliche Arbeit und ihren siebten Sinn für neue Trends (alkoholfreie Cocktails zum Menü) immer bewundert. Wir müssen auf Ihre wunderbare Küche nicht verzichten; die Anreise allerdings wird etwas länger.

