Text: Stephan Thomas

Pinot statt Heidelbeeren. Nicht weniger als fünf Schweizer Weingüter tragen den Namen Lampert. Ein Weingut Heidelberg gibt es hingegen nur einmal. Umso näher liegt es, dass die Familie von Roland Lampert aus Maienfeld den Namen des Guts und nicht den Familiennamen ins Zentrum stellt. Auch deswegen, weil Rolands Familie sich schon seit Grossvaters Zeiten als «im Dienst des Heidelbergs» stehend sieht. Den Namen trägt das Gut schon seit Urzeiten - abgeleitet vom Flurnamen der Lage, auf dem es steht. Mit der Stadt am Neckar hat er nichts zu tun. Hier, hoch am Hang, wuchsen früher Heidelbeeren. Bild oben: Roland Lampert (l.) und Hanspeter Lampert.

Blick in den Rebberg zum Start der Hauptlese der Blauburgunder-Trauben in der Buendner Herrschaft.

Weinlese im Rebenparadies der Bündner Herrschaft. Hinten grüsst der Falknis. 

Sprengstoff im Rebberg. Gegründet hat den Betrieb Rolands Grossvater. Er hat jedes Stück Rebland gekauft, das er kriegen konnte - in der damaligen Zeit eine schwierige und teure Angelegenheit. Die Lage «Badrus» hat er nur bekommen, weil sie so steinig war. Man hielt ihn für verrückt, dass er hier Reben pflanzen wollte. Doch er liess sich nicht beirren, riss mit Pferden die Bäume aus, schaffte die Steine weg. Die grössten Brocken hat er mit Hilfe des städtischen Sprengmeisters beseitigt. Zwanzig Jahre später hat sich die Sache ausbezahlt. Noch heute liefert «Badrus» einen ungemein tiefgründigen Pinot Noir.

Crus und Cuvées. Beim Verkosten der Heidelberg-Pinots bleibt uns mehr als einmal der Kiefer hängen. Erstmals beim «Cru village» «Maiavilla», der mit seiner Verspieltheit, aber auch seinem stattlichen Tanningerüst locker an die Spitzencuvées von manch anderem Weingut heranreicht. Ein zweites Mal beim erwähnten Lagenwein «Badrus», und schliesslich beim «Jubiläum» 2019, einem Monument, das zum Lagern bestimmt ist. Auch die Weissen gefallen, namentlich der Riesling-Silvaner «Mineral» oder der burgundisch-noble Lagen-Chardonnay «Heidelberg».

Ein Erntehelfer schneidet Trauben, zum Start der Hauptlese der Blauburgunder-Trauben in der Buendner Herrschaft.

Weinlese in der Bündner Herrschaft, nach wie vor viel Handarbeit.

Etikette mit Bilderrätsel. Einen radikalen Wechsel hat Roland Lampert bei den Etiketten getätigt. Hat man früher mit dem markanten Lampert-Schriftzug und knalligen Farben auf sich aufmerksam gemacht, steht da nun zurückhaltend «Weingut Heidelberg». Das Logo des Guts stellt das Maienfelder Walsermädchen Elli dar. Die Sage berichtet von ihrer Liebe zu einem Maienfelder Burschen. Nach Schwierigkeiten ist ein glückliches Ende absehbar, doch dann erfrieren die beiden am Tag vor der Hochzeit im Schneesturm. Inspiriert ist die Etikette von den Sgraffito-Kunstwerken, welche an den Fassaden der Engadinerhäuser angebracht werden. Dazu gehören auch die Drachen und Fabelwesen, die dort Unheil abwenden sollen - auf der Etikette sind sie in der Art eines Bilderrätsels versteckt.

Coup de Coeur: Pinot Noir «Badrus» 2016

Das liegt im Keller: Chardonnay «Heidelberg» 2024; Pinot Noir «Maiavilla» 2023; Pinot Noir «Jubiläum» 2019

Drei GaultMillau-Köche mit Heidelberg-Weinen: Markus Schenk im «Corso» St.Gallen (16 Punkte). Matthias Althof im «Gasthaus am Brunnen» Valendas (15 Punkte). Jürg Stauffer im «Va Bene» Chur (13 Punkte).

Das passt zusammen: Bündner Gerstensuppe nach altem Familienrezept mit viel Fleisch, aber ohne Rahm, zu Cuvée Blanc «Elli» (Riesling-Silvaner, Chardonnay, Sauvignon Blanc).

www.weingut-heidelberg.ch


Fotos: HO