Text: Stephan Thomas
Backstube? Rebberg! Es dürfte weltweit einmalig sein: Zwei verliebte Bäcker-Konditoren, die sich für den Winzerberuf entschieden haben. Arielle und Beni Andrey lernten sich an ihrem Arbeitsort kennen, dem «Schlossbeck» in Nidau, bevor sie sich den Reben zuwandten. Sie als Quereinsteiger zu bezeichnen, wäre dennoch nicht ganz richtig. Arielle stammt aus einer seit fünf Generationen in Schafis am Bielersee ansässigen Winzerfamilie, und Beni hat – immerhin – ihren Namen angenommen. Die frühere Profession wurde aber nicht ad acta gelegt: Für die zahlreichen Events backen die beiden Focaccia oder kreieren Tapas. GaultMillau zeichnet die beiden Swiss-Wine-Winzer Arielle und Beni Andrey als «Rookie des Jahres 2027» aus.

Das Pairing: Tapas und Andrey-Weine.

Bei Andreys wird nach Möglichkeit draussen serviert.

Signature dish: Hausgemachte Ciabatta.
Verkostet wird gemeinsam. Eigentlich wollte Vater Röbi keiner seiner vier Töchter den Betrieb aufdrängen. Nach einer langen Weltreise von Arielle und Beni kristallisierte sich die jetzige Situation allerdings heraus. «Für mich war klar, dass ich beruflich selbständig sein wollte, auf welchem Gebiet auch immer», sagt Arielle. Darum absolvierte sie eine Winzerlehre beim Biodynamie-Pionier Christian Rossel, Beni liess sich zum Fachmann in Unternehmensführung ausbilden. Wenig verwunderlich arbeitet man bei den Andreys nach Bio-Grundsätzen – allerdings ohne Label. Die Aufteilung im Betrieb? Beni pflegt die Reben, während Arielle im Keller arbeitet. Verkostet wird gemeinsam.

Malerisch: Der historische Kern von Schafis BE.
Das Fass in Ei-Form. Im erneuerten Keller fallen drei üppige Fässer auf. Man findet sie auch auf dem Logo des Betriebs wieder. Unwillkürlich fragt man sich, wie man solche Riesendinger durch den kleinen Eingang bringt. Für Küfer Roland Suppiger kein Problem: Man zerlegt das Fass in seine Einzelteile und baut sie im Keller wieder zusammen. Aus den Vorgängerfässern, die 80 Jahre ihren Dienst getan hatten, wurde von Walter Amrhyn ein schier endlos langer Tisch gezimmert, an dem mindestens 20 Personen Platz finden. Im Keller stehen auch drei neue, weniger grosse Fässer. Das kleinste von ihnen trägt den Namen der Tochter Ilona Amélie. Es zeigt im Aufriss eine deutliche Ei-Form. «Dafür gibt es historische Vorbilder. So ist mehr Bewegung im Wein, mehr Schwung. Der Wein macht gewissermassen die Bâtonnage, das Aufrühren der Hefe, von selbst.»

Zieren auch das Logo: Die drei grossen Fässer im Andrey-Keller.

Die beiden Wein-Flaggschiffe: Chardonnay «Au Clos», Pinot Noir «Roche aux Cros».
Naturtrüb alias «Non Filtré». Bei der Betriebsübernahme wollten Arielle und Beni nicht alles über den Haufen werfen. So führt die Traditionslinie im Wesentlichen die Arbeit der Eltern fort. Die Handschrift der jungen Generation tragen der Chardonnnay «Au Clos» und der Pinot Noir «Roche au Cros»: spontanvergoren, unfiltriert, direkt im 300-Liter-Fût vergoren. «Ein Nischenprodukt. Da fliesst ein wenig zusammen, was ich mancherorts gehört und gesammelt habe», sagt Arielle. Originell ist auch der «Naturtrüeb», was andernorts als «Non Filtré» verkauft würde.
Run auf den Wermut. Man kann nicht immer vorausahnen, dass ein Produkt zum Renner wird: Der weisse Wermut der Domäne war als Experiment gedacht, das man zusammen mit dem Getränketechnologen & Gin-Produzenten Urs Pratter von Laginori wagte. Ausschliesslich heimische Gewächse kommen in die Flasche: Rosmarin, Thymian, Lindenblüten, Verveine, auch Aprikosen und Feigen – so entsteht das einzige süsse Getränk des Hauses. Der Absatz? War reissend, jetzt geht bald schon die nächste Charge in Produktion.
Fotos: Thomas Hugi, Sibylle von Aesch
